Butjadingen /Nordenham Ruhwarden ist nicht Lübeck. Aber auch in dem Dorf in Butjadingen gab es die Buddenbrooks. Den Vergleich mit der Kaufmannsfamilie aus dem berühmten Roman von Thomas Mann wählte jedenfalls Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes, als er am Donnerstag das neuesten Buch aus der Rüstringer Bibliothek vorstellte. Es erzählt die Geschichte der Kaufmannsfamilie Bruncken im Butjadingen des 19. Jahrhunderts.

Das 200 Seiten umfassende Buch aus der Feder von Rainer Georg Schlimbach aus Friedrichsfehn ist die 57. Veröffentlichung in der Rüstringer Bibliothek. Mitglieder des Heimatbundes bekommen es als Jahresgabe gratis. Alle anderen Interessenten können das Buch ab sofort zum Preis von 14,80 Euro im Buchhandel erwerben.

Rainer Schlimbach wuchs in Ruhwarden auf, ging dort zur Schule. Später wurde er Polizist, leitete zuletzt bis zu seiner Pensionierung das Polizeikommissariat in Bad Zwischenahn. Ernsthaft für die Geschichte seiner Familie, eben jener Ruhwarder Kaufmannsfamilie Bruncken, begann er sich zu interessieren, als ihm Tagebücher seines Großvaters in die Hände fielen. Als Georg Bruncken jun. sie schrieb, war das Unternehmen, das im 19. Jahrhundert in Butjadingen und weit darüber hinaus eine wahre Macht darstellte, bereits Geschichte – 1912 war die Firma aus dem Handelsregister gelöscht worden.

Doch Rainer Schlimbachs Interesse war geweckt. Er begann zu recherchieren, erst im Staatsarchiv in Oldenburg, später im Archiv des Rüstringer Heimatbundes. Dort wurde Archivar Heddo Peters sofort hellhörig. Er sprach Hans-Rudolf Mengers an: „Da kommt etwas sehr Interessantes auf uns zu.“ Das befand der RHB-Vorsitzende auch – und verständigte sich mit Rainer Schlimbach darauf, dass dieser seine Rechercheergebnisse zu einem Buch verarbeitet und der Heimatbund dieses Buch herausgibt. In einer Auflage von 1200 Exemplaren liegt es nun druckfrisch vor. Die Herstellung mit Satz und Layout hat der Heimatbund erstmals selbst übernommen. Verantwortlich dafür zeichnet Malgorzata Stachowiak, Mitarbeiterin im Museum Nordenham.

Was Hans-Rudolf Mengers bei der Buchvorstellung im Museum als Stoff für einen Roman im Stil Thomas Manns oder sogar für einen Film lobte, beginnt im Jahr 1803. Gerd Bruncken kehrt der Friesischen Wehde den Rücken und wird in Butjadingen heimisch, genauer: in Ruhwarden. Er eröffnet einen Kaufmannsladen, der sich schon bald zu einem florierenden Unternehmen mit drei Geschäftszweigen entwickeln soll: dem klassischen Handel unter anderem mit Haushaltswaren und Getreide, dem Bankgeschäft mit Geldverleih und dem Immobilienhandel.

Auf Gerd Bruncken folgt dessen Sohn Heinrich Gerd, der die Unternehmen wiederum an seine Söhne Georg, Theodor und Heinrich weitergibt. Längst pflegt die nun dreigeteilte Firma Handelsbeziehung nach England und Dänemark. Die Brunckens sind zeitweise die größten Immobilieneigentümer Butjadingens. Und sie genießen weit über die Gemeinde hinaus geschäftlich wie gesellschaftlich höchstes Ansehen.

Indes: Einem Aufstieg folgt oft auch ein Fall. Und so überholt die Zeit mit neuen Verkehrswegen und neuen Infrastrukturen auch das einst florierende Unternehmen Bruncken. Nachfahren der Kaufmannsfamilie gibt es unterdessen noch heute in Ruhwarden – sie führen einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Rainer Schlimbach erzählt die Geschichte bis zur Löschung des Unternehmens aus dem Handelsregister und ein kleines Stück darüber hinaus. Das Material, das er gesammelt hat, hätte für mehr als die jetzigen 200 Seiten gereicht. Doch Angelika Schlimbach bremste ihren Mann: „Irgendwann mus auch mal Schluss sein.“ Was nicht heißt, dass nicht eines Tages noch ein zweites Buch folgt...

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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