Jade Ein Summen und Schwirren ist im Sommer auf dem Jader Friedhof zu vernehmen. Das verursachen die Insekten und kommt nicht von ungefähr. Verantwortlich dafür ist der Küster Jürgen Hartmann, der manche Ecke auf dem Friedhof und drum herum mit Blühstreifen ganz bewusst naturfreundlich gestaltet hat.

Langsam angefangen damit hat der Naturfreund nunmehr vor fünf Jahren. Man sieht es allerorts auf dem Friedhof: Die Ränder sind gemäht, dann kommen die Flächen, wo das Gras stehen bleibt. Beraten hat ihn dabei die Diplom-Biologin Susanne Gruber aus Westerstede.

Der Küster stellte schnell fest, dass sich die Pflanzen auf solchen brach liegenden Magerrasen von alleine aussäen: „Sie sind von alleine gekommen. Ich hab’ bis zu 20 verschiedene Blüher gezählt“, sagt er. Vom Friedhofsparkplatz aus zum Walter-Spitta-Haus ist schon der erste Blühstreifen zu sehen, deutlich sichtbar sind Wilder Raps, Kornblume, Kamille und Sonnenblumen. Das setzt sich über den Friedhof bis an die Jade fort. Insgesamt, schätzt der Naturkundler, ergibt das eine Fläche von rund 1 000 Quadratmetern. Jeder Platz wird ausgenutzt. So hat er aufgegebene Grabstellen mit Weißklee eingesät. Festgestellt hat Jürgen Hartmann, dass die Schmetterlinge – wie Kleiner Admiral, Pfauenauge, Kohlweißling und Zitronenfalter – zahlreicher geworden sind: „Seit das Gras stehen bleibt, sind die Nachtfalter mehr geworden“, betont er.  Hummeln gibt es hier fünf bis sechs Sorten – auch die Baum-, Stein- und Ackerhummel.

2017 – in einem sehr nassen Sommer – ging der Bestand der Hummeln deutlich zurück. Erfreut hat Hartmann festgestellt, dass sich die Erdhummel dieses Jahr stark vermehrt hat. Man sieht, wie sich Wildbienen ihren Weg in die Fugen vom Pflasterklinker suchen. Nicht weit entfernt summen auch die Erd- und Grabwespen, die sich ihren Weg ins Erdreich bahnen. Der Naturschützer weiß es genau: „Hummeln, alle anderen Wildbienen und Hornissen sind besonders geschützt. Sie dürfen nicht verletzt oder gefangen und ihre Nester nicht zerstört werden.“ Jürgen Hartmann ist zudem auch noch Bienenfachmann. Sieben Wirtschaftsvölker, die ausreichend Honig für die Ernte eintragen, sind hier zuhause – dazu zwei Schwärme mit der Bereitschaft der Honigbiene, ihre Staaten durch Teilung zu vermehren. Mit drei Ablegern hat er neue Bienenvölker geschaffen. Seit 2013 bringt er sich bei der Imkerei ein.

Am Kirchenpad an der Jade wird die Blühmischung für die Bienenweiden ausgesät. Darin sind Büschelschön (Phacelia), vier Sorten Sonnenblumen, Weiß,- Rot, und Steinklee, Malven, Borretsch, Storchenschnabel und Glockenblume enthalten – insgesamt 48 Sorten. Übrigens ist auch die Brennnessel irgendwo versteckt am Rand hinter Bäumen für 27 Arten von Schmetterlingen nützlich. Da der Friedhof naturbelassen ist, ist er auch für manche Vogelart ein wichtiger Standort. Die Rauchschwalben sind erstmals jetzt mit zwei Paaren hier. Der Fachmann: „Ein Paar mit zwei bis vier Jungen benötigt 250 000 Insekten in der Saison.“ Hier sind auch die Heckenbraunelle, das Rotkehlchen und der Dompfaff anzutreffen. Auch die Meisen haben die Nistkästchen aufgesucht. Die Nisthilfen wurden vor zwei Jahren von der Nabu Ortsgruppe Jade/Ovelgönne angebracht. Der Baumläufer hat seinen Nistkasten auch angenommen.

Seit zwölf Jahren bevorzugt der Turmfalke den Glockenturm der Trinitatis Kirche, er ist in der Nachzucht erfolgreich. Im Jahre 2016 gab es sogar fünf Jungvögel, im Vorjahr drei, sonst sind es immer vier Nachkommen. Sein Wissen um die Natur, so über die Bienen, gibt er auch gerne an die Jungen und Mädchen weiter. Jürgen Hartmann hat festgestellt: „Kinder kennen die Natur nicht mehr. Deshalb müssten Kinder die Natur neu erleben.“


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