LEMWERDER Seit Anfang des Jahres berechnen die Fähren Bremen-Stedingen gehbehinderten Menschen den Transport ihrer Autos, Motorräder und Fahrräder über die Weser. Pro Fahrt kostet das 2,80 Euro, mit Zehnerkarte 1,80 Euro. Darüber ärgert sich NWZ -Leser Ronald Schmidt aus Lemwerder, der von dieser Regelung selbst betroffen ist.

Er hatte von den Sozialverbänden erfahren, dass es ins Ermessen der Fährgesellschaften gestellt ist, Gebühren für die Fahrzeuge zu erheben oder diese kostenlos zu transportieren. „Es ist reine Willkür. Die Unternehmen können befreien, müssen aber nicht.“ Ronald Schmidt macht sich dafür stark, dass Gehbehinderte, die in starkem Maße auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, weiterhin dafür nicht zahlen müssen. Auch seine Ehefrau Ellen Köster-Schmidt sieht das so: „Es kann doch nicht sein, dass so viele Behinderte die Fähre nutzen.“

Dem widerspricht Andreas Bettray, Geschäftsführer der Fähren Bremen-Stedingen: „Wir gehen davon aus, dass uns bislang jährlich mehrere zehntausend Euro entgangen sind.“ Für den Unmut der Betroffenen habe er Verständnis, und es sei ihm wichtig gewesen, persönlich mit den Beschwerdeführern zu sprechen. So habe es im vergangenen Monat 30 Rückmeldungen von Schwerbehinderten gegeben. Als Grund für die neue Regelung führt Bettray die gestiegenen Treibstoffpreise an. Hätte man die Fahrzeuge der Gehbehinderten weiterhin kostenfrei transportiert, wäre das zu Lasten der anderen Fahrgäste gegangen.

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Anders sieht es bei der Beförderung der Behinderten inklusive Begleitperson oder Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren aus. Die Kosten dafür übernehmen nämlich die Länder Bremen und Niedersachsen. Gezahlt wird eine Pauschale in Abhängigkeit von der Gesamtzahl der beförderten Personen. Nach Angaben des Geschäftsführers waren es im vergangenen Jahr 78 000 Euro. Bettray räumt aber ein, dass die Schnellfähre Brake-Sandstedt weiterhin Fahrzeuge von Gehbehinderten kostenlos transportiert; zwischen Blexen und Bremerhaven (Weserfähre GmbH) wird das vom Grad der Schwerbehinderung abhängig gemacht. Andreas Bettray ist der Ansicht, dass die Politiker die Rahmenbedingungen für den kostenlosen Transport der Fahrzeuge schaffen könnten, nämlich wiederum mit einer gesetzlichen Regelung der Kostenerstattung.

Die Interessen von Behinderten werden in Deutschland von den Sozialverbänden VdK und Sozialverband Deutschland (SoVD) wahrgenommen. Meike Janßen vom SoVD in Hannover erklärte auf Nachfrage der NWZ , dass die Fähren-Problematik bislang noch nicht an den Verband herangetragen worden sei. Sie werde das Thema aber in den zuständigen Gremien vorbringen.

Jan Lehmann / freigestellter Betriebsratsvorsitzender / Politikredaktion
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