Nordenham Wohnmobil oder Weltreise? Dr. Claudia Peplau schüttelt den Kopf: „Ich will erst einmal zu Hause ankommen.“ Die Nordenhamer Amtsgerichtsdirektorin hat sich für ihren neuen Lebensabschnitt als Pensionärin zwar einiges vorgenommen. Aber fernwehgetriebene Erkundungstouren gehören nicht dazu. Zumindest nicht vorrangig. Für die Richterin ist es viel wichtiger, endlich mehr Zeit für ihre große Familie zu haben. Ab diesen Freitag ist das der Fall. Claudia Peplau räumt heute ihr Büro im altehrwürdigen Nordenhamer Gerichtsgebäude und verabschiedet sich nach fast 30 Jahren aus dem Justizdienst.

Aus Mannheim 1984 nach Nordenham gekommen

Paderborn ist der Geburtsort von Dr. Claudia Peplau. Aufgewachsen ist sie in Hamburg, wo sie auch die Schule besuchte und ihre ersten Studiensemester in den Fächern Jura und Slawistik absolvierte.

In Mannheim beendete Claudia Peplau ihr Jurastudium. Nach der Referendarzeit war Claudia Peplau an der Uni Mannheim fünf Jahre als Assistentin tätig und arbeitete für den aus Nordenham stammenden Professor Egon Lorenz. An der Uni lernte sie auch ihren späteren Ehemann Herwin Schwarting kennen, der ebenfalls ein Nordenhamer war und in Mannheim Jura studierte.

1984 zog Claudia Peplau mit ihrem damaligen Ehemann Herwin Schwarting nach Nordenham. Das Ehepaar eröffnete zunächst eine Anwaltskanzlei. 1986 starb Herwin Schwarting. Im selben Jahr trat Claudia Peplau ihre Stelle als Richterin am Amtsgericht Nordenham an.

Im Sommer 1998 wurde Claudia Peplau, die damals noch Nolte-Schwarting mit Nachnamen hieß, zur Direktorin ernannt und trat die Nachfolge von Hans-Werner Weihrauch an, der in den Ruhestand gewechselt war.

Die dreifache Mutter ist mit dem pensionierten Lehrer Harald Peplau verheiratet.

Der künftige Direktor des Amtsgerichtes Nordenham steht inoffiziell zwar schon fest, aber im Zuge der richterlichen Mitbestimmung muss der Präsidialrat noch angehört werden. Die Ernennung soll im August erfolgen.

Auf Platz zwei der erstaunlich kurzen Liste mit ihren Vorhaben für den Ruhestand steht die Gartenarbeit. „Es macht mir furchtbar viel Spaß, mich mit der Natur und dem Garten zu beschäftigen“, sagt Claudia Peplau, „da fliegen die Gedanken."

Claudia Peplau hat gerade ihr 62. Lebensjahr vollendet. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu gehen“, findet sie. Zu der vorzeitigen Pensionierung hat sie sich aus zwei Gründen entschlossen. Zum einen verspürt sie einen starken Nachholbedarf für familiäre Dinge. Zum anderen macht sie kein Geheimnis daraus, dass der Richterberuf zwar „spannend und abwechslungsreich, aber auch sehr belastend ist“.

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Nach dem Jurastudium und den Anfängen mit einer Anwaltskanzlei, die sie 1984 mit ihrem damaligen Mann Herwin Schwarting in Nordenham eröffnet hatte, bewarb sich Claudia Peplau bei der Niedersächsischen Justiz um eine Richterstelle. „Das war schon immer mein Traumberuf“, erzählt sie. 1986 ging dieser Traum in Erfüllung, als sie nach Zwischenstationen bei der Staatsanwaltschaft und beim Landgericht in Oldenburg zur Richterin am Amtsgericht in Nordenham ernannt wurde. Bis auf Insolvenzfahren bearbeitete sie sämtliche Felder der Rechtssprechung. Erst später wurden Familien- und Betreuungsangelegenheiten ihr Hauptgebiet.

Zur Chefin des Amtsgerichts stieg Claudia Peplau 1997 zunächst kommissarisch auf. Offiziell wurde sie im Sommer 1998 befördert und übernahm als Nachfolgerin von Hans-Werner Weihrauch die Leitung. Um ihre Qualifikation für den Posten zu beweisen, war sie vorher für sechs Monate „zur Erprobung“ an das Oberlandesgericht Oldenburg abgeordnet. Dort bekam sie es mit einem Aktienrechtsfall zu tun, bei dem es um 180 Millionen DM ging. „Das war der höchste Streitwert in meiner Laufbahn“, erinnert sie sich.

Der Job als Amtsgerichtsdirektorin hat Claudia Peplau immer große Freude bereitet. Das lag nicht zuletzt an der „tollen Mannschaft in Nordenham“, sagt sie und lobt das gute Miteinander unter den etwa 35 Beschäftigten.

Claudia Peplaus wichtigster Leitsatz als Richterin ist folgender: „Man muss die Menschen immer ernst nehmen und ganz genau auf die Tatsachen sehen.“ So habe sie sich stets bemüht, mit einem Höchstmaß an Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein zu handeln und zu urteilen. „Aber sicherlich habe ich auch Fehler gemacht“, sagt die Juristin.

Viele Richter legen Wert darauf, ihren Berufs- und Wohnort voneinander zu trennen. Claudia Peplau sieht das anders: „Ich habe es nie bereut, in Nordenham zu arbeiten und zu wohnen.“ Nur einmal zu Beginn der 90er-Jahre kam es zu einer beängstigenden Situation, als ihr Auto mit einem Luftgewehr beschossen wurde und sie eine Morddrohung erhielt. Claudia Peplau ist sich ziemlich sicher, dass der Vorfall nicht auf das Konto „schwerer Jungs“ ging, sondern eine aufgebrachte Angeklagte aus einem Straßenverkehrsverfahren die Täterin war.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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