Seine besonderen Markenzeichen sind die Leidenschaft für die plattdeutsche Sprache und sein unerschütterlicher Humor. Und wer in Butjadingen nicht weiß, dass Willy Repnak liebevoll „Willy Karton“ genannt wird, der hat eine Bildungslücke.

„Ich bin im 69. Berufsjahr. Wer macht das schon so lange“, stellt der kürzlich 82 Jahre alt gewordene selbstständige Textilkaufmann mit der ihm eigenen humorvollen Schlichtheit fest.

In Infeld bei Abbehausen wurde er geboren. Mit 13 Jahren begann er bei Hans tom Dieck in Abbehausen die Lehre zum „Deutschen Kaufmann“, so hieß das damals. Nach drei Jahren mit erfolgreichem Abschluss folgten ein Jahr Reichsarbeitsdienst und drei Jahre Wehrmacht – zumeist Fronteinsatz im Kampf um Leningrad und in Estland und Ostpreußen.

Als 20-Jähriger erlebte Willy Repnak die schlimmste Zeit seines Lebens – während der dramatischen Rückzüge mit Flüchtlingen aus Ostpreußen. Er verachtet Krieg und Gewalt. Die Erinnerungen lassen ihn nicht los. Das zeigt auch seine Sammlung von rund 500 Feldpostbriefen. „Ich habe viel Glück gehabt. Dazu gehört, dass ich überhaupt noch da bin. Mein Jahrgang zählte zu den stark dezimierten.“

Nach der Rückkehr aus englischer Gefangenschaft in Dänemark fing er 1945 sofort wieder im Geschäft von Hans tom Dieck in Abbehausen an. Dessen Schwiegervater Eduard Heeren wollte aus Altersgründen sein Textileinzelhandelsgeschäft in Burhave abgeben. Willy Repnak pachtete es 1953. Weil die Räume zu klein wurden, kaufte er zwei Häuser weiter das Lebensmittelgeschäft von Emil Böttcher und eröffnete dort 1975 das Textilhaus Repnak. Hier kann auch heute noch jede Generation ein passendes Stück finden – mit freundlicher und guter Beratung zu fairen Preisen.

Hier ist er auch mit 82 Jahren noch aktiv und will es bleiben „so lange die Sonne noch für mich scheint.“ Willy Karton: „Es muss ja ein paar Verrückte geben und mir macht es Spaß. Und ein Nachfolger ist nicht zu finden.“

Auch die beiden Kinder wollten nicht einsteigen. Seine zahlreichen Lehrlinge haben ihren Weg gemacht – „und gehen schon alle in den Ruhestand“, schmunzelt der 82-Jährige, der sich inzwischen mit einer 60-Stunden-Woche bescheidet und von einer guten Mitarbeiterin untersützt wird, die seit 20 Jahren im Textilhaus tätig ist.

Ohne seine Frau Anna (77), eine gelernte Textilkauffrau, wäre die Selbstständigkeit nicht möglich gewesen, betont er. Burhaver Karnevalisten würdigten die persönliche Note mit dem Titel „Willy Karton“. Erstaunlicherweise geschah dies Jahrzehnte, nachdem er das gepachtete Geschäft verlassen hatte, für das dies zutraf. In dem alten 40-Quadratmeter-Laden hatte Willy Repnak zu wenig Platz. Also verkaufte er mit Hilfes eines erfolgreichen Karton-Systems und beeindruckender Regal-Logistik.

In dem 1975 eröffneten Textilhaus finden sich die Kartons auch heute nicht, aber Einheimische wie Urlauber erzählen eben immer noch gerne, dass sie bei Willy Karton eingekauft haben.hlo

Willy Repnak

Textilkaufmann

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