BRAKE Immer mehr Kinder in der Wesermarsch leben in Armut. 2736 blaue Fähnchen – für jedes Kind unter 15 Jahre eines – steckten anlässlich des Weltkindertages am Donnerstag die Vertreter des Kinderschutzbundes (Nordenham und Brake) sowie der Arbeitslosenzentren beider Städte auf die Rasenfläche bei der Tankstelle Schwetmann.

Zahlen seien abstrakt und daher leicht wieder vergessen, erklärte Ina Korter, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Nordenham, die Aktion. Das „Fahnenmeer“ hingegen bleibe viel länger im Gedächtnis haften. Und das sei wichtig, weil „die Zahl der Kinder in Armut deutlich zugenommen hat“. Im Landkreis etwa sei diese Zahl gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gestiegen. Die Aktion diene daher dazu, „ein Bündnis für Kinder in der Wesermarsch zu schmieden“.

„Es ist wichtig, zumindest einmal im Jahr die bedauerliche Problematik wieder ins Bewusstsein zu rücken“, betonte Landrat Michael Höbrink in der anschließenden Gesprächsrunde im Kreishaus. Aber mehr noch als nur darüber zu reden, müsse dieser Zustand geändert werden. Zwar könne der Landkreis die Sozialhilfesätze nicht ändern, gleichwohl könne auch außerhalb der gesetzlichen Regelungen gehandelt werden. Höbrink verwies beispielhaft auf den vom Kreis geplanten Zuschuss für Mittagessen in Ganztagsschulen sowie auf Zuschüsse für Klassenfahrten.

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Roland Schiefke, Bürgermeister der Stadt Brake, wollte nicht von „Kinderarmut“ sprechen, sondern lieber von „Zukunftskindern“. Er forderte deshalb ein „breit gefächertes Angebot“, damit Kinder eine Zukunft hätten. Dazu zählten für ihn beispielsweise eine Ernährungsberatung, die Einrichtung einer Braker Tafel, die kostenlose Teilnahme an kulturellen Angeboten sowie die (kostenlose) Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden.

Sachleistungen wie die kostenlose Verköstigung in Schulen, die Lernmittelfreiheit oder die Bezuschussung von Klassenfahrten seien zudem Angebote, die den Landkreis attraktiv für Familien mache, verwies Schiefke auf einen weiteren positiven „Nebeneffekt“.

Als eine „schnelle Hilfe“ forderten die Vertreterinnen des Kinderschutzbundes die Einrichtung eines Schulmittelfonds. „Daraus sollen die Kosten für notwendige Schulsachen für alle Schulstufen gegen Vorlage von Quittungen erstattet werden“, erläuterte Ina Korter.

Maria Groß-Bölting (Arbeitslosenzentrum Nordenham) und Dorothea Berkhout (Arbeitslosenzentrum Brake) schilderten eindrücklich die finanzielle Situation von Geringverdienern. „Die Verzweiflung ist hautnah zu spüren“, fasste Berkhout ihre täglichen Erfahrungen zusammen. Die ALG II Sätze (früher Sozialhilfe) für Kinder müssten daher neu berechnet werden, forderte Groß-Bölting. „Die jetzigen Sätze sind viel zu niedrig, weil sie sich am Bedarf eines Erwachsenen orientieren.“

Welche psycho-sozialen Auswirkungen die Kinderarmut haben kann, machte Jens Pannemann vom Kinderschutzbund Brake deutlich. Ausgrenzung erzeuge Neid, der wiederum in sinnloser Gewalt münden könnte. Zudem könnten Depressionen entstehen aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls. „Wir können es uns aber nicht nur aus moralischen Gründen nicht leisten, Kinder abzuhängen“, so Pannemann, „sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen. Wir haben immer weniger Kinder. Deshalb brauchen wir jedes einzelne.“

Die Kreistagsabgeordneten Mathilde Ehlers (CDU), Ursula Schinski (SPD) und Horst Kortlang (FDP) unterstrichen, sich in ihren Fraktionen bzw. Gruppen für die Umsetzung der erhobenen Forderungen stark zu machen.

Torsten Wewer Kanalmanagement / Redakteur
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