Nordenham Geschichten wie die von Chantal Bausch, die als Kind ein Spenderherz bekam und heute eine erfolgreiche Sportlerin ist, liest Dr. Anja Behnke mit großem Interesse. Über die 20-jährige Frau aus Bremen hatte die NWZ  am Dienstag mit der Überschrift „Eine zweite Lebenschance“ berichtet. Anja Behnke will, dass viele Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, eine solche Chance bekommen. Deshalb setzt sie sich dafür ein, dass sich alle Menschen mit der Frage beschäftigen, ob sie ihre Organe im Todesfall spenden wollen oder nicht.

Die 46-Jährige hat von 1993 bis 1997 als Ärztin in der Neurochirurgie der Uni-Klinik Kiel gearbeitet. In dieser Zeit hat sie auch viel mit Patienten zu tun gehabt, die einen Hirntod erlitten haben. Mehr als einmal stand sie vor der schwierigen Aufgabe, mit den Angehörigen zu sprechen. Denn für den Fall, dass der Verstorbene zu Lebzeiten keine Angaben darüber gemacht hat, ob er seine Organe spenden will oder nicht, müssen die Angehörigen entscheiden. „Und das“, so Anja Behnke, „ist eine Hammerentscheidung, zumal die Angehörigen ohnehin schon einer extremen Belastung ausgesetzt sind.“

Im Zweifel Nein

Sie plädiert dafür, ihnen diese schwierige Situation zu ersparen. Aber das geht nur, wenn sich möglichst viele Menschen mit dem Thema Organspende beschäftigen und selbst eine Entscheidung treffen. Anja Behnke weiß aus Erfahrung, dass die meisten Angehörigen im Zweifel Nein zur Organspende sagen. Und sie kann und will ihnen das auch nicht verübeln.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Anja Behnke weiß, dass viele das Thema scheuen. Sie wollen sich nicht mit dem Tod beschäftigen. „Aber es kann jeden von uns treffen.“ Jeder könne in die Lage kommen, dass er auf eine Niere oder ein Herz angewiesen ist. Auf der anderen Seite könne jeder Mensch selbst zum Spender werden. Mit Spenderorganen könne viel Gutes getan werden. Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Leber, Dünndarm, Nieren und Lungen können anderen Menschen ein neues Leben schenken.

In Deutschland stehen rund 12 000 Menschen auf der Warteliste, die dringend auf ein Spenderorgan angewiesen sind. „In jedem Jahr sterben 1000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen.“ Jürgen Krull aus Blexen gehört zu den Glücklichen, die dank einer Organspende überlebt haben. Vor 12 Jahren bekam er eine neue Lunge und eine neue Leber. Er ist sein Leben lang auf Tabletten angewiesen. Aber er ist ein lebensfroher Mensch. Es geht ihm gut. „Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Menschen als Organspender zur Verfügung stellen“, sagt der Blexer, der sich selbst einen Organspenderausweis besorgt hat.

Wie Anja Behnke mitteilt, haben etwa 5 Prozent der Bevölkerung einen Spenderausweis. Dabei sei der Anteil derjenigen, die bereit sind zu spenden, deutlich höher. Nach Auskunft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung liegt er bei rund 70 Prozent, auch wenn diese Zahl infolge der jüngsten Organspendeskandale zurückgegangen sein dürfte.

Die Ärztin hat Verständnis für die Ängste im Zusammenhang mit der Organspende: „Manche glauben, dass Menschen mit Organspendeausweis nicht vernünftig behandelt werden.“ Aber das sei nahezu ausgeschlossen. Dass es allerdings auch in ihrem Berufsstand schwarze Schafe gibt, will die 46-Jährige nicht ausschließen. Bei den jüngsten Skandalen sei es aber in erster Linie darum gegangen, dass einzelne Patienten kranker dargestellt wurden als sie sