Brake Feiner Putz rieselt von der Decke und trübt die Luft. Mit einer dünnen Staubschicht ist bereits die Bühne im Centraltheater Brake (CTB) bedeckt. Die Abdrücke der sich auf dem Bühnenboden abzeichnenden Schuhsohlen sind schwarz. Schwarz verkohlt sind auch einige Holzbalken im Dachfirst, die wegen der Sanierungsarbeiten freigelegt sind. „Jetzt kann man sehen, dass es hier einmal gebrannt hat“, sagt Norbert Ostendorf und zeigt in die Höhe.

Beim Blick unters freigelegte Dach ist auch zu sehen, dass zusätzlich Holzbalken zur Sicherung eingezogen wurden. Die Konstruktion, die vorher nicht zu sehen war, wirkt stabil. „Die Unterdecke wird jetzt entfernt“, erklärt Norbert Ostendorf den Baufortschritt. Das neue Dach soll bald aufgebaut werden. Seit Dezember 2018 werde gearbeitet, sagt er.

Nach der Winterpause ist vor einer Woche auch mit den Arbeiten an den Fundamenten begonnen worden. Während Mitarbeiter der ausführenden Baufirmen immer wieder die Arbeitsbühne im Saal verrücken, um ein weiteres Stück verputzter Dachlatten zu lösen, sind die alten Fundamente bereits mit einem Bagger freigelegt worden. Rechts von der Bühne aus ist schon Beton gegossen worden. Ausgelegte Stahlmatten sind umschlossen, das Material härtet aus. Es geht voran.

Auf beiden Seiten des Centraltheaters gibt es laut Norbert Ostendorf sechs Träger, die das Dach stützen. Die neuen Stahlträger, die an deren Stelle verbaut werden, sind jeweils zwölf Meter lang. Der alte, umlaufende Ringbalken aus Holz, auf dem die Dachkonstruktion derzeit noch ruht, wird durch einen aus Beton ersetzt. Das neue Dach wird dann bis in den hinteren Bereich zur Hafenstraße hin durchlaufend sein. Die neue, einheitliche Dachebene erstrecke sich dann auch übers Kino 2, freut sich Jan Kuilert vom CTB-Vorstand. Es gebe keine Absätze mehr im Dach.

Von der Bühne bis zur Decke sind es 7,30 Meter. Durch die Arbeiten liegen nun auch die beiden Kuppeln frei, die zuvor eher unscheinbar waren. Weil die Stuhlreihen fest montiert standen und wegen der Höhe habe man in der Mitte des Centraltheaters früher keine Arbeitsbühne aufbauen können, so Norbert Ostendorf dazu. Es sei halt unmöglich gewesen, defekte Glühbirnen in den Kuppeln zu ersetzen. „Wir versuchen, die Kuppeln zu erhalten oder nachzuempfinden. Früher war da ja Beleuchtung drin“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Centraltheater-Genossenschaft, und weist auf diese ebenfalls anstehenden Arbeiten hin. „Wenn alles echt gut läuft, könnten wir in einem halben Jahr fertig sein“, sagt er zuversichtlich.

Auf 900.000 Euro beziffern Jan Kuilert und Norbert Ostendorf die Kosten der CTB-Sanierung. Darin enthalten seien auch zwei Plätze für Menschen mit Behinderungen und zwei Plätze für deren Betreuer. Auch eine Schwerbehinderten-Toilette sei bei der Baumaßnahme eingeplant. Ob der große Tresen in seiner bisherigen Form beibehalten wird, steht noch nicht ganz fest. Sich ist, dass die 200 roten Sessel, die im Gebäude des alten Gymnasium an der Kirchenstraße eingelagert sind, wieder zurückkommen. Das Centraltheater erhält durch die Sanierung sein einzigartiges Flair zurück. Dessen sind sich alle am CTB-Umbau Beteiligten sicher.

Parallel zu den Arbeiten läuft der Betrieb weiter. So lange wie möglich sollen nach den Worten von Norbert Ostendorf im Kino 2 noch Filme gezeigt werden. Für alle Braker Kino-Enthusiasten gibt es aber einen kleinen Dämpfer: „Wegen der Bauarbeiten und der Hygienevorschriften können wir jetzt kein Popcorn mehr anbieten“, so der CTB-Chef.

Um trotz der Schließung des großen Saals weiter Geld einnehmen zu können, war ein Digitales-Kino-System gemietet worden. Das System sei nun gekauft worden. Damit verfüge das CTB über zwei volle digitale Spielstätten, betont Norbert Ostendorf. Nach der Sanierung habe man zwei Säle, die man bespielen können.

Um das Sanierungsprojekt überhaupt starten zu können, musste reichlich Geld gesammelt werden (die NWZ berichtete). Und es gab pfiffige Ideen. Durch 60 Patenschaften für Kinosessel kamen bisher insgesamt 60.000 Euro zusammen. Es gibt also noch 140 Möglichkeiten, sich auf diese Weise ebenfalls beim CTB-Projekt einzubringen.

Das Centraltheater-Gebäude ist teilweise eingerüstet. Momentan sind Mitarbeiter der Firmen Jens-Uwe Thormählen (Dachdecker), Bauunternehmen Peter und Björn Renken sowie Blitzschutz Thormählen tätig. „Wenn es nur irgendwie geht, sind regionale Firmen beauftragt worden“, erläutern Norbert Ostendorf und Jan Kuilert. Darauf hätten sich Vorstand und Aufsichtsrat verständigt. Die Preisanfragen gab es 2017. „Wir danken allen Firmen, dass sie die Preise gehalten haben“, lobt Norbert Ostendorf deren Engagement und die Verbundenheit mit dem Centraltheater Brake. Das höre man nämlich überall anders, betont er.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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