BRAKE Wie heiß in Hammelwarden zurzeit die Zukunft des alten Wasserturms diskutiert wird, zeigt die Resonanz auf die Rollende Redaktion am Donnerstag beim Combi-Markt: Der Andrang an Bürgern, die über das Thema mit den NWZ -Redaktionsmitgliedern Detlef Glückselig und Stefanie Dosch ins Gespräch kommen wollten, war gewaltig. Fazit: Die meisten Hammelwarder wollen den Turm erhalten wissen. Einem Förderverein, der Geld für eine Sanierung sammelt, räumen sie wenig Chancen ein. Und: Auch der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, dem der Turm einst gehörte, müsse bei der Diskussion mit ins Boot geholt werden.

Förderverein? „Das kriegen Sie hier in Brake nicht hin“, ist Gerda Pagels (66) überzeugt. Ihre Meinung zum Wasserturm: „Ich bin Realistin. Wenn es um Menschenleben geht, hört der Spaß auf. Entweder wird der Turm vollkommen saniert – oder er muss weg.“

„Ein Förderverein funktioniert nicht“, sagt auch Jochen Bittner (65). Er hält es für „unrealistisch“, dass der Turm erhalten wird. Deshalb müsse er, so jammerschade das auch sei, verschwinden.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Vorwurf an Eigentümer

Auch Bürgervereinsvorsitzender Heiko Schütte (50)und Paul Leske von den Siedlern räumen einem Förderverein wenig Chancen auf Erfolg ein. „Der Eigentümer hätte sich im Voraus darüber im Klaren sein müssen, was da auf ihn zukommt“, findet Wilfried Kleinkopf (56). Jetzt stehe er in der Pflicht, für die Sicherheit des Turms zu sorgen. Die Stadt müsste entsprechenden Druck ausüben.

So sieht es auch der Hammelwarder Chronik-Autor Hans Wiechmann (76). Und: Der Wasserverband habe sich seinerzeit mit dem Verkauf des Turms „aus der Verantwortung geschlichen“, stimmt Wiechmann mit dem SPD-Ratsherrn Heinz-Wilhelm Bergmann (63) überein. Nun müsse der OOWV wieder mit ins Boot geholt werden. Eine kurzfristige Sicherung sei durch Netze möglich, glaubt Wiechmann. Dass der Wasserverband in die Pflicht genommen werden müsse, findet auch Berndt Evers (58).

„Oh!“, entfährt es Paulo Livramento (59), als ihm Anliegerin Nicole Buntrock die vom Wasserturm stammenden Stücke zeigt, die sie in ihrem Garten gesammelt hat. „Das ist ganz gefährlich“, sagt er. Der Turm müsse erhalten, aber repariert werden.

Hannelore Mindrup-Sandvoß (64) verkündet: „Abriss geht gar nicht. Ich bin mit dem Turm aufgewachsen. Mit einem Abriss macht sich Bürgermeister Schiefke hier in Hammelwarden keine Freunde.“ Auch Ute Haar (44) will den Turm unbedingt erhalten wissen. „Er erinnert mich an meine Kindheit", sagt sie.

„Wenn man aus dem Urlaub kommt und den Wasserturm sieht, weiß man, dass man zu Hause ist“, erzählt Uta Schierloh (51). Margit Witting (68) befürwortet eine Sammelaktion für die Erhaltung des Wahrzeichens.

Lore Koczelnik (73) findet es zwar schade, wenn der Turm abgerissen werden müsste, doch: „Mit der Erhaltung hätte man vor 20 Jahren anfangen müssen.“ Das sieht auch Horst Jacob (72) so.

Karl-Heinz Wunderlich (65) gibt dem Eigentümer die Schuld an der jetzigen Situation. „Als Fachmann hätte er von Anfang an wissen müssen, welche Anforderungen der Denkmalschutz stellt.“ Sven Heinemann (46) ergänzt: „Ohne die ganzen Auflagen hätten sich bestimmt Investoren gefunden.“

„Unser Schützenverein hat den Turm sogar im Wappen“, erzählt Walter Sandvoß (66). „Man muss ihn auf jeden Fall erhalten.“ Dass dort Wohnungen entstehen, hält er für völlig unrealistisch: „Wir haben hier doch schon soviel Leerstand. Da müssen wir nicht noch in den Himmel bauen.“

Aussichtsplattform

Rudi Eitel (57) singt im Hammelwarder Shantychor. Auch der hat den Turm im Wappen. Erhalten bleiben sollte das Wahrzeichen auf jeden Fall. Dass sich genügend Mitglieder fänden, die in einem Förderverein arbeiten, bezweifelt er.

„Die Stadt hat kein Geld, und auch der Eigentümer sieht keine Möglichkeit, mit dem Gebäude zu wirtschaften“ weiß Thede Tedsen (66). Er plädiert dafür, nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Auf Fördergeld aus Brüssel setzt Klaus Rosenbohm (70): „Damit kann man dann was aus dem Turm machen, eine Aussichtsplattform bauen vielleicht. Wenn jeder dann ein paar Euro Eintritt zahlt, kommt noch etwas Geld zur Erhaltung dazu.“

Werner Friebel (67) würde gerne von der Denkmalbehörde wissen, was machbar ist und was nicht. „Vielleicht kann jemand ja ein Restaurant einbauen.“

Dass die Bürger den Turm retten könnten, bezweifelt Rolf Cordes (75). „Planung, Finanzierung, rechtliche Klärung – der Turm ist eine Nummer zu groß.“

Heinrich Logemann (84) hat eine genaue Vorstellung: „Der Turm muss auf die Hälfte zurückgebaut werden. Das Gewicht muss runter, damit das Fundament entlastet wird. Den Stumpf kann man dann in Leichtbauweise in ein Hotel umwandeln.“

Ein Herunterbauen fordert auch Eckhard Berger (59) als Alternative zum Abriss. Oben ein Heimatmuseum, unten ein Tagungsraum für die Vereine – die Finanzierung müsste über Spenden laufen. „Ich selbst würde auch etwas dazugeben.“

Viele Dinge in Brake seien erhaltenswert, findet Margarete Claussen (75). Der Wasserturm gehöre nicht dazu. Das Geld, das die Stadt für eine Sanierung aufbringen müsste, wäre anderweitig besser investiert.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.