NORDENHAM In der Wesermarsch gibt es insgesamt 305 sogenannte Ein-Euro-Jobs, davon 82 in Nordenham. Das sagt Bernd Bhattacharyya, der bei der Arbeitsagentur in Nordenham und Brake Ansprechpartner für geförderte Beschäftigungsverhältnisse ist. „Diese Zahlen“, sagt Bhattacharyya, „haben sich seit Einführung der Ein-Euro-Jobs nicht wesentlich verändert.“

1,10 Euro pro Stunde

Vor vier Jahren, am 1. Januar 2005, wurden in der großen Arbeitsmarktreform Hartz IV mit der Zusammenführung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe auch die sogenannten Arbeitsgelegenheiten geschaffen, im Volksmund Ein-Euro-Jobs genannt. Sie heißen so, weil es zusätzlich zum Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) für die geleistete Arbeit 1,10 Euro pro Stunde gibt. Maximal 30 Stunden dürfen die Teilnehmer pro Woche arbeiten, damit ihnen Zeit bleibt, sich zu bewerben.

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Die Arbeiten müssen zusätzlich und gemeinnützig sein, was nicht in jedem einzelnen Fall vollkommen sauber abzugrenzen ist, wie Bernd Bhattacharyya einräumt. „Aber alle Arbeitsgelegenheiten werden mit der Kreishandwerkerschaft und der Galabau-Innung VGL abgestimmt“, betont der Agentur-Bedienstete. Angesprochen werden Empfänger von Arbeitslosengeld II, die schwer zu vermitteln sind. Diese Probleme liegen entweder im Arbeitsmarkt begründet oder bei den Arbeitslosen selbst. Bei der Lösung dieser eigenen Probleme – Krankheit, Sucht, Verschuldung – hilft nicht die Agentur, sondern seit Mitte des vergangenen Jahres die Kreisvolkshochschule (KVHS).

Sie hat den Auftrag bekommen, die Beschäftigungsverhältnisse zu betreuen. Um die Ein-Euro-Jobs im sozialen Sektor kümmert sich Marlo Jütte, um die Außenberufe Hermann Mohrschladt.

Diese Form des Outsourcings hat sich nach Ansicht von Bernd Bhattacharyya bewährt, denn einige Probleme der Ein-Euro-Jobber hatte die Arbeitsagentur manchmal nicht erkannt, andere wurden von den Arbeitgebern aus falsch verstandener Nächstenliebe nicht verraten – nach dem Motto: „Wir wollen dem Betroffenen keinen Stein in den Weg legen.“ Denn bei Unzuverlässigkeit muss die Agentur Leistungen kürzen.

Bhattacharyya: „Ziel der Arbeitsgelegenheiten ist es aber, die Arbeitslosen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen – und das wird nur erreicht, wenn die Betroffenen ihre Probleme lösen.“ Das sei im Gespräch mit den beiden Betreuern von der KVHS leichter möglich.

Größter Anbieter von Arbeitsgelegenheiten in Nordenham ist die Stadt, die Ein-Euro-Jobber als Hausmeister-Gehilfen in ihren Schulen beschäftigt. Solche Jobs bietet auch der Kreis. Weitere Anbieter sind Kirchengemeinden, Vereine und soziale Einrichtungen. 34 Ein-Euro-Jobber sind im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt, 18 im sozialen Bereich – etwa in Altenheimen –, weitere 18 im Arbeitslosenzentrum – beispielsweise in der Fahrradwerkstatt –, 10 Jugendliche absolvieren eine Qualifizierung bei der Nordenhamer Bürgerstiftung und 2 sind beim Bürgerrundfunk beschäftigt.

Verlängerung möglich

Die Arbeitsgelegenheiten sind grundsätzlich auf sechs Monate befristet, können aber auf zwölf Monate verlängert werden, wenn sich die Teilnehmer eignen. Dass die Ein-Euro-Jobber anschließend von der Einrichtung als reguläre Mitarbeiter übernommen werden, ist die krasse Ausnahme, sagt Bernd Bhattacharyya. Aber viele finden zu neuer Disziplin und dann den Rückweg in den ersten Arbeitsmarkt.

Gezwungen werde kaum ein Teilnehmer. Aber mancher mache wohl nicht ganz freiwillig mit, weil sonst Leistungskürzungen drohen. Doch nach dem Ein-Euro-Job, sagt Bernd Bhattacharyya, seien die meisten durchaus dankbar für diese Erfahrung.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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