NORDENHAM Für die städtische Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon ist die Sache klar: Ohne gesetzlich verordnete Frauenquote bleibt der Chefsessel eine Männerdomäne (NWZ vom Freitag). Das sehen die Nordenhamer Industriekapitäne durchaus anders. Sie setzen überwiegend auf ein besseres Betreuungsangebot für kleine Kinder, das Eltern mehr Flexibilität ermöglicht.

Das ergab am Freitag eine nicht repräsentative Umfrage der NWZ . „Eine gut ausgebaute Kinderbetreuung hilft mehr als eine gesetzliche Quote“, sagt beispielsweise Peter Aengeneyndt, der Leiter des Blexer Kronos-Titan-Werkes. Zudem verstieße eine solche Quote gegen das Antidiskriminierungsgesetz. Im Blexer Werk gebe es keine weiblichen Führungskräfte, aber im Werk Leverkusen leite eine Frau einen Geschäftsbereich.

Wenn in seinem Werk eine wichtige Position besetzt werden müsse, sei bei der Auswahl der Bewerber die Qualifikation entscheidend, außerdem müsse es menschlich passen. Er habe schon einige Bewerbungen von Frauen um herausragende Positionen im Werk auf dem Tisch gehabt, aber mit der Einstellung habe es nie geklappt, weil männliche Bewerber die jeweils bessere Qualifikation für eben diese Stelle gehabt hätten. Zudem sei es schon vorgekommen, dass Frauen nach dem Vorstellungsgespräch von sich aus ihre Bewerbung zurückgezogen hätten.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Auf bessere Kinderbetreuung setzt auch Carl van Dyken, Geschäftsführer der Xstrata-Zink GmbH. Jungen Eltern müssten Modelle angeboten werden, die die ganztägige Betreuung ihrer Kinder ermöglichen. Mit Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen sei die Politik auf dem richtigen Weg. Carl van Dyken sieht das Problem darin, dass gerade in der Lebensphase, in der Paare ihre Kinder bekommen, auch der Grundstein für die Karriere gelegt werden sollte. Da müsse eine familienfreundliche Politik helfen.

Generell sei das Hüttenwesen von Männern dominiert, vor allem in der Produktion. Aber auch hier habe Xstrata schon Frauen beschäftigt. In der Verwaltung seien jeweils etwa 50 Prozent Frauen und Männer beschäftigt, auch unter den Sachbearbeitern gebe es viele Frauen.

Dr. Reimund Westphal, der Geschäftsführer der Weser-Metall GmbH, sieht vor allem die Frauen selbst gefordert. Wenn sie im verarbeitenden Gewerbe Karriere machen wollten, müssten sie das richtige Fach studieren und Ingenieurin für Maschinenbau oder besser noch Wirtschaftsingenieurin werden. In seinem Unternehmen gibt es eine der höchstrangigen Frauen in der Nordenhamer Industrie: die Personalchefin und Prokuristin Claudia Theisen.

Die derzeitige Diskussion um eine Frauenquote sei auf DAX-Konzerne mit großen Vorständen fixiert. Er kenne aber viele kleinere und mittlere Unternehmen, in denen Frauen auf dem Vormarsch seien. Dr. Reimund Westphal ist überzeugt davon, dass die Frauen ihren Weg an die Spitze machen werden. Dazu bedürfe es auch keines Ausbaus der Kinderbetreuung.

Auch Michael Appelhans, Geschäftsführer von Rhenus Midgard, lehnt gesetzliche Vorgaben ab: „Deutschland ist eher überreguliert.“ Appelhans ist überzeugt davon, dass allein schon der demografische Wandel die Unternehmen zwingen werde, vermehrt auf weibliche Führungskräfte zu setzen. Der Rethmann-Konzern, zu dem die Midgard gehört, arbeite schon seit mehreren Jahren daran, weibliche Führungskräfte aufzubauen, auch in Nordenham.

Als Grund für den Nachholbedarf sieht er auch das Rollenverständnis: Noch vor wenigen Jahrzehnten habe es kaum Frauen gegeben, die Führungspositionen anstreben. Das sei jetzt anders. Und auch Michael Appelhans setzt auf den Ausbau der Kinderbetreuung. Erst kürzlich habe er eine Kollegin aus Belgien getroffen. Sie habe eine sechsmonatige Tochter und arbeite seit zwei Monaten wieder Vollzeit.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.