Brake Am 6. September 2017 wütete der Hurrikan „Irma“ über Puerto Rico. Mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern raste der Sturm über die Karibik hinweg. Ganze Inseln wurden verwüstet. Der Hurrikan erreichte eine bis dahin noch nie dagewesene Intensität. „Daraufhin fassten wir den Entschluss, das Schiff nach Deutschland zu holen“, erzählt Oliver Wipperfürth (50). Er ist Kapitän und Eigner des Zweimasters „Eldorado“.

Zum Überwintern liegt der Schoner nun im Braker Binnenhafen. Der markante rote Rumpf des 38 Meter langen Segelschiffes mit Heimathafen Amsterdam strahlt in der Sonne. Schneeweiß sind die Aufbauten. „Der Großmast ist 29 Meter hoch, der Vormast 28 Meter“, sagt Oliver Wipperfürth. Wenn alle Segel gesetzt sind, ergibt das eine Segelfläche von 320 Quadratmetern. Unter Segel sind dann bis zu zwölf Knoten möglich.

In der Karibik war die „Eldorado“ für Tagesausflüge verchartert. Oliver Wipperfürth hat Verträge mit Kreuzfahrtreedereien abgeschlossen, die ihren Passagieren auch ein Segelabenteuer bieten wollen unter dem Motto „Schooner Sailaway & Swim“. Nach dem verheerenden Hurrikan änderten die Reedereien zunächst jedoch ihr Routen – und die „Eldorado“ sowie die „Mercedes“, die ebenfalls zu „Wind is our Friend“ von Oliver Wipperfürth gehörte und 2018 nach Russland verkauft wurde, lagen still.

Oliver Wipperfürth verfügt über eine 20-jährige Erfahrung im Geschäft mit Segelschiffen. Nach drei Jahren in der Karibik war die Zeit gekommen, die Schiffe zu verholen. Die „Eldorado“ liegt jetzt an der Weser. „In den Niederlanden haben wir mit den Wartungsarbeiten begonnen“, erzählt Oliver Wipperfürth. Die Hauptmaschine ist ein Motor der Marke Scania, der 450 PS leistet. Die beiden Generatoren von der Firma Mitsubishi leisten je 34 Kilowatt. Damit ist die „Eldorado“ gut bestückt. Im Maschinenraum riecht es nach frischer Farbe, alles ist tipptop. „Wir haben fast alles selber gemacht“, sagt der Kapitän und erwähnt auch, dass die „Eldorado“ mit neuen Segel ausgerüstet worden ist.

Der gebürtige Wuppertaler Oliver Wipperfürth fährt seit 30 Jahren zur See. „Ich wollte weg von zu Hause und fremde Länder kennenlernen“, sagt er. Seine siebenjährige Tochter Allegra wurde in Spanien geboren. Die Familie wohnt jetzt in Brake. Allegra besucht die Grundschule Kirchhammelwarden. In der Sommersaison möchte sie mehr und mehr beim Segeln mithelfen.

Am 1. Mai 2020 wird Oliver Wipperfürth wieder den Charterbetrieb mit der „Eldorado“ aufnehmen. „Wir werden vorrangig ab Bremerhaven fahren. Es geht in die Ostsee, nach Polen, Litauen und Finnland“, beschreibt er die Routen. Und natürlich nimmt die „Eldorado“ an der Sail Bremerhaven 2020 teil. Das internationale Festival der Windjammer findet vom 19. bis zum 23. August statt.

Die „Eldorado“ wurde 1964 als einfaches Fischerboot gebaut. Nach einem umfangreichen Umbau ging das Schiff laut Oliver Wipperfürth 2010 wieder in Fahrt. „2014 habe ich es übernommen“, sagt der 50-Jährige. Entsprechend heutigen Ansprüchen und gemäß den geltenden Bauvorschriften verfügt das Segelschiff über alle erdenklichen technischen Raffinessen. Mit seiner Crew ist Oliver Wipperfürth bereit, im nächsten Jahr erneut auf „Große Fahrt“ zu gehen.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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