BUTJADINGEN Wer in der nördlichen Wesermarsch eine Reise nach Jerusalem unternehmen will, hat es gar nicht weit. Denn Jerusalem ist seit alter Zeit der Name für einen Bauernhof in der Abbehauser Wisch. Auch Jericho liegt gleich um die Ecke – an der Butjadinger Straße bei Niens.

In Butjadingen haben sich viele seltsame Ortsnamen über die Jahrhunderte erhalten. Immer wieder haben Forscher versucht, ihre Herkunft zu deuten – zuletzt Hans Hermann Francksen in seinem kleinen Standardwerk „Butjadinger Orts- und Flurnamen“. Es ist 1999 in der Rüstringer Bibliothek erschienen.

Von Fedder und Iffe

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Doch bei Jericho und Jerusalem muss Francksen passen. Er vermutet, dass es sich um Ökelnamen – also Spottnamen – handelt, die andere den Höfen verpasst haben. Wer so etwas machte, musste noch im 18. Jahrhundert mit empfindlichen Geldstrafen rechnen, doch im 19. Jahrhundert wurde mit solchen Bezeichnungen liberaler umgegangen.

Der Name Burhave setzt sich aus den Bestandteilen Bur und und Have zusammen. Bur ist eine Bauerschaft, also eine Siedlung auf der untersten Stufe der Selbstverwaltung, und Have ist das alte Wort für Kirchhof. Die Kirche samt Friedhof lag also einst außerhalb der Bauerschaft, zu der sie gehörte, auf einer Wurt. Die Bauerschaft trug im Mittelalter den Namen Bire und ist vermutlich im 14. Jahrhundert bei einer Sturmflut untergegangen. Über mehrere Etappen wurde das Dorf dann an seine heutige Stelle verlegt.

Die Herkunft des Wortes Stollhamm erklärt Hans Hermann Francksen so: Stoll kommt von Stallung, womit vor 500 Jahren ein Uferwall gemeint war, der sich bildete, wenn Wasser über die Ufer trat und Sinkstoffe ablagerte. Hamm ist das Wort für ein durch Gräben begrenztes Landstück. Francksen vermutet, dass die ersten Bürger um 1500 nach einem hoch gelegenen Platz für ihre neue Kirche suchten – und einen Hamm fanden, über den ein Uferwall der Heete lief.

Der Ortsname Tossens ist erstmals 1262 in einer Urkunde erwähnt, die von einem Geistlichen namens Thidericus de Tossen in Bremen unterzeichnet wurde. Francksen glaubt, dass der Ort nach einem Mann namens Totte benannt sein könnte. Eckwarden ist nicht nach der Ecke benannt, an der es liegt, sondern nach dem Wort Egge, schreibt Francksen. Egge war im Mittelalter einerseits ein verbreiteter Männername, andererseits das Wort für Landzunge. Eckwarden könnte einst auf einer Landzunge zwischen der Ahne und einem ihrer Nebenflüsse gelegen haben. Denselben Ursprung stellt der Forscher auch für das kleine Iggewarden her.

Auch andere Orte sind nach Männernamen benannt – Seeverns nach Severin, Iffens nach Iffe, Fedderwardersiel nach – dem von Friedrich abgeleiteten – Fedder, Sillens nach Sille, Widders nach Widrich, Schweewarden nach Schweer und Syubkelhausen nach dem typisch friesischen Namen Siubbe, der zu Siubkel verniedlicht wurde.

Ruhwarden ohne Ruhe

Langwarden heißt nach der langen Wurt, auf der es liegt, aber Ruhwarden heißt nicht so, weil es dort ruhig wäre, sondern weil im Umland früher hartes Raugras wuchs.

Süllwarden hat seinen Namen von einem alten Siel, aus dem das eingedeichte Land entwässert wurde, Waddens entweder von dem Namen Wadda oder vom Watt. Roddens schließlich, glaubt Hans Hermann Francksen, ist nach der griechischen Insel Rhodos benannt. Denn in Roddens unterhielt der Johanniter-Orden bis 1530 eine Kommende. Und Sitz des Ordens war damals die Insel Rhodos.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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