Brake Frauen haben in der Wesermarsch ein großes Problem: Ihre Beschäftigungsmöglichkeiten sind bescheiden, die Wirtschaft – und damit das Arbeitsplatzangebot und die Arbeitsbedingen – wird von Männern dominiert. Die Konsequenz daraus: Frauen und Mädchen packen ihre Koffer und suchen ihr berufliches Glück anderswo. Nicht selten schon direkt nach dem Schulabschluss.

Die Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft, angesiedelt bei der Wirtschaftsförderung Wesermarsch, will sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Nicht zuletzt, weil es noch eine wesermarschtypische Besonderheit gibt: Die einmal abgewanderten Frauen kommen nach dem Studium oder einer Berufsausbildung fernab der Heimat nicht wieder zurück in die Wesermarsch.

 Alle an einen Tisch

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Die Koordinierungsstelle: Das sind Susanne Herbst (57), Raphaela Gerdes-Schmidt (55) und Maike Breuker (34). Ihr Konzept: Frauen und Wirtschaft zusammenführen. So einfach ist natürlich nur die Theorie. „Da werden dicke Bretter gebohrt. Es geht darum, die Bedingungen für Frauen zu verbessern, in die Erwerbstätigkeit zu kommen“, erklärt Susanne Herbst.

Die 57-Jährige hat vorher in der Erwachsenenbildung gearbeitet und Projekte aufgelegt, die Berufsstarterinnen, -rückkehrerinnen und Alleinerziehende in Lohn und Brot bringen. Seit Januar arbeitet sie nun in Brake. Da hat die Koordinierungsstelle ihre Arbeit aufgenommen. Und seitdem zeigt sich: Auch in der Wesermarsch läuft alles auf nur eine Frage hinaus: Wie lassen sich Familie und Job für die Frauen unter einen Hut bringen?

 Schlechte quoten

Während in der Wesermarsch 63,1 Prozent der Männer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, sind es nur 36,9 Prozent der Frauen. Eine Quote, die auch deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt liege, erklärt Susanne Herbst.

Dabei könnten Frauen die Lösung für ein großes Problem der Unternehmen sein: den allseits beklagten Fachkräftemangel. „Viele Unternehmen agieren nicht familienfreundlich, sie sind das nicht gewohnt“, erklärt Raphaela Gerdes-Schmidt, von Haus aus Personal- und Organisationsentwicklerin: „Sie haben oft den Tunnelblick darauf, wie Männer arbeiten.“ Allerdings zeige die Auswertung diverser Gespräche in der Wesermarsch: „Die Unternehmen sind offen für das Thema, wenn man es denn anspricht“, so Gerdes Schmidt: „Die Männer stecken im Tagesgeschäft tief drin, der Arbeitsdruck ist groß – gerade im Mittelstand. Da wurden in dieses Thema keine Überlegen reingesteckt.“

 Strategien entwickeln

Susanne Herbst und ihre Kolleginnen zeigen nicht nur auf, wo Probleme liegen. Sie wollen lösungsorientiert arbeiten. Verschiedene Unternehmen könnten beispielsweise einen Verbund gründen, der sich mit der Entwicklung von Strategien beschäftigt, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Ziel haben. „Die gibt es nämlich nicht. Das ist immer noch Wunschdenken“, sagt Susanne Herbst. Beispielsweise könnten mehrere Firmen gemeinsam Großtagespflegestellen einrichten, in denen Kinder zu deutlich flexibleren Zeiten, also auch abends, an den Wochenenden und in Ferienzeiten, betreut werden können. „Der Fachkräftemangel wird Frauen Türen öffnen“, ist sich Gerdes-Schmidt sicher.

Aber nicht nur die Chefs der Region, auch die Frauen müssten dazulernen. „Grundsätzlich trauen sie sich zu wenig zu“, sagt Susanne Herbst. „Das ist typisch weiblich“, ergänzt Maike Breuker. Sie ist 34 Jahre alt, Geographin und damit „Generalistin“, wie sie sagt. Und: „Ich bin Frau einer Generation, der eigentlich alle Möglichkeiten offenstehen. Und trotzdem sieht die Wirklichkeit anders aus.“

 ExpertenRat

In Einzelberatungen und Workshops sollen Frauen bei der Koordinierungsstelle ihre eigenen Stärken, ihr Potenzial, ihre Kompetenzen ermitteln. Es geht um Möglichkeiten des Selbstmarketings und die richtigen Bewerbungsstrategien. Und um Wege, sich beruflich zu verändern, wenn Frauen im Job unzufrieden sind oder nach einer familienbedingten Auszeit wieder durchstarten wollen. Externe Experten begleiten diesen Prozess ständig und beraten zusätzlich.

Die Koordinierungsstelle ist von montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Telefonisch ist sie unter Telefon   04401/996900 und per Mail unter frauen-und-wirtschaft@wesermarsch.de erreichbar. Das Büro befindet sich an der Max-Planck-Straße 4 in Brake.


     www.wesermarsch.de 
Anja Biewald Redakteurin / Lokalredaktion
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