RUHWARDEN Im Wohnzimmer von Ilse und Hergen Auffarth sind zwei Tische festlich gedeckt. Zwischen Tee- und Kaffeetassen stehen kleine Teller für Schnittchen. Dann werden Sektkelche gereicht. In nachbarschaftlicher Atmosphäre feiert der Hausherr an diesem Mittwochvormittag eine große Ehrung: Landrat Michael Höbrink übergibt ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

84 Jahre alt

Hergen Auffarth ist 84 Jahre alt und hat sich im einzigen Sessel niedergelassen, links und rechts umgeben von Familie, Freunden und Weggefährten. Einer von ihnen ist Lutz Timmermann, der diese hohe Auszeichnung angeregt hatte. Dazu kommen sein ehemaliger FDP-Fraktionskollege Helmut Siefken, die stellvertretende Bürgermeisterin Uta Meiners, der Gezeiten-Cheforganisator Klaus Trolldenier, die Vorsitzende des Bürgervereins Ruhwarden, Ursula Löffler, und Dr. Hartmut Becker vom Lions-Club Nordenham/Elsfleth.

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Landrat Michael Höbrink sagt, dass er sich freue, jemanden zu ehren, „der das über alle Maßen verdient hat.“ Von 1972 bis 1992 war Auffarth Vorsitzender des Bürgervereins Ruhwarden und ließ Rad- und Wanderwege anlegen und Hinweisetafeln und Ruhebänke aufstellen; seit 1993 ist er Ehrenvorsitzender. Anfang der 70er Jahre organisierte er das Butjadinger Küstenwochenende, 1986 rief er die Kunst- und Kulturwochen Gezeiten ins Leben, die er bis 1997 auch organisierte.

Von 1976 bis 2003 saß er für die FDP im Gemeinderat, von 1986 bis 1996 war er stellvertretender Bürgermeister und von 1996 bis 2001 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Butjadingen Kur und Tourismus GmbH. 1974 war er Gründungsmitglied des Lions-Clubs Nordenham, 2004 stiftete er den Kulturpreis Goldene Krabbe, der alle zwei Jahre vergeben wird.

Er sei „ein Mann des Wortes und der Tat“, würdigte die stellvertretende Bürgermeisterin Uta Meiners das Wirken Auffarths: „Mich beeindruckt, dass ein Unternehmer, der als ehrbarer Kaufmann erfolgreich ist, nebenbei so viel für das Allgemeinwohl geleistet hat.“ Dazu gehörten auch einige Finanzspritzen von ihm.

Hergen Auffarth habe nicht nur Ideen gehabt, sondern auch selbst mit angepackt: „Er war der Motor des Tourismus in Butjadingen.“ Mit Michael Höbrink war sie sich einig darin, dass Auffarth vor allem eine bemerkenswerte Hartnäckigkeit zu eigen ist.

Was das im täglichen Leben bedeutete, machte Lutz Timmermann an einigen Beispielen deutlich. So habe Hergen Auffarth 1972 dafür gesorgt, dass das beschauliche Ruhwarden in den Falk-Autoplan aufgenommen wird. Das sei anderen Politikern mit ihren ähnlich großen Dörfern nicht gelungen.

Und er habe damals schon Marketing betrieben, als das Wort in der nördlichen Wesermarsch noch unbekannt war. So habe er den Bremer Container, eine populäre Radio-Unterhaltungssendung am Nachmittag, nach Butjadingen geholt. Und er habe dafür gesorgt, dass die Kurverwaltung in ein typisches Gebäude der Region komme – nämlich in den alten Hof von Wilhelm Penshorn.

Beschlüsse, erinnerte sich Lutz Timmermann, waren für Hergen Auffarth erst dann gut, wenn sie in seinem Sinne ausfielen. Deshalb ließ er sich von Beschlusslagen auch nicht beeindrucken.

Pistole auf der Brust

Legendär waren auch Hergen Auffarths Methoden bei der Werbung von FDP-Kandidaten für den Gemeinderat. Ein Nein war für ihn manchmal nur ein Vielleicht. Einem Neinsager drohte er einmal: „Jetzt muss ich dir leider die Pistole auf die Brust setzen.“ Dann griff er in einen Plastikbeutel und holte tatsächlich einen angerosteten Revolver heraus. Doch sein Gegenüber, dessen Namen Timmermann für sich behielt, war noch hartnäckiger als Auffarth.

Der erinnerte sich an die alte Geschichte und lächelte still vergnügt in sich hinein.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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