Elsfleth Im Radio läuft Abba, Günther und Inge Mende schwingen im Takt mit. Das Ehepaar steht hinter der 80 Jahre alten Heißmangel und legt mit synchronen Bewegungen Tischdecken, Bettlaken und Servietten zwischen die großen Walzen. Ebenfalls gemeinsam werden die Stoffe schwungvoll herausgezogen und sorgfältig gefaltet. Der Duft frischer, warmer Wäsche zieht durch den Raum, zarte Spitzengardinen verbergen den grauen November und Hund Oskar ruht im Körbchen. Stundenlang könnte man den beiden 80-Jährigen bei ihrer Arbeit zusehen.

Dankbare Kunden

Sie betreiben die mittlerweile letzte Mangelstube der Stadt Elsfleth, seit 20 Jahren ist sie in Betrieb. Und wird auch heute noch von den Kunden hoch geschätzt. „Die Menschen sind dankbar, dass es uns gibt“, erzählt Günther Mende. Eigentlich hätten die beiden im letzten Jahr aufhören wollen. „Dann haben wir von einer Kundin einen großen Präsentkorb bekommen, mit der inständigen Bitte weiterzumachen. Das haben wir dann natürlich getan“, sagt er.

Dreimal in der Woche haben sie am Nachmittag geöffnet. Die kleine Scheune an der Henriettenstraße ist 1886 gebaut worden. Um einiges jünger ist die Heißmangel der Firma Voss: sie ist genau wie ihre Besitzer 80 Jahre alt. „Ich schmiere sie alle drei Monate“, erklärt Mende. Dann laufe sie auch heute noch einwandfrei.

Kunde Torsten Burkhardt bringt an diesem Tag Wäsche von seiner Mutter vorbei, wie immer. „Sie findet das sehr wichtig“, erzählt er. Die Mendes haben treue Kunden. Viele kommen schon seit langen Jahren.

59 Jahre verheiratet

Und so hat das Ehepaar an den Nachmittagen gut zu tun. Stress bricht deshalb aber nicht aus. Routiniert werden die Laken im Gleichtakt geschwungen. Zeit zu erzählen bleibt auch. Günther Mende ist gebürtiger Elsflether. Er ist zwei Jahre zur See gefahren, war dann bei einem Chemiebetrieb und später bei der Bundesbahn beschäftigt. Seine Frau Inge, die ihm beim Erzählen oft verschmitzt den Vortritt lässt, kommt aus Neustettin. Günther Mende hat sie bei seiner Schwester kennen gelernt. Seit 59 Jahren sind die beiden verheiratet, erzählt er stolz. Mehrere Körbe Wäsche haben sie zum Feierabend um 17 Uhr geschafft, mit der Routine vieler Jahre und perfekt aufeinander abgestimmt. Auch ohne Abba-Songs im Hintergrund würden diese beiden 80-Jährigen von ihrem Schwung nichts verlieren.  Geöffnet haben die Mendes dienstags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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