Brake Die Anwohner der Lockflethstraße sind auf dem Baum. Oder besser: Sie wären es, wenn die Bäume nicht abgeholzt worden wären.

Und in der Tat, der Anblick, der sich dem Betrachter in dem kleinen Wäldchen zwischen den mehr als 100 Jahre alten Siedlungshäusern und den Hafenanlagen bietet, ist ernüchternd: Eine breite Schneise zieht sich durch den Wald, einmal rund herum. An der Außenseite stehen noch ein paar Bäume, die meisten beschnitten – und das mehr oder weniger fachgerecht.

„Das sind keine Pflegemaßnahmen, das ist eine wilde, planlose Rodung“, meint Franz-Otto Müller, Vorsitzender des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in der Wesermarsch, den die Anwohner um ein Urteil gebeten hatten. „Das ist völlig unfachmännisch“, urteilt Müller über die teils mehr abgerissenen als abgesägten Stümpfe. „Da drängt sich schon der Eindruck auf, dass der ganze Wald kaputt gemacht werden soll.“ Gerade in der Stadt seien solch kleine „grüne Lungen“ sehr wertvoll. Sie böten zahlreichen Vögeln, Kleinsäugern und Insekten Lebensraum. „Und der ist hier deutlich geschrumpft.“

Und das ist, was den Anwohnern die größte Sorge bereitet: dass die restlichen Bäume auch noch fallen und hier weitere Lagerfläche entsteht. So sei es vor etlichen Jahren mit dem südlich gelegenen Baumbestand passiert. Dort ist jetzt Hafenfläche. Dabei sei das Wäldchen einst von Klaus Müller angelegt worden, um die Anrainer vor Staub und Lärm des Hafens zu schützen.

Die Sorge der Anwohner ist laut Martin Krahl allerdings gänzlich unbegründet: „Hier ist keine weitere Lagerfläche geplant“, betont der J. Müller-Geschäftsführer. Dem Hafen-Terminal-Betreiber gehört die Fläche, die außerhalb der Hafeneinzäunung liegt. Auch würden keine weiteren Bäume abgeholzt, so Krahl auf Nachfrage der NWZ weiter. Die Arbeiten seien erfolgt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. In den Randbereichen seien immer wieder Äste abgebrochen. „Und es drohten an allen Seiten, Bäume auf die Nachbargrundstücke zu fallen.“ Bevor etwas passiere, habe man nun gehandelt und einen rund zehn Meter breiten Streifen freigeräumt. Das geschlagene Holz habe man bewusst in der Fläche belassen, wo es nun verrotten könne. „Ja, es sieht derzeit unordentlich aus“, räumt Krahl ein. „Aber wenn die Vegetation im April, Mai wächst, sieht das ganz schnell wieder anders aus.“ Von unfachmännischer Arbeit spricht er nicht.

Dem Unternehmen sei an einem guten Verhältnis mit den Anwohnern gelegen, betont er noch. Deshalb habe man auch die Gefahren schnell beseitigen wollen.

Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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