BRAKE „Es hat sich vieles verändert, seit meine Eltern nach Brake kamen. Die Deutschen wussten damals nichts über die Kultur der Einwanderer und umgekehrt war es genauso. Das war neben der Sprache das größte Problem“, erzählt Fatma Bacik (46), geborene Sicak.

Ihre Eltern, das sind Hasan (73) und Nimet Sicak (71). Sie leben seit Beginn der 70er Jahre in Brake. Großvater Sicak ist ein kleiner, freundlicher und agiler Mann. Wenn er spricht und ihm etwas wichtig ist, fasst er sein Gegenüber am Arm und blickt ihm tief in die Augen. Großmutter Sicak sitzt freundlich dreinblickend am Tisch, zwei ihrer fünf Urenkel umgarnen sie. „Mama und Oma sind die ersten Worte, die sie sagen können – weil die das Essen bringen“, sagt sie lächelnd.

Mit sichtlichem Unbehagen denken die beiden Rentner an die ersten Jahre fern der alten Heimat. „Die Unterbringungen der Gastarbeiter waren schrecklich. Schmutzig – und man musste sich die Zimmer mit mehreren teilen. Dazu gab es nur ein WC auf dem Flur“, erinnert sich Hasan Sicak. Er arbeitete damals bei der Firma Rehau, sie im Braker Siemens-Kabelwerk.

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Das Schlimmste sei für beide aber die Trennung von der Familie gewesen. „Viele Gastarbeiterfamilien sind damals daran kaputt gegangen.“

Erst zwei Jahre später kam Tochter Fatma nach Brake. Auch für sie war es ein schwerer Anfang in dem fremden Land. Fatma Bacik: „Ich wurde einfach in die dritte Klasse eingestuft, dabei verstand ich kaum ein Wort. Es gab auch einige Schüler, die mit den „Ausländern“ nichts zu tun haben wollten.“

„Für die dritte und vierte Generation der Einwandererfamilien ist es jetzt einfacher“, glaubt Firat Bacik (49). Er lebt seit 1992 in Brake und musste damals vor Gericht um eine Arbeitserlaubnis kämpfen.

„Die Kinder, die hier den Kindergarten besucht haben, sprechen die Sprache perfekt. Das ist wichtig“, meint Bacik. Auch sei der Umgang der deutschstämmigen Bürger mit solchen mit Migrationshintergrund heute anders und selbstverständlicher. „Heute fragt einen niemand mehr: Wann wollen sie in die Türkei zurück?“, ist Fatma Bacik froh.

An die alte Heimat denken Hasan und Nimet Sicak gern zurück, beide stammen aus Antakya, einer uralten historischen Stadt im Süden der Türkei. Hasan Sicak: „Dort leben Moslems, Christen, Juden und Alawiten friedlich miteinander. Es gab nie Probleme. Dazu ist die Stadt wunderschön.“

Nach Antakya fahren die beiden heute nur noch, um Urlaub zu machen. Für vier Wochen sei es schön, dann vermisse man die Familie. Die sei nun aber lange schon in Brake zu Haus. „Und die Familie ist das Wichtigste“, sind sich beide Paare einig.

Tim Gelewski Agentur Hanz / Redaktion Jever
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