Butjadingen An vielen Orten in der Region wird an diesem Freitag für den Klimaschutz demonstriert. Bürgermeisterin Ina Korter freut sich, dass sich die jungen Leute engagieren. „Doch natürlich müssen die Jugendlichen zur Schule gehen“, stellt sie klar. Sie findet die Fridays-for-Future-Bewegung jedoch glaubwürdig. „Ich denke, dass das Gros der Schüler ernsthaft dahinter steht“, sagt sie. Als Wähler von morgen haben die Jugendlichen im Moment sehr viel Einfluss, damit es voran geht, ist sie überzeugt.

Zum Aktionstag ist an der Zinzendorfschule in Tossens zwar nichts geplant, doch die Schüler arbeiten über das Jahr verteilt an verschiedenen Aktionen für Klima- und Umweltschutz. Zum Beispiel wurde vor den Ferien eine Blühwiese angelegt.

„Butjadingen ist als Halbinsel an der Nordseeküste ganz besonders von der Frage des Klimawandels und des Meeresspiegelanstiegs betroffen“, sagte Bürgermeisterin Ina Korter jüngst auf einer Messe zum Thema Elektromobilität, bei der sie die Gemeinde Butjadingen vorstellte. Als Tourismusregion möchte die Gemeinde mit gutem Beispiel voran gehen und sich als klimafreundliche Gemeinde profilieren. Die NWZ hat bei Bürgermeisterin Ina Korter nachgefragt: Wie klimafreundlich ist Butjadingen bereits?

„In der Gemeinde hat sich schon einiges getan“, freut sich Ina Korter. Im Gemeindegebiet werde bereits fünfmal so viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert, wie verbraucht wird. Der Strom stammt überwiegend aus Windkraft, aber auch aus Solarenergie und Biogasanlagen.

Das Rathaus in Burhave verfügt seit Jahren über ein Blockheizkraftwerk, durch das das Gebäude mit Strom und Wärme versorgt wird. „Und wir sind dabei, ein Konzept zu erstellen, um das Rathaus energetisch zu sanieren. Die Planungen sind aber noch ganz am Anfang“, sagt Ina Korter.

Ziel ist es, in den nächsten Jahren alle gemeindeeigenen Gebäude zu sanieren, erzählt die Bürgermeisterin. Dafür sei eine Rangliste anhand des Stromverbrauchs erstellt worden. Die Turnhallen in Tossens und Burhave stellten sich als größte Stromfresser heraus. Deshalb wurde dort die Beleuchtung bereits auf LED umgestellt. Die alte Anlage in Burhave hatte 56 700 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht. Die neue Anlage verbraucht nur noch 9 240 Kilowattstunden pro Jahr. „Das entspricht einer Einsparung von 84 Prozent“, rechnet die Bürgermeisterin vor.

Auch in Tossens wurde die Beleuchtung der Halle umgestellt und auch gleich die Hallendecke saniert. Die alte Beleuchtungsanlage hatte 12 600 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht. Die neue Anlage liegt bei 3300 Kilowattstunden, berichtet die Bürgermeisterin – eine Einsparung von 74 Prozent. Die Turnhallen in Eckwarden und Waddens sollen im Oktober folgen. Für Dezember steht die Umstellung auf LED-Beleuchtung in der Turnhalle Stollhamm auf dem Programm.

Grundschule saniert

Stolz ist die Bürgermeisterin auch auf die Umbauarbeiten an der Grundschule Butjadingen. Das Gebäude wird ebenfalls energetisch saniert. Dazu gehören unter anderem ein neues Dach, die Wärmedämmung und die Umstellung auf LED-Beleuchtung. In den Sommerferien wurde der zweite von drei Bauabschnitten abgeschlossen.

Auch die Straßenbeleuchtung der Gemeinde soll Schritt für Schritt auf LED-Technik umgerüstet werden. In einigen Ortsdurchfahrten wurde damit bereits begonnen. Dabei werden auch die Lampenköpfe ausgetauscht. Die neuen Köpfe sorgen dafür, dass die Straßenlampen wirklich nur die Stellen ausleuchten, die beleuchtet werden sollen.

