Brake Der Einzelhandel in Brake hat in den vergangenen beiden Jahren weiter Einbußen hinnehmen müssen: Die Zahl der Einzelhandelsbetriebe in der Stadt ist zwischen 2016 und 2018 von 120 auf 109 gesunken, ebenso die Gesamtverlauffläche von 33 930 auf 22 080 Quadratmeter. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der Einzelhandelsumsatz stieg um 1,7 Millionen auf 93 Millionen Euro.

Verkaufsfläche erhöhen

Zu diesen Ergebnissen kommt das Beratungsunternehmen Cima in der Fortschreibung des Einzelhandelskonzept für die Stadt Brake. Untersucht worden ist dabei die Verteilung des Handels in der Stadt auf den Zentralen Versorgungsbereich Innenstadt, das Nahversorgungszentrum und Fachmarktzentrum Weserstraße sowie die Nahversorgungszentren Golzwarden und Hammelwarden. Derzeit entfallen auf die Innenstadt nur 7 Prozent der Verkaufsfläche, wünschenswert ist mindestens ein Drittel.

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Ziel müsse es sein, so Gutachter Martin Kremmig, die Verkaufsfläche in der Innenstadt deutlich zu erhöhen. Dabei gelte allerdings: „Der Einzelhandel allein kann die Situation nicht verbessern.“ Nach wie vor gelte deshalb der schon im Zuge des ersten Konzepts erstellte Masterplan mit Sofortprogramm, Marketingkonzept, Umgestaltung und weiteren Maßnahmen sowie Zeitplan und Kostenkalkulation.

Kremming schlägt eine „Konzentration des Handels auf die Hauptfrequenzlagen“ vor. Der besonders schützenswerte zentrale Versorgungsbereich soll demnach auf den Abschnitt Bürgermeister-Müller-Straße bis hinter die Lindenstraße beschränkt werden. Hier ist Einzelhandel als vorrangige Nutzung in den Erdgeschossflächen der Gebäude vorgesehen. Insgesamt müsse die Innenstadt aber „flexibler und multifunktionaler“ ausgerichtet werden. Vor allem im östlich gelegenen Abschnitt zwischen Lindenstraße und Weser soll auch Wohnen sowie vor allem Gesundheit und Wellness (vor allem im Seniorenbereich), aber auch Kultur und Tourismus möglich sein. Vorhandener Handel soll bestehen bleiben, Neuansiedlungen sollen vorrangig aber im westlichen Abschnitt erfolgen. Für einen solchen Schritt sei Mut erforderlich, meinte Kremming. „Es gibt aber keine Alternative. Eine sinnvolle Nachnutzung nur durch Handel wird es nicht geben.“ Einzelhandel sei nach wie vor überall in der Innenstadt erwünscht, daneben müssten aber auch andere Nutzungen erlaubt sein.

Auch im ehemaligen Aldi-Komplex werde es nicht gelingen, einen Lebensmitteldiscounter anzusiedeln, prophezeite der Gutachter. Er plädiert stattdessen für innenstadtrelevante Fachmärkte (Kleidung, Schuhe) mit 100 bis 600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Voraussetzung für jedwede Ansiedlung sei allerdings der Ausbau der Kirchenstraße zwischen Georgstraße und Mitteldeichstraße, um Begegnungsverkehr zu ermöglichen.

Markt soll es regeln

Hans-Dieter Beck (CDU) bemängelte, dass bisher fast alle Anträge verworfen worden und kaum etwas umgesetzt sei. „Die Stadtverwaltung hat das verhindert.“ Er sprach sich für eine Freigabe der Nutzung aus, damit die Eigentümer über ihre Immobilien entscheiden könnten. Restriktionen müssten so weit wie möglich reduziert werden, um dem Markt so viel wie möglich zu ermöglichen. „So beseitigen wir Leerstand.“

Sein Fraktionskollege Daniel Stellmann erinnerte indes daran, dass Entscheidungen letztlich durch politische Mehrheiten getroffen worden seien. Einstimmig sei indes beschlossen worden, dass die Verwaltung den Masterplan bis Ende dieses Jahres vorlegen soll. Den grundlegenden Fehler sieht Reiner Gollenstede (WGB) darin, dass bisher Innenstadt mit Einzelhandel gleichgesetzt worden sei. „Wenn wir die Innenstadt retten wollen, müssen wir flexibler sein und auch Handwerk, Wohnen und Start-ups möglich machen.“ Man werde die Innenstadt nie wieder zu einem Einzelhandelsstandort machen können, so Gollen­stede, der in der Fußgängerzone selber eine Buchhandlung betreibt. „Wir brauchen die Innenstadt nicht für die Versorgung. Wir brauchen sie aber als Seele und zur Identifikation für die Braker Bürger.“

Grünen-Ratsherr Hans-Otto Meyer-Ott kritisierte das Konzept als eines, das eine „Innenstadtveränderung zuungunsten des Handels“ betreibe. Es diene nur dazu, die Ansiedlung eines Lidl-Marktes an der Weserstraße zu ermöglichen. Dem widersprach nicht nur Beck vehement.

Letztlich stimmte der Ausschuss gegen die Stimme von Meyer-Ott für die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts in der vorgelegten Form. Den Beschluss dazu soll der Stadtrat an diesem Donnerstag (19 Uhr, Rathaus, Schrabberdeich 1) fassen.

Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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