Rodenkirchen Seit 100 Jahren steht er trutzig am Ortseingang und hält Wache: der Hartwarder Friese. Das Denkmal erinnert an die Schlacht an der Hartwarder Landwehr, die 1514 das Ende der Unabhängigkeit von Stadland und Butjadingen einleitete.

Wie es zur Errichtung dieses Denkmals kam, berichtete jetzt Hans-Rudolf Mengers, der Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes, beim heimatkundlichen Klönabend im Hotel Butjadinger Tor in Abbehausen. Rund 100 Gäste hörten seinen gut recherchierten Vortrag, darunter auch viele Rodenkircher.

Letztlich geht die Errichtung des Denkmals auf die Anregung des Marschendichters Hermann Allmers (1821 bis 1902) zurück, an exponierten Stellen Denkmäler zu errichten, die die Geschichte der Heimat in Erinnerung halten. Am 24. Juni 1900 beschloss der Rüstringer Heimatbund deshalb grundsätzlich, das Denkmal in Auftrag zu geben.

Viele Gremien

Doch dann passierte zunächst einmal gar nichts. Erst als Friedrich Haller, der Inhaber der Atenser Ziegelei, 1909 Vorsitzender wurde, kam Bewegung in die Sache. Und nach einer Versammlung in der Atenser Friedeburg am 9. September 1910 war das Vorhaben nicht mehr aufzuhalten. Der Verein bildete in großer Zahl Gremien, die sich unterschiedlicher Aspekte annahmen: Der Denkmalausschuss beschloss über das Aussehen, der Finanzausschuss über die Kosten, der Lotterieausschuss startete eine groß angelegte Verlosung, für die ein Preisausschuss die Gewinne organisierte, während der Ehrenausschuss Kontakt zu Hoheiten und Honoratioren hielt und für Einladungen zuständig war.

Zieldatum war der 8. Februar 1914, den man für den 400. Jahrestag der Schlacht hielt. Heute ist der 21. Januar das anerkannte Datum, aber in Wahrheit weiß kein Mensch, an welchem Tag genau diese Schlacht geschlagen wurde.

Zu den Beratern des Heimatbundes gehörte der Oldenburger Historiker Professor Gustav Rüthning (1854 bis 1944), der gleich seinen Freund, den anerkannten Bildhauer Paul Peterich (1864 bis 1937), empfahl. Paul Peterich bot ein kostenloses Gipsmodell an und sagte, die Ausführung des Denkmals werde etwa 2000 bis 3000 Mark kosten. Am 25. April 1911 stellte der Hartwarder Landwirt Georg Töllner eine Fläche vor der Freitreppe seines Wohnhauses kostenlos zur Verfügung.

Zweiter Vorschlag

Wer den zweiten Bildhauer Emil Jungbluth (1888 bis 1955) aus Düsseldorf ins Spiel brachte, lässt sich heute nicht mehr herausfinden. Jedenfalls entschied sich der Denkmalausschuss am 5. Februar 1912 im Hansa-Hotel, der heutigen Commerzbank in Nordenham, einstimmig für dessen Vorschlag. Nicht nur, weil er halb so teuer war wie der von Paul Peterich, sondern auch, weil er „den Gefühlen der hiesigen Bevölkerung entspricht“, wie es hieß.

Der Direktor des Landesarchivs in Oldenburg, Dr. Georg Sello, war allerdings entsetzt. Dass Emil Jungbluth den von Paul Peterich geplanten historisch verbürgten Speer durch einen Morgenstern ersetzen wollte, der in der Schlacht nachweislich nicht benutzt worden war, erzürnte ihn. Doch Friedrich Haller kümmerte das nicht weiter.

Als Georg Sello schließlich vorschlug, dem Friesen die geplante Lederkappe bis über die Ohren zu ziehen, verzichtete Emil Jungbluth kurzerhand ganz auf die Kopfbedeckung und gönnte dem Friesen lockiges Haar, wie es die Fridtjof-Säule zeigte. Die hatte Kaiser Wilhelm II. den Norwegern 1913 geschenkt.

Einweihung am 21. Mai

Im Februar 1914 begann der Bau; am 21. Mai, dem Himmelfahrtstag, wurde das Denkmal eingeweiht. 4000 Gäste kamen mit Zügen, Fahrrädern, Autos und Pferdegespannen, allen voran Großherzog Friedrich August und Erbgroßherzog Nikolaus Friedrich Wilhelm.

Pastor Chemnitz aus Schweiburg hielt die Festrede. Er sagte, die Niederlage an der Hartwarder Landwehr habe das Land letztlich weitergebracht, denn nur so habe es seine Kräfte entfalten können. „Auf zum Kampf, ruft dieses Denkmal uns zu, zum Kampf der für wahren Fortschritt und wahren Frieden notwendig ist.“

Der Rodenkircher Gemeindevorsteher Theodor Hitzen sagte, nie sei die Freiheit größer gewesen als jetzt.

Zeitungen in ganz Deutschland berichteten in Wort und Bild von diesem Ereignis. Ein professioneller Fotograf hielt alle wichtigen Augenblicke fest und erstellte zwei Fotoalben mit jeweils 18 Aufnahmen. Eines ging an die großherzogliche Familie in Oldenburg, das andere ruht im Archiv des Rüstringer Heimatbundes in Nordenham.->

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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