Als Tourismusregion will die Gemeinde Butjadingen klimafreundliche Akzente setzen. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Tourismus-Service Butjadingen (TSB) und dem Center Parc Nordseeküste, sei ein richtiges Klimapaket geschnürt worden, sagt Ina Korter.

Die TSB verfügt über zwei Elektrofahrzeuge, die für Dienstfahrten, in verschiedenen Aktionen aber auch von Gästen, genutzt werden können. Es werden zum Beispiel Testfahrten mit dem Elektroauto verlost. Seit 2016 gibt es am Atrium in Burhave eine Ladesäule für Elektroautos, an der Einheimische und Gäste ihre Fahrzeuge aufladen können.

Für Gäste, die mit dem eigenen Elektroauto anreisen, gibt es viele Vergünstigungen. Sie haben zum Beispiel einmal freien Eintritt in der Spielscheune, der Nordseelagune und im Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel. Während sie eine Freizeiteinrichtung besuchen, können sie ihr Fahrzeug kostenlos aufladen und es gibt Ermäßigungen auf die Freizeiteinrichtungen im Center Parcs und Nachlass bei direkter Buchung von Übernachtungen.

Auch die Mitarbeiter der Verwaltung der Gemeinde Butjadingen können für ihre Dienstfahrten inzwischen ein Elektroauto nutzen. Zurzeit befasst sich der Gemeinderat gerade mit einem weiteren Schritt zur Unterstützung von Elektromobilität. Der Rat muss entscheiden, ob auch auf dem Parkplatz des Rathauses eine Stromtankstelle eingerichtet werden soll.

Dort könnte eine Energietankstelle mit zwei Plätzen entstehen. Die Gemeinde würde die Tankstelle vom Energieanbieter EWE leasen. Dies hätte den Vorteil, dass der Energieanbieter dann für die Wartung und die Abrechnung mit den Kunden verantwortlich wäre. Die Nutzer der Ladesäule würden für den Stromverbrauch dann mittels einer Tankkarte direkt mit der EWE abrechnen.

Die Gemeinde würde einen Leasing-Vertrag über sechs Jahre abschließen. Dafür würden insgesamt rund 17050 Euro fällig. Der Landkreis würde diese Maßnahme mit 6000 Euro fördern, so dass der Gemeindeanteil bei rund 11050 Euro läge. Für den Anschluss der Tanksäule würden einmalig 3000 Euro fällig werden. Diese Mittel müssten nachträglich in den Haushalt eingestellt werden. Für den Leasingbereich sind grundsätzlich bereits Mittel im Haushalt vorhanden.

Besonders stolz ist die Bürgermeisterin auch auf die Errungenschaften im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Gleichzeitig sei dieser Bereich noch eine der größten Herausforderungen. Nur dadurch, dass der ÖPNV auch von den Touristen genutzt werde, sei es möglich gewesen, das Angebot auszubauen. Jüngstes Beispiel ist die Linie 408. Vor einiger Zeit sei in den Ferien auf dieser Strecke nur der Bürgerbus gefahren. Doch es habe sich gezeigt, dass ein Bedarf besteht, und das ÖPNV-Angebot wurde ausgebaut. Die Linie 408 können Inhaber der Gästekarte kostenlos nutzen. „Wir bemühen uns intensiv, dass die Linie 408 noch häufiger fährt“, sagt Ina Korter.

Gerade Gäste, die von sehr weit weg kommen, nutzen oft öffentliche Verkehrsmittel für die Anreise. Ihnen muss es dann auch möglich sein, Ziele innerhalb der Gemeinde zu erreichen, sagt die Bürgermeisterin. Seit 2017 sei es möglich, Mittel aus dem Gästebeitrag auch in den ÖPNV fließen zu lassen. So werde nicht nur das Klima, sondern auch der Geldbeutel der Gemeinde geschont, freut sich Ina Korter.

Kommune als Vorreiter

Die Kommune habe eine Vorreiterfunktion, findet Ina Korter. Doch natürlich muss sie die Maßnahmen auch bezahlen können, deshalb schaue die Gemeinde immer auch nach Fördermöglichkeiten. Ein großes Lob spricht die Bürgermeisterin ihren Mitarbeitern aus der Verwaltung aus, die eine unglaubliche Leistungsfähigkeit an den Tag legen, freut sie sich.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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