Huntebrück Nun sind die Zeiten, in denen die Lehrlinge mehr als Sandra Meyer wussten, vorbei. Viel hatte die Landwirtsfrau, die in Hude mit ihrem Mann einen Hof bewirtschaftet, im Laufe der Zeit zwar aufgeschnappt. Doch das sei nur Halbwissen gewesen, begründet sie, warum sie sich entschloss, noch einmal die Schulbank zu drücken. Zusammen mit anfangs 41 Klassenkameraden machte sie auf dem zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur Landwirtin. Nachdem alle Teilnehmer bereits jahrelang praktische Erfahrungen in dem Beruf gesammelt hatten, lag der Schwerpunkt der von der Landwirtschaftskammer Oldenburg Nord gestalteten Ausbildung darum auf dem theoretischen Unterricht.

Von Unfallverhütung bis Betriebswirtschaft, von Umweltbelastungen bis zum Tierwohl reichte das Spektrum des theoretischen Wissens, das jetzt in einer Prüfung abgefragt wurde. Aber fit sein müssen die angehenden Landwirte natürlich auch in der Praxis. Und die hat nichts mehr mit Melkschemel und Forke zu tun, wie auf dem Huntebrücker Hof von Familie van Eyden-Scholmann bewiesen wurde.

An fünf Stationen und unter den Blicken von jeweils zwei Prüfern mussten dort vier Frauen und drei Männer beweisen, dass sie ihren Beruf beherrschen. Die dazu nötigen Fahrzeuge, die normalerweise nicht auf seinem Hof stehen, hatte Gastgeber Gert Scholmann im Vorfeld geliehen. Deren Verkehrstüchtigkeit zu überprüfen, fiel Insa Baumann beispielsweise genauso leicht wie das Einstellen von Drillmaschine oder Pflanzenschutzsprüher.

Ewas mehr ins Schwitzen kam da Mitstreiterin Reina Brüntjen beim Zusammenstellen des Futters, bei dem mit einem ungewohnten Trecker in engen Stallgängen rangiert werden musste. Dabei galt es, mit der ins Fahrzeug integrierten Bluetooth-Waage für genau die richtige Mischung aus Zutaten wie Raps, Grassilage, Soja, Maismehl oder Stroh zu sorgen. Beruhigend, dass dabei Scholmann-Azubi Henrik Ötken an ihrer Seite saß, der die Abmessungen eines jeden Gangs verinnerlicht hat.

Neben dem Melken stand auch das Enthornen von Kälbern auf dem Prüfungsplan, bei dem Sandra Meyer routiniert die Sedierungs- und Betäubungsspritzen setzte. 48 Stunden vom Schmerz befreit, wird die Betäubung gleich mitbenutzt, um den Kälbern die Ohrmarken einzuknipsen.

„Alle haben bestanden“, hieß es schließlich nach rund acht Stunden zur Erleichterung aller. So ein Abschluss sei nicht nur für die Qualität wichtig, sondern auch, um Förderungen oder Bankkredite erhalten zu können, erklärte Kevin Winter, der den Milchviehbetrieb seiner Eltern übernehmen möchte und die unternehmerische Freiheit dieses Berufs schätzt.

Mutterkühe, Angusrinder und Blühwiesen für Bienen sind das Konzept auf Christoph Semmlers Hof. Hauptberuflich pendelt er jeden Tag von Nordenham zum Airbus-Werk nach Bremen. Schade fände er es, wenn niemand den elterlichen Hof weiterführt, begründete er, warum er die Prüfung absolvierte.

Für Reina Brüntjen war die Ausbildung eine Möglichkeit, auf andere Art zu lernen. Einfach zu Hause zu sitzen, kam für die zweifache Mutter während der Elternzeit nicht infrage – auch wenn sich das manchmal als ganz schön anstrengend erwies. „Wenn die Kinder schliefen, habe ich mich mit Rinderhaltung daneben gelegt“, lachte die Mitarbeiterin des Grünlandzentrums. Neben der Landwirtschaft bietet sie mit ihrem Mann in Butjadingen „Ferien auf dem Bauernhof“ an.

Groß- und Außenhandelskauffrau hatte Imke Sudbrink gelernt. Mit der zweiten Ausbildung erweiterte die junge Frau, die an diesem Tag zu den Besten zählte, ihr Fachwissen und freut sich, wenn sie die Kunden in den Raiffeisenmärkten gut beraten kann.

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