Seefelderaußendeich Deddo Witbaard ist drei Monate alt. Am übernächsten Sonntag, 12. Juni, wird er etwas erleben, das bis vor gut 50 Jahren völlig normal war, heute aber kaum noch einem Landwirtskind vergönnt ist: Er wird auf dem Hof seiner Eltern getauft.

Anlass ist der Tag des offenen Hofes, der in diesem Jahr auf dem Betrieb von Douwe Witbaard und Jennifer Meyer am Schomakerweg 4 in Seefelderaußendeich gefeiert wird. Zur Eröffnung hält Pastor Walter Janßen ab 10 Uhr im Festzelt einen Hofgottesdienst.

Keine heile Welt

Das klingt nach heiler Weilt, doch die gibt es angesichts der Milchpreiskrise auch auf dem Witbaard-Hof zurzeit nicht. Dennoch hat sich der 28-jährige Douwe Witbaard nach Rücksprache mit seiner Familie bereit erklärt, dieses arbeitsintensive Fest auszurichten.

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„Eigentlich habe ich den Kopf dafür gar nicht frei“, sagt der junge Unternehmer, „aber wir müssen der Öffentlichkeit zeigen, wie wir arbeiten.“ Douwe Witbaard hat schon viel Zeit in intensive Gespräche mit kritischen Menschen investiert und fast nur gute Erfahrungen damit gemacht.

Kaum hatte er als 20-Jähriger den Betrieb von seinen Eltern übernommen, traf er auf dem Hof eine ihm völlig unbekannte Urlauberin aus Frankfurt an, die Bauernhöfe nur aus den Medien kannte und viele kritische Fragen hatte. Douwe Witbaard fragte die Frau nicht, warum sie ohne Einladung zu ihm gekommen war, sondern führte sie einfach durch seinen Betrieb und beantwortete geduldig alle ihre Fragen. „Es war ein gutes Gespräch mit Tiefgang“, erinnert er sich.

Ein Jahr später kam die Frankfurtin wieder – mit 15 Bekannten im Schlepptau, denen sie unbedingt zeigen wollte, wie ein typischer Milchviehbetrieb in der Wesermarsch – und das ist der Betrieb von Douwe Witbaard – arbeitet.

Seitdem hat der Landwirt in unregelmäßigen Abständen Gruppen durch seine Ställe geführt. Einmal war eine Gruppe kurz zuvor auf einem Bio-Bauernhof gewesen. „Und“, fragte Douwe Witbaard nach der Führung, „was ist der Unterschied?“ Die Antwort lautete: Sein Stall sei für die Kühe offensichtlich besser als der des Biobauern.

„Es gibt viel Unwissen und daraus folgend viel unberechtigte Kritik an Landwirten“, sagt Manfred Ostendorf, der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch. Deshalb drängt er darauf, dass die Betriebsleiter mehr über ihre Arbeit informieren. Da ist der alljährliche Tag des offenen Hofes eine gute Eintrittskarte für tiefer gehende Gespräche, die dann noch folgen können.

Mit Hofhund Bodo

Ostendorf, der ein offenes Wort schätzt, macht keinen Hehl daraus, dass es in diesem Krisenjahr außerordentlich schwierig war, Bauern für diese zusätzliche Belastung zu motivieren. Doch auch die Bauernverbände standen unter Druck, denn weil zu wenig Bauern mitmachen wollten, drohte der Norddeutsche Rundfunk als Medienpartner verloren zu gehen. Schließlich gelang es dem Kreislandvolkvorsitzenden Dr. Karsten Padeken, Douwe Witbaard zu überzeugen.

„Die Betriebe öffnen sich und geben Einblick, wobei Betriebliches und Privates miteinander verwoben ist“, sagt Manfred Ostendorf. So können die Besucher auch die Bäuerin Jennifer Meyer (29) und den älteren Sohn Joost (zweieinhalb) kennenlernen – und den Hofhund Bodo. Sein Fell ist schwarz und weiß gemustert wie das der 135 Kühe auf dem Betrieb.

Kinder fahren Trettrecker oder Planwagen

Familie Witbaard hält 135 Milchkühe auf 115 Hektar Land. Auf 12 Hektar steht Silomais, der komplett an die Tiere des Hofes verfüttert wird. Neben dem Ehepaar arbeitet auf dem Hof auch der Auszubildende Wilke Kaemena, dessen Vater Lür Kaemena, Morgenland, vor zwei Jahren den Tag des offenen Hofes ausgerichtet hatte.

Das Fest findet am Sonntag, 12. Juni, statt. Es beginnt um 10 Uhr mit einem plattdeutschen Hof-Gottesdienst. Die Eröffnungsworte spricht gegen 11 Uhr der Betriebsleiter Douwe Witbaard. Anschließend sprechen der Kreislandvolk-Vorsitzende Dr. Karsten Padeken, Landrat Thomas Brückmann und Bürgermeister Klaus Rübesamen. Dazu spielen die Jagdhornbläser Kleine Weser.

Beim Melken können die Gäste ab 15.30 Uhr zusehen. Das ist bei jedem Tag des offenen Hofes ein Höhepunkt. Der Shanty-Chor Butjenter Blinkfüer singt schon ab 14.30 Uhr.

Die Landfrauen öffnen ihr Café; das mobile Melkhus bietet „Kuhles aus Milch“ an. Zudem gibt es Getränke, Bratwurst und Gyros. Erntemaschinen werden ausgestellt, und der Oldtimer-Club Reitland reist mit seinen Schätzchen an. Für Kinder stehen Trettrecker und Sandhaufen bereit, außerdem können sie im Planwagen fahren.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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