Frage: Herr Kurz, der Jahreswechsel ist ja auch eine Zeit der Wünsche. Sie treffen eine Fee, die gewährt Ihnen drei Wünsche, einzige Voraussetzung: Sie müssen alle etwas mit der Stadt Brake zu tun haben. Was wünschen Sie sich?

Kurz: Wenn eine Fee drei Wünsche offeriert, kommt man meistens reflexartig auf die Idee, das man sich mehr Geld wünscht. Finanziell gesehen geht es der Stadt Brake zurzeit recht gut. Mehr Geld kann man zwar immer gebrauchen, aber ich möchte das einmal anders formulieren. Ich wünsche mir, dass sich die Einnahmen der Stadt in den nächsten Jahren auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren und wir vor finanziellen Hiobsbotschaften verschont bleiben. Mein zweiter Wunsch wäre, dass Verwaltung und Politik einen machbaren Lösungsvorschlag für unsere Fußgängerzone erarbeiten. Und drittens wünsche ich mir, dass die Brakerinnen und Braker sich von Amazon und Co. verabschieden und mehr bei den örtlichen Händlern einkaufen. „Kaufe lokal“ muss das Credo sein – das hilft auch der Innenstadt.

Der Bürgermeister

Michael Kurz (SPD) wurde von den Braker Bürgerinnen und Bürgern am 15. Juni 2014 zum Bürgermeister gewählt. In der Stichwahl setzte sich der heute 56-Jährige gegen Gérard Rünzi (parteilos) durch. Der Braker war zuvor als Leiter der Wasserschutzpolizei in Stade tätig und trat sein Amt für die Dauer von sieben Jahren am 1. November 2014 an.

Frage: Und wenn Sie keine Wünsche frei haben? Die Stadt Brake hat 16 Millionen Euro langfristige Verbindlichkeiten, noch 5 Million kurzfristige Schulden und durch den Bau einer neuen Grundschule und zweier Kindertagesstätten Investitionen von 9 Millionen Euro „vor der Brust“. Die Pflöcke für die nächsten zwei Jahre sind mit dem Haushalt eingeschlagen. Vor allem bei den freiwilligen Leistungen ist nicht viel Spielraum. Wie kann man das auf Dauer den Bürgern und Vereinen vermitteln?

Kurz: Durch unseren positiven Haushalt werden wir auch in den kommenden Jahren die kurzfristigen Schulden weiter reduzieren. Das ist und bleibt mein erklärtes Ziel. Die langfristigen Verbindlichkeiten sehe ich nicht als großes Problem an, insbesondere weil entsprechende Werte dagegen stehen. Das gilt auch für die kommenden Investition in die Bildung, sprich Neubau einer Schule, einer Sporthalle und von zwei Kindertageseinrichtungen. Da wir gleichzeitig in erheblichem Maße Tilgungen vornehmen, hält sich die Neuverschuldung in vertretbarem Rahmen. Wir bleiben handlungsfähig, weil wir Zins und Tilgungsleistung erwirtschaften können. Auch die sogenannten freiwilligen Leistungen befinden sich auf einem guten Niveau. Ich habe bislang keine Klagen Braker Vereine, mit Ausnahme des Brake-Vereins, entgegennehmen müssen, dass sie sich nachhaltig vernachlässigt fühlen.

Frage: Sie sprechen es an: Auch der Brake-Verein wollte mehr Geld, kriegt es aber nicht. Beim Arbeitskreis für den Masterplan Innenstadt fühlt er sich außen vor. Bedarf es des Vereins gerade für den Bereich Stadtmarketing da überhaupt noch?

Kurz: Das war eine politische Entscheidung. Ich werde im ersten Quartal Gespräche mit dem Vorstand des Brake-Vereins führen, um die Situation zu analysieren und das weitere Vorgehen besprechen.

Frage: Für Außenstehende scheint sich in den letzten Monaten die Zeit im Stadtrat wieder etwas zurück zu drehen: Schärfere Töne und nicht abgestimmte Anträge belasten die Zusammenarbeit der Fraktionen untereinander und mit der Verwaltung. Was muss sich aus Sicht des Bürgermeisters hier verbessern?

