Burhave Mittwochabend in Burhave. Die Familie Ceulaers aus Essen sitzt gemütlich vor der kleinen Eisbude an der Strandallee und lässt den Tag ausklingen, als aus der Ferne Trompeten und Paukenschläge erklingen. Verwundert sehen die Urlauber die Straße hinunter und trauen ihren Augen kaum: Mit 150 Kindern und rund 50 Erwachsenen im Schlepptau kommt der Musikzug Concordia Schwei heranmarschiert. „Sowas haben wir hier noch nie erlebt“, staunen die Feriengäste.

Extra Urlaub genommen

Der Aufmarsch hat einen ganz besonderen Hintergrund. Jörn Sieghold ist zum 30. Mal als ehrenamtlicher Betreuer beim großen Zeltlager des Klootschießerkreises 1 dabei, das am Montag eröffnet worden war (NWZ  berichtete). Und angesichts dieses „Jubiläums“ hat sich der 48-jährige Flugzeugbauer eine klangvolle Überraschung ausgedacht. Ein Spielmannszug beim Zeltlager – das gab’s noch nie.

„Ich freue mich das ganze Jahr auf das Zeltlager und nehme mir extra Urlaub dafür“, erzählt Jörn „Siggi“ Sieghold. Besonders begeistert ihn die „tolle Gemeinschaft“ in der bunten Zeltstadt zwischen Nordsee-Lagune und Campingplatz. „Alle verstehen sich gut, wir haben jedes Mal ohne Ende Spaß, und dafür möchte ich mich heute Abend bedanken“, sagt der Burhaver.

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„Siggi“ grinst verschmitzt, denn er hat noch zwei Überraschungen in petto. Doch jetzt ist erstmal sein Einsatz als Betreuer gefragt. Ein Junge sieht ihn mit ziemlich verzweifeltem Blick an. „Mein Kumpel hat mir einen Ball in den Rücken geschossen, da haben wir uns gestritten, und nun ist er bestimmt sauer“, sprudelt es aus ihm heraus. Jörn Sieghold schnappt sich den Jungen und geht mit ihm zu dessen Kumpel, um die Sache zu klären. Nach fünf Minuten ist er zurück. „Sie haben sich wieder vertragen.“

Streit schlichten, Trostpflaster bei Heimweh und Bauchschmerzen vergeben, Spiele erfinden, Ausflüge planen, für Sicherheit sorgen und darauf achten, dass sich die Kinder und Jugendlichen einfach wohlfühlen – all das gehört dazu, wenn man bei dem großen Zeltlager als Betreuer tätig ist. „Gestern waren wir in der Nordsee-Lagune, und abends haben wir Karaoke gespielt. Die Kinder haben einfach losgelegt und sich gegenseitig bejubelt“, erzählt Jörn Sieghold begeistert.

Karaoke sei immer wieder ein Highlight, genau wie das Fußballturnier Kinder gegen Betreuer, listet der 48-Jährige auf, ehe er sich mitten auf dem Zeltplatz auf eine Bank stellt und in eine Trillerpfeife pusten. „Das Wetter wird gerade schlechter“, ruft Jörn Sieghold. „Ich möchte, dass ihr schnell zu euren Zelten geht und sie zumacht.“ Ohne Murren flitzen die Kinder los. Als sie zurück sind und der Musikzug noch ein Ständchen gespielt hat, steigt „Siggi“ erneut auf die Bank. Zeit für die nächsten Überraschungen. 200 Augenpaare sind erwartungsvoll auf den Betreuer gerichtet. Der sagt sichtlich gerührt, dass das Zeltlager-Team wie eine zweite Familie für ihn sei, und zaubert eine Sahnetorte hervor. Sie ist ein Geschenkt für Frank Göckemeyer, ohne den, so Jörn Sieghold, die Organisation des Zeltlagers gar nicht möglich wäre.

Immer gut gelaunt

Der Lager-Leiter gibt die Komplimente gerne zurück. „Siggi ist unser Animateur. Die Kinder lieben ihn, und er liebt die Kinder“, sagt Frank Göckemeyer (41), der selbst schon seit 25 Jahren dabei ist. Jannik Reinelt (18) und René Spechels (19), beide ebenfalls als Betreuer im Camp unterwegs, bestätigen das. „Siggi ist immer gut gelaunt. Er hat ständig neue Ideen und setzt die dann auch in die Tat um.“

Fehlt noch Überraschung Nummer 3. Die besteht darin, dass es für alle Eis gibt. Und so marschiert die gesamte Schar, angeführt vom Musikzug, quer über den Campingplatz bis zu der Stelle, an der Familie Ceulaers sitzt und nun fasziniert beobachtet, wie sich eine sehr lange, laut schnatternde Schlange vor der Eisbude bildet. Und Jörn Sieghold? Der strahlt bis über beide Ohren. Genau so hat er sich sein „Jubiläum“ vorgestellt.


Weitere Beiträge aus der Serie finden Sie in einem Spezial unter   www.nwz.online.de/ferien-familienzeit 
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