Nordenham /Beckum Warum heißen Osterlämmer eigentlich Osterlämmer? Erste richtige Antwort: Mutterschafe bringen meistens zur Osterzeit ihren Nachwuchs zur Welt – da liegt die Bezeichnung nahe. Zweite richtige Antwort: Es ist ein uralter christlicher Brauch, zur Kreuzigung und Wiederauferstehung Christi ein Opferlamm darzubringen. Das passt auch, da Ostersamstag die Fastenzeit zu Ende geht.

Bei der Deichschäferei Strodthoff-Schneider in Beckum sind in diesem Frühjahr rund 800 Osterlämmchen zur Welt gekommen. Ganz schön viel Nachwuchs. Er geht auf das Konto von rund 650 Mutterschafen und 15 Böcken. Ungefähr 20 Prozent der neugeborenen weiblichen Tiere werden jedes Jahr zur Nachzucht behalten.

Nachtschichten im Stall

Schafe tragen fünf Monate, bevor die Lammung folgt. Und jetzt ist Hochsaison. Jede Nacht gebären mehrere der Mutterschafe ihren Nachwuchs. Das bedeutet auch, dass immer jemand im Stall sein muss. „Damit sich die Bindung zwischen Müttern und Lämmern festigt, müssen sie mindestens für drei Tage von den anderen separiert werden“, berichtet Hilke Strodthoff-Schneider (54).

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Nicht alle Muttertiere haben genügend Milch – erst recht nicht, wenn sie mehrere Lämmchen gebären. Ist das der Fall, müssen die Strodthoff-Schneiders spezielle Lamm-Aufzucht-Milch anmischen und regelmäßig per Flasche verfüttern.

Den Nachtdienst übernimmt derzeit Hans Gerd Strodthoff-Schneider (58). Die Deichschäferei ist jedoch nicht sein einziger Job. Hauptberuflich ist er beim Deichband angestellt und muss gerade jetzt gute Nerven haben, wenn er so viel Arbeit und so wenig Schlaf hat. Für mindestens fünf Wochen haben die Strodthoff-Schneiders deshalb im Frühling immer einen Helfer, der im Stall, auf dem Deich und auf dem Grünland unterstützen kann.

Rund 100 Hektar bewirtschaftet die Familie. „Soviel brauchen wir aber auch“, sagt Hans Gerd Strodthoff-Schneider. „Pro Hektar benötigt man ungefähr acht Mutterschafe mit ihren Lämmern, damit die Tiere genügend zu fressen haben und außerdem auch der Deich davon einen Nutzen hat“. Tag und Nacht laufen die Schafe mit ihren Klauen auf dem Deich herum, somit verdichten sie den Boden. „Trippelwalze“ nennen das die Fachleute. Durchs andauernde Fressen halten die Tiere darüber hinaus die Grasnarbe kurz und betreiben ganz natürliche Deichpflege.

„Dieses Jahr hatten wir bereits vier Vierlingsgeburten, das sind dann schon recht viele. Drillinge gibt es häufiger, meistens kommen jedoch Zwillinge oder Einlinge zur Welt“, erzählt Hans Gerd Strodthoff-Schneider. Lämmer werden übrigens immer dunkel geboren, sind sie erwachsen, sind nur noch der Kopf und die Beine schwarz.

Wolle ist Zusatzgeschäft

Und was passiert mit der Schafwolle? „Leider ist die Wolle ein Minusgeschäft für uns. Scheren müssen wir die Schafe zwar jedes Jahr, doch pro Schaf kostet uns die Schur 2,50 Euro. Verkaufen können wir die Wolle pro Kilo aber nur für ungefähr 50 Cent. Wenn ein Schaf im Durchschnitt vier Kilogramm Wolle abwirft, machen wir bei jedem 50 Cent Verlust“, sagt Hans Gerd Strodthoff-Schneider.

So oder so: Eine Deichschäferei zu betreiben, war für den 58-jährigen schon ein Traum, als er noch ein kleiner Junge war. Aufgewachsen mit Schafen, wusste er früh, dass er diese Tiere nicht mehr missen wollte. Als sich 1985 die Gelegenheit bot, die Deichschäferei zu übernehmen, war auch seine Frau sofort einverstanden. Inzwischen bewirtschaften sie die gesamte Deichlinie von Großensiel bis Rodenkirchen.

Und Ostern? Hilke Strodthoff-Schneider erzählt: „Unsere Kinder sind schon groß, trotzdem bekommen sie immer noch Osternester, die Osterlämmchen haben wir ja vor der Tür“.


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Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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