Schwei Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) Wesermarsch werden prüfen, ob die Schweier Filiale ein- oder zweimal in der Woche nachmittags statt vormittags öffnen kann. Das ist das einzige konkrete Ergebnis der Bürgerversammlung am Montagabend im Schweier Krug.

Krisenstimmung im Dorf

Etwa 110 Schweier waren der Einladung von Bürgermeister Klaus Rübesamen gefolgt, der mit der Veranstaltung auf die Krisenstimmung im Dorf reagierte. Auslöser sind die Genossenschaft, die nur noch halbtags öffnet, und die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), die ihre Filiale im April schließt. Eine der beiden Mitarbeiterinnen ist am Montag schon nach Rodenkirchen ab gezogen worden.

Dr. Ingo Böning, einer der zwei Geschäftsführer der RWG, verwies darauf, dass Landwirte die wichtigsten Kunden seines Unternehmens sind. Die Milchpreiskrise habe gerade diesen Kundenstamm hart getroffen. „Wir fragen uns: Wo können wir sparen?“, sagte Böning. Eine Antwort sei die Reduzierung der Öffnungszeiten in Schwei gewesen, die mittelfristig zu einer Reduzierung des Stamms von derzeit 65 Mitarbeitern für die 7 Standorte führen werde. Böning kündigte an, keinen der in absehbarer Zeit aus Altersgründen ausscheidenden Mitarbeiter zu ersetzen.

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Rund um Schwei gebe es nur noch etwa 40 Bauernhöfe, sagte er weiter; in früheren Jahren seien es doppelt oder dreimal so viele gewesen. Und der Rückgang werde sich fortsetzen. Zudem kämen die Bauern immer seltener zur Filiale, sondern ließen sich die Ware in größeren Mengen mit dem Laster bringen.

Der Vorstand habe lange über Konsequenzen nachgedacht und sich für die Beibehaltung der täglichen Öffnung entschieden, weil nur so die Postagentur in der Filiale zu halten war. Ob der Standort damit dauerhaft zu retten sei, müsse sich zeigen.

Es war die Schweierin Susanne Schirmer, die die Nachmittagsöffnung an zwei Tagen vorschlug; Ratsherr Olaf Helwig (WPS) konkretisierte, es wenigstens ein halbes Jahr lang zu versuchen. Auch Bürgermeister Klaus Rübesamen sprach sich für einen solchen Versuch aus.

Bei der LzO sind dagegen keine weiteren Versuche in Schwei geplant. Gerd Bielefeld, Regionaldirektor Wesermarsch des Geldinstituts, erklärte die Schließung der Zweigstelle mit den Folgen der Bankenkrise von 2009 und der Digitalisierung. Generell seien die Auswirkungen bei der LzO viel geringer als bei anderen Sparkassen: So schließe die Weser-Elbe-Sparkasse 17 von 57 Filialen. Bei den geschlossenen Zweigstellen halte jetzt einmal wöchentlich ein Sparkassen-Bus. Eine solche rollende LzO-Zweigstelle sei aber schon bei einem ersten Versuch vor 20 Jahren von den Kunden nicht angenommen worden.

Die Bankenkrise habe zur Folge, dass die Sicherheitsbestimmungen verschärft wurden und damit das Wirtschaften teurer geworden sei. So müsse die LzO in Schwei zwei Mitarbeiterinnen beschäftigen, obwohl nur 0,85 Dienststellen wirtschaftlich seien. Zudem sei die Eigenkapitalquote für Kredite erhöht worden, was nochmals eine gesteigerte Ertragskraft nötig mache. Zur Digitalisierung: Inzwischen nutzen 70 Prozent der Geschäftskunden und 50 Prozent der Privatkunden Online-Banking. Das führe dazu, dass viele Kunden gar nicht mehr in die Filiale kämen.

Als Ersatz kündigte Gerd Bielefeld einen kostenlosen Geldtransportdienst für kaum noch mobile Kunden binnen 48 Stunden an.

Geldautomat im Visier

Daraufhin konzentrierte sich die Diskussion auf den Geldautomaten, der von der im April 2015 geschlossenen Raiffeisenbank in Schwei übrig geblieben ist. Doch Gerd Bielefeld zeigte sich sehr skeptisch, dass die LzO ihn mitnutzen wird. Dann müsse ihn eine Fremdfirma bedienen, und das könne die LzO nicht für einen Standort beschließen, sondern nur für alle.

Zudem seien die Systeme von Sparkasse und Raiffeisenbank technisch zu verschieden. Dazu sagte der Schweier Arzt Dr. Gert von Heugel, der die Idee der gemeinsamen Nutzung vertrat: „Das glaube ich Ihnen nicht.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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