Butjadingen „Denkt darüber nach, ob ihr euch besser verkaufen könnt. Sagt den Bürgern, dass ihr stolz seid, Bauer zu sein.“ Den etwa hundert Landwirten, die am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Huus an’n Siel in Stollhamm gekommen waren, gab Agraringenieurin Imke Hansing eine klare Ansage mit auf den Heimweg.

Mit Bürgerinnen und Bürgern über Sorgen und Nöte, aber auch den Stellenwert der Landwirtschaft in der Gesellschaft zu diskutieren – das war das Anliegen von CDU, FDP und Unabhängigen, die zu dem Info-Abend eingeladen hatten. Doch die Nicht-Bauern waren klar in der Minderheit. Etwa 20 Besucher waren es – unter ihnen Bürgermeisterin Ina Korter und Bauamtsleiter Axel Linneweber.

„Einmalige Bewegung“

„Ich hatte gedacht, dass dreiviertel der Besucher Verbraucher sein würden“, zeigte sich Ratsfrau und Bäuerin Claudia Cornelius (CDU) aus Blexerwisch einerseits von dem großen Zuspruch, andererseits von der Zusammensetzung des Publikums überrascht.

Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, bezeichnete die Bewegung, die in den vergangenen Monaten entstanden ist, als einmalig. Er fühle sich angesichts der Bauerndemonstrationen in Berlin, in Hannover, in Oldenburg und an anderen Orten an die „Fridays for Future“-Bewegung erinnert, schlug Manfred Ostendorf einen großen Bogen zur schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Der Klimawandel sei auch für die Landwirtschaft die größte Herausforderung.

„Es läuft etwas schief“

Immer mehr Gesetze und Vorgaben, zu niedrige Milchpreise und die Diskussionen über Massenproduktion, die das Ansehen der Landwirtschaft beschädigt habe, zwängen die Bauern, vermehrt den Weg in die Öffentlichkeit zu gehen. „Wenn die Bauern mit Treckern in den Großstädten unterwegs sind, wissen die Bürger, dass in der Landwirtschaft etwas schief läuft“, kündigte er weitere Großdemonstrationen an.

Die wesentliche Arbeit zur Imageverbesserung müsse im Kleinen geleistet werden, lautete Imke Hansings Botschaft. „Mein Ansinnen ist, dass verstanden wird, was Landwirte vorhaben“, freute sie sich darüber, dass auch Verbraucher ins Huus an‘n Siel gekommen waren. „Sie haben den ersten Schritt gemacht. Ich hoffe, dass sie nachher mit Vertrauen und Respekt nach Hause gehen.“

Imke Hansing bat darum, den Landwirten zu vertrauen. „Keiner will irgendjemanden vergiften“, verwies sie darauf, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat „als nicht gefährlich“ eingestuft habe, aber über 70 Prozent der weltweiten Agrar-Produktion verloren gingen, wenn auf solche Pflanzenschutzmittel verzichtet werden müsste.

Landvolk-Geschäftsführer Manfred Ostendorf. beklagte, dass die Bauern „ihre politische Heimat verloren haben“. Dabei nahm er auch die aktuelle Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ins Visier. Sie sei eine „Taktikerin“, der es vor allem um Karriere ginge.

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