Friedrich-August-Hütte Bei den Mitarbeitern der ATB Nordenham GmbH ist die Stimmung im Keller. In dem Unternehmen hängt der Haussegen schief, weil die Geschäftsführung ihre Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband Nordmetall gekündigt hat. Die rund 150 Beschäftigten des Motorenwerks sind in großer Sorge, weil sie eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards befürchten. Denn der Rückzug aus dem Arbeitgeberverband bedeutet, dass die Flächentarifverträge der Metall- und Elektroindustrie künftig nicht mehr für das Unternehmen gelten. „Das lassen sich die Kolleginnen und Kollegen nicht bieten", sagt Jochen Luitjens, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Wesermarsch.

Offene Fragen

Für zusätzlichen Unmut sorgt die Informationspolitik des Managements. Laut Jochen Luitjens haben Betriebsrat und Gewerkschaft „über Umwege“ vom Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband erfahren. Offizielle Aussagen von der Unternehmensleitung gebe es bisher nicht zu dem Vorgang. Auch eine Anfrage der NWZ ist unbeantwortet geblieben.

Seit 2011 unter chinesischer Führung

Die ATB Nordenham GmbH stellt an dem Standort am Helgoländer Damm explosionsgeschützte Elektromotoren her.

Die Fertigungsstätte war von Felten & Guilleaume gegründet worden. 1952 begann die Motorenproduktion. Die F&G Antriebstechnik wurde 1989 zunächst von der Moeller-Gruppe und 2002 von der österreichischen Austria Antriebstechnik (ATB) übernommen. Seit 2011 gehört der Betrieb zur Wolong Holding Group. Das Nordenhamer Motorenwerk wurde im Paket mit acht weiteren ATB-Standorten an den chinesischen Konzern veräußert. Zu dem Zeitpunkt waren dort 220 Mitarbeiter beschäftigt. Jetzt sind es 150.

Bei einer Betriebsversammlung Anfang Juni sollte das Thema zur Sprache kommen, aber daraus wurde nichts, weil die Geschäftsführung nicht anwesend war. Die nächste Betriebsversammlung ist für Donnerstag, 4. Juli, angesetzt. „Dann muss die Geschäftsführung endlich Rede und Antwort stehen“, fordert der IG-Metall-Sekretär.

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Nach Jochen Luitjens’ Angaben ist bisher nicht bekannt, was die Hintergründe des ATB-Rückzugs aus dem Arbeitgeberverband sind und welche Folgen damit für den Standort am Helgoländer Damm verbunden sind.

Auch zum Kündigungsdatum hat das Management bislang nichts verlauten lassen. „Da ist vieles im Unklaren“, sagt Jochen Luitjens. Es deute jedoch alles darauf hin, dass die Kündigung der Nordmetall-Mitgliedschaft Ende September wirksam werde.

Scharfe Kritik

Nach Auskunft des Gewerkschaftssekretärs hat die Geschäftsführung auch die Betriebsvereinbarungen, die über den Tarifvertrag hinaus die Arbeitsbedingungen bei ATB in Nordenham regeln, für hinfällig erklärt. Dazu gehören unter anderem die flexible Arbeitszeitregelung und die Zuschlagszahlungen. „Das Unternehmen greift die Sozialstandards der Beschäftigten massiv an“, kritisiert Jochen Luitjens.

In einer Mitgliederversammlung der IG Metall am Mittwoch im Burgsaal der Stadthalle Friedeburg haben die ATB-Beschäftigten beschlossen, dass die betriebliche Tarifkommission die Arbeitgeberseite auffordert, einen Anerkennungstarifvertrag abzuschließen. „Unser Ziel ist es, dass die ATB-Mitarbeiter nicht von den Flächentarifverträgen abgekoppelt werden“, betont Jochen Luitjens.

Mit einem Anerkennungstarifvertrag verpflichtet sich ein Unternehmen, die Tarifbedingungen auch ohne Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband einzuhalten.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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