NORDENHAM „Wissen Sie, meine Herren“, pflegte Wolfgang Engelhardt zu sagen, „das meiste, was wir haben, sind die Lücken.“ Jetzt hat er selbst eine riesige, kaum zu schließende Lücke hinterlassen: Der Archivar des Rüstringer Heimatbundes ist am Dienstagmorgen nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 89 Jahren gestorben.

Von Allmers begründet

Mit freundlicher Zurückhaltung wollte Wolfgang Engelhardt mit seinem Lieblingsspruch von seinen Leistungen ablenken und auf das verweisen, was noch zu tun sei. Doch jeder, der ihn und seine Arbeit kannte, weiß, dass das schon von Hermann Allmers 1892 begründete Rüstringer Archiv seinen Namen erst seit Wolfgang Engelhardt zu Recht trägt.

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Wie viele, die Großes für die nördliche Wesermarsch geleistet haben, kam er nicht von hier. Wolfgang Engelhardt wurde am 12. November 1921 in Hannover geboren. Schon in der Schule begeisterte er sich für Geschichte, „aber als Beruf kam das nicht für mich in Frage“, sagte er immer. Maschinenbauer wollte er werden, und davon ließ er sich nicht einmal durch den schrecklichen Krieg und die schlimme Nachkriegszeit abbringen.

Engelhardt wusste, was er wollte und wie er es bekommen konnte. Trotz knappster Geldmittel schloss er sein Ingenieursstudium ab und trotz großer Konkurrenz von Ingenieuren aus den früheren Rüstungsindustrie fand er Arbeit.

1952 kam er nach Nordenham – als Betriebsassistent in der Styroflexfabrik von NSW. Bald übernahm er deren Leitung. 1970 wechselte er zu Felten & Guilleaume, wo er begann, die Werksgeschichte zu erforschen. 1980 ging er in den Ruhestand. Er arbeitete weiter an dem Thema und begann sich auch für den Blexer Sand zu interessieren. Doch wen er auch nach Unterlagen fragte, die Antwort war immer die gleiche: „Das steht alles bei Krüger.“ Aber wo stand Krüger?

Engelhardt forschte in Zeitungsarchiven und im Oldenburger Staatsarchiv nach Artikeln von Eduard Krüger und musste dabei viel blättern. So kam er 1985 auch ins Rüstringer Archiv. Ein Archivar sagte: „Sie brauchen ein Findbuch.“ Engelhardt verfasste eins. In jahrelanger Arbeit notierte er, wo welcher Artikel von Krüger zu finden ist. Im Februar 1990 hielt er ein 378 DIN-A4-Seiten starkes gebundenes Buch in Händen – und es enthielt nur Hinweise auf Krügers Artikel im Staatsarchiv.

„Können Sie das auch für uns machen?“, fragte der damalige Vorsitzende des Rüstringer Heimatbundes, Enno Hansing. Engelhardt machte sich an die Arbeit und warb Helfer an. Bald hatte er noch einen typischen Satz parat: „Erst das Findbuch macht das Archiv zum Archiv. Sonst ist es nur eine Sammlung.“ Inzwischen sind die Findbücher im Archiv des Rüstringer Heimatbundes auf einen Meter Breite angewachsen.

Nachmittags im Büro

Sie machen das Archiv, das seit Ende Februar 2005 an der Schulstraße 12 beheimatet ist, für jedermann zugänglich. Bis wenige Wochen vor seinem Tod war Wolfgang Engelhardt hier fast an jedem Werktag nachmittags anzutreffen – in einem Büro, in dem er ehrenamtlich leistete, was anderswo nur hauptamtlich geht. Der Rüstringer Heimatbund hat diese Arbeit schon 1991 gewürdigt, indem er seinen Archivar zum Ehrenmitglied ernannte.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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