Berne Der Wunsch nach immer mehr Eiern, Fleisch oder Milch pro Tier trägt dazu bei, dass viele alte Rassen sicher schon längst ausgestorben wären, wenn es nicht ambitionierte Züchter gäbe, die Freude daran haben, sie zu erhalten. Seit 92 Jahren setzt sich der Stedinger Rassegeflügelzuchtverein dafür ein, dass Aussehen und Eigenschaften von Hühnern, Enten, Tauben, Gänsen oder Ziergeflügel sich im Laufe der Zeit nicht verändern. Denn anhand von Standards ist ganz genau festgelegt, welche Merkmale eine bestimmte Rasse haben muss und was ein absolutes Ausschlusskriterium für die Weiterzucht ist. Und das können schon Kleinigkeiten sein, wie Farbflecke am falschen Ort.

Es gibt so viele rassespezifische Kriterien, die ein gutes Tier ausmachen, dass selbst Heinz de Vries nicht ohne seinen dicken Ordner auskommt, in dem zur Not nachgeschlagen werden kann. Der Stedinger Rassegeflügelzuchtverein hatten den erfahrenen Preisrichter aus Bad Zwischenahn erstmals neben der alljährlichen Geflügelschau in der Comenius-Schule auch zu einer Jungtierbesprechung nach Berne eingeladen.

Ganz ohne Punktvergabe gab es in entspannter Atmosphäre im Garten von Familie Blankemeyer die Möglichkeit, die in diesem Jahr geschlüpften Tiere schon einmal genau unter die Lupe zu nehmen und sich erklären zu lassen, worauf es ankommt. Und das war selbst für langjährige Mitglieder eine äußerst interessante Sache.

Die Form stehe bei der Beurteilung an erster Stelle, erklärte de Vries, bevor er eines der vier silberfarbigen Welsumer von Lars Steenken aus dem Käfig nahm. Der Landesvorsitzende, der bisher seinen Schwerpunkt in der Taubenzucht sah, hatte die Hühnerrasse im letzten Jahr bei der Europaschau in Dänemark für sich entdeckt. Der Rücken nicht zu kurz, keine hängenden Flügel oder M-Zacken im Kamm und einen Schwanz im 45 Grad Winkel, dazu gelbe Ständer (Füße), eine optimale Brustzeichnung oder die ausgeprägte Nervzeichnung der Federn waren Merkmale, mit denen sich die im März geschlüpften Hähne sicher einmal optimal für die Weiterzucht eignen, so die Prognose. Und auch die beiden dazugehörigen Hennen machten für ihr Alter einen vielversprechenden Eindruck.

Ein exzellentes Tafellhuhn seien die Sulmtaler von Vorstandsmitglied Torsten Bruns, die mindestens doppelt so groß wie ihre Käfignachbarn waren. Das Fleisch zart, nicht faserig und auch die Legeleistung sei beeindruckend, schwärmte de Vries. Doch bei genauerem Hinsehen fand der Preisrichter das Weiß in den Schwingen des Hahns nicht ganz so gut. Da sollte man keine Kompromisse machen, gab er dem Züchter als gerne angenommenen Tipp. Nichts zu bemängeln gab es dagegen bei der Henne mit ihrem wunderschönen, weizenfarbigen Farbverlauf und gut proportionierten Kopf.

Ein großes Lob gab es auch für die Smaragdenten vom Vorsitzenden Sven Wiesner. Die vom Schnabel bis zum Fuß schwarzen Enten beeindruckten mit ihrem grün schimmernden Gefieder. Würde es violett glänzen, wäre das ein Ausschlusskriterium.

Wird bei den meisten Hühnern auf dichtes Gefieder geachtet, sollte es bei den Ko Shamo so knapp wie möglich sein. Auch ist die Flügellücke bei den kleinen japanischen Kampfhühnern genauso Pflicht wie der Walnusskamm. Bei dem von Lasse Wiesner vorgestellten Hahn gab es da zum Glück nichts zu beanstanden.

Der Jüngste an diesem Nachmittag war Nino. Seit drei Jahren züchtet der Siebenjährige bereits Hühner und nennt mittlerweile 31 Tiere sein Eigen. Ganz gespannt war er, was der Richter zu den wildfarbigen Bantam sagen würde, die er mitgebracht hatte.

Schöne weiße Ohrmuscheln, allerdings etwas zu wenig Rot auf dem Deckel. Aber das kann durchaus noch werden. Schließlich seien die Tiere ja sehr jung, so die Prognose von de Vries. Dass die Hühner auch gegessen werden, ist für den Siebenjährigen selbstverständlich. Seine Eltern teilen mit insgesamt 300 Tieren schließlich das Hobby. Zum Töten von Wirbeltieren habe er selbstverständlich den notwendigen Lehrgang belegt, erklärte Papa Jens Zimmermann. Aber was schmeckt neben den „glücklichen“ Eiern besser, als ein Tier, das man artgerecht aufgezogen hat, ist er sich mit allen anderen Züchtern im Verein einig.

Mit einem geselligen Grillabend für alle Mitglieder klang die Besprechung schließlich aus. Und die vielen neuen Erkenntnisse sorgten dabei für jede Menge spannenden Gesprächsstoff.

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