Kurz: Ach, ich glaube das war nur eine Momentaufnahme. Grundsätzlich ist das Verhältnis der Fraktionen untereinander und zur Verwaltung gut. Spannungen und kontroverse Diskussionen gehören auch einfach mal dazu. Das ist doch auch das Salz in der Suppe „Kommunalpolitik“ und sollte nicht überbewertet werden. Außerdem hätten die Printmedien gar nichts mehr zu berichten, wenn es nur harmonisch zugeht. Nein, im Ernst, die Zusammenarbeit – bei aller politischen Unterschiedlichkeit – klappt gut. Das sieht man auch an den Beschlüssen des Rates, die zu über 90 Prozent einstimmig waren. Ich mache mir zurzeit wenig Sorgen und sehe das eher gelassen.

Frage: Bei den Gewerbeansiedlungen bleibt vor allem die Ansiedlung der Elsflether Werft in Erinnerung. Wie kann es gelingen, weitere zukunftsfähige Unternehmen nach Brake zu locken – vor allem auch um die Einnahmenseite durch Steuern zu verbessern?

Kurz: Es ist nicht nur bei der Ansiedlung der Elsflether Werft auf dem ehemaligen Lühring-Gelände geblieben. Dort haben sich, ohne groß Aufmerksamkeit zu erregen, weitere Unternehmen angesiedelt. Insgesamt sind auf dem Gelände mittlerweile 50 Mitarbeiter beschäftigt. Das ist doch ein toller Erfolg. Gewerbeansiedlungen sind aber grundsätzlich kein einfaches Geschäft. Es muss alles passen, insbesondere Grundstück und Infrastruktur. Eine sehr gute Infrastruktur ist in Brake vorhanden. Es mangelt an eigenen Gewerbeflächen. Zurzeit haben wir nur noch kleinere Flächen im Bereich Kirchhammelwarden, direkt an der B 212, zur Verfügung. Größere Flächen stehen im Boitwarder Groden zur Verfügung, die allerdings N-Ports gehören. Hier sollen vorrangig hafenaffine Umschlagsunternehmen eine Ansiedlung finden. Wir arbeiten aber zurzeit daran, neue Gewerbeflächen für die Stadt auszuweisen.

Frage: Eins davon ist in Brake West im Gespräch. Wie weit sind die Pläne für die Erweiterung der Stadt über die B 212 hinaus?

Kurz: Für das Gebiet Brake West sind wir in der Vorbereitung den Flächennutzungsplan zu ändern. Das Problem an der Entwicklung Brake West ist, dass wir keine Zufahrt von der B 211 neu in das geplante Gewerbegebiet bekommen. Hier haben die damaligen Verantwortlichen der Stadt im Planfeststellungsverfahren für die B 211n nicht konsequent auf eine Zufahrt bestanden. Das holt uns jetzt ein. Ich hatte in dieser Sache bereits Gespräche im niedersächsischen Verkehrsministerium, die aber zu keinem Ergebnis führten. Zurzeit versuchen wir Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Lassen Sie mich abschließend betonen, Brake entwickelt sich aus meiner Sicht sehr gut. Ich sehe viele positive Seiten. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem erfreulich niedrigen Stand. Den Unternehmen in Brake geht es gut und die Auftragslage ist ebenfalls gut bis sehr gut. Das macht sich auch in den Gewerbesteuerzahlungen positiv bemerkbar. Die Einwohnerzahl hat sich bei deutlich über 15 000 stabilisiert. Wir sind auf einem guten Weg, neue Wohngebiete zu erschließen. Im Wohngebiet Wiesenstraße sind fast alle Grundstücke verkauft. In Hammelwarden sind zwei Bebauungspläne für Wohnbaugebiete in der Bauleitplanung und ich rechne bis Herbst 2019 mit einer Umsetzung. Anschließend stehen dort wahrscheinlich knapp 30 Bauplätze zur Verfügung. Weitere Pläne liegen bei mir in der Schublade. Wir bauen eine neue Schule, eine Sporthalle und zwei Kindertagesstätten. Auch finanziell sind wir auf einem sehr guten Weg. Unseren Altschuldenstand konnten wir deutlich reduzieren, beziehungsweise komplett abbauen. Der Haushalt sieht für die nächsten Jahre deutliche Überschüsse vor, so dass wir auch die kurzfristigen Kredite in erheblichem Maße abbauen können. Für dieses Jahr gehe ich davon aus, dass sich unsere Kassenkredite wahrscheinlich auf deutlich unter vier Millionen Euro reduzieren. Ja, wir haben Baustellen, die abzuarbeiten sind. Aber wir können nicht alles innerhalb kurzer Zeit aufholen, was fast ein Jahrzehnt aufgrund der schlechten Haushaltsituation liegenblieb. Wir verlassen langsam aber stetig das Tal der Tränen und sollten positiv in die Zukunft blicken.

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Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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