Langwarden Eiskalter Wind, Neuschnee und ein Kilometer weiter Blick in die Langwarder Burmeide. Vom Langwarder Friesenkirchhof aus wanderten immer wieder die Blicke der Teilnehmer in das weite Land, wo vor 500 Jahren die Freiheit der Bauernrepublik Butjadingen endete. Dutzende Butjenter nahmen gestern an der Gedenkveranstaltung des Rüstringer Heimatbundes teil.

An den Freiheitskampf erinnern heute in Langwarden nur noch zwei Gedenktafeln und der Friesenkirchhof, auf dem in einem Massengrab die meisten der geschätzten 700 Opfer beigesetzt wurden. Vor 500 Jahren war es ein ungewöhnlich harter Winter, als sich die Friesen aus Stadland und Butjadingen einem übermächtigen Heer zahlreicher Fürsten gegenüber sahen.

„Mehrere schwere Sturmfluten hatten der Küste zugesetzt und es stand nicht zum Besten um das Stad- und Butjadingerland. Neben Gebietsverlusten schwächten die Sturmfluten die Landesgemeinden auch durch hohe Deichbaulasten“, erinnerte der Heimatbund-Vorsitzende Hans-Rudolf Mengers. Dennoch sei der Landstrich an der Unterweser aus strategischen und machtpolitischen Gründen ein begehrtes Fleckchen Erde gewesen in den Augen der Territorialherren gewesen.

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Ende Januar 1514 setzte sich ein beachtlicher Heerzug von Bremen aus in Richtung Stad- und Butjadingerland in Bewegung. Die Strafexpedition richtete sich dabei auch gegen den geächteten Grafen Edzard von Ostfriesland, unter dessen Schutz sich die Butjadinger gestellt hatten.

Nach der Einnahme von Golzwarden und Rodenkirchen und der Schlacht bei Hartwarden zogen sich die verbliebenen friesischen Kämpfer nach Langwarden zurück. In der Burmeide gab es dann die letzten Kämpfe zwischen die Friesen und der waffentechnisch und zahlenmäßig weit überlegenen Allianz der Fürstenhäuser. Damit war das Ende der Landgemeinden endgültig gebrochen. Die Toten wurden auf dem Langwarder Friedhof beigesetzt, der schließlich noch heute als Friesenkirchhof auf die Geschichte deutet.

1922 hatte der Rüstringer Heimatbund zwei Gedenktafeln auf dem Friedhof gesetzt, um das Erinnern an die Vergangenheit lebendig zu halten. „Der Friesen Freiheit fand hier ihr Grab“, steht auf einer Gedenktafel.

Allerdings geriet Langwarden als Ort des Geschehens in den Jahrzehnten danach immer mehr in Vergessenheit und erst zum 500-jährigen Erinnern an das Ende der Friesenrepubliken rückte gestern auch Langwarden wieder in den öffentlichen Fokus.

Neben Hans-Rudolf Mengers erinnerte auch Bernhard Hansing an die Vergangenheit des Ortes Langwarden und vom Missbrauch des Andenkens an die friesischen Freiheitskämpfer durch die Nazis. Wie die Friesen bis zum letzten Mann kämpften, sollten auch die Soldaten im Zweiten Weltkrieg kämpfen, sagte Bernhard Hansing.

Butjadingens Bürgermeister Rolf Blumenberg mahnte, die Geschichte nicht zu verherrlichen. Angesichts der vielen toten Männer müsse aber aus den Tragödien der Menschheit gelernt werden. Nie wieder dürfe Menschen Leid zugefügt werden, jeder Mensch müsse frei denken dürfen, es dürfe nie wieder Kategorien wie niedere Menschen geben und zwischen den Menschen müsse Toleranz und Respekt herrschen, forderte Rolf Blumenberg.

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