Brake Wenn zwei sich streiten, freut sich längst nicht immer der Dritte. Er kann auch ganz schön leiden, so wie zahlreiche Kunden der Deutschen Telekom in Brake. Statt wie gebuchtes, bezahltes und in der Vergangenheit auch erhaltenes schnelles Internet, sind ihre Leitungen mittlerweile lahm.

Nicht nur Bürger, die das Internet überwiegend für privates Surfen und Streamen nutzen, leiden. Auch Betriebe sind betroffen: Datenschwere Bestellungen oder Angebote können nicht mehr zügig übermittelt werden. Sie sind ohne schnelle Leitung nicht konkurrenzfähig.

Das Problem

Grund der Misere ist eine technische Änderung: Weil die EWE in der Region einen bestimmten Marktanteil erreicht hatte, hat die Bundesnetzagentur dem Anbieter auf dessen Antrag den Ausbau des Vectoring im Nahbereich zugesprochen. In für Brake drei Kabelvermittlungsstellen der Telekom baut die EWE jetzt ihre Technik ein.

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Druck auf allen Ebenen

Beim Vectoring habe nur ein Anbieter die technische Hoheit, erklärt Claus Plachetka. Er ist nicht nur CDU-Ratsherr, sondern als Inhaber des Braker IT-Unternehmens „aipi“ auch vom Fach. Und das hat Folgen: Die Telekom müsse die Leitungen frei machen und könne ihren direkt angeschlossenen Kunden derzeit kein VDSL mehr anbieten, erläutert  Plachetka. Zusätzlich gilt: „Die Zusatztechnologie Vectoring kann immer nur für alle Kunden in einem Bereich und nicht für einzelne Kunden aktiviert werden“, erläutert EWE-Sprecher Gerd Lottmann.

Die Lösungen

Die Telekom könnte die Leitungen vom Hauptverteiler zum Hausanschluss, die so genannte „letzte Meile“ von der EWE anmieten. Beide haben darüber offenbar aber noch keine Einigung erzielen können. „Wir stellen das ganz diskriminierungsfrei zur Verfügung“, betont EWE-Sprecher Gerd Lottmann. Nur ein Vertrag müsste her – und den gibt es noch nicht. Für Branchenkenner Plachetka ist das Hickhack „ein Machtkampf von Akteuren der beiden Firmen. Und der wird auf dem Rücken der Braker ausgetragen.“

Wie viele Telekomkunden in Brake betroffen sind, weiß EWE-Mann Lottmann nicht. Und die Pressestelle der Bonner ließ eine Anfrage bis Donnerstagabend unbeantwortet.

Doch auch ein Wechsel von der Telekom zur EWE bringt keine sofortige Hilfe. „Um alle Telekommunikationsanbieter gleich zu behandeln und keinen – auch nicht uns selbst – zu bevorzugen, sind in den von uns ausgebauten Nahbereichen VDSL-Vectoring-Schaltungen erst nach einer mehrwöchigen Sperre möglich“, sagt Lottmann weiter. Erst vier Monate nach dem jeweiligen Ausbau könne die EWE neue Kunden mit VDSL versorgen. Das habe rein regulatorische Gründe, keine technischen.

Als Unternehmer weist Plachetka auf eine Lösung besonders für Geschäftskunden hin, die auf schnelle Leitungen angewiesen sind: Standleitungen. Die gebe es allerdings nur zu „unverschämten Konditionen“. Als Kommunalpolitiker verfolgt er den „heftigen Wettbewerb vor Ort“ der beiden Telekommunikationsunternehmen mit einem mulmigen Gefühl, schließlich seien beides letztlich öffentliche Unternehmen. Eine Lösung könne der Kabelanschluss sein, so Plachetka. „Nur hat den nicht jeder im Haus.“

Die Empfehlung

Lottmann betont, dass es neben Kunden mit derzeit langsamerem Internet „ganz viele“ gebe, die profitieren. Ungeachtet der vorgeschriebenen Wartezeit empfiehlt er betroffenen Kunden, sich bereits jetzt beraten zu lassen – auch langfristig. Denn: Für die EWE sei Vectoring „nur eine Brückentechnologie. Kupferbasierte Verbindungen haben für uns keine langfristige Zukunft. Diese bietet nur Glasfaser.“

Internettechnik

ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line, asymmetrischer digitaler Teilnehmer-Anschluss; asymmetrisch bezieht sich auf das ungleiche Verhältnis der Upload- und der Download-Geschwindigkeit): Ein DSL-Anschluss schafft Datenraten von bis zu 16 Mbit/s.

VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line): Der Name verrät es: Ein DSL-Anschluss mit „sehr hoher Geschwindigkeit“. Ein VDSL-Anschluss kommt in der Regel auf 50 bis 100 Mbit/s.

Vectoring ist eine technologische Erweiterung des VDSL-Anschlusses, die Übertragungsraten von bis zu 100 MBit/s ermöglicht. Für die Übertragung wird bei allen DSL-Standards das Telefonkabel aus Kupfer genutzt.

Glasfaserleitungen erlauben deutlich höhere Übertragungsraten – 1000 Mbit/s (ein Gigabit) oder mehr sind möglich, angeboten werden derzeit vor allem 300 Mbit/s.

Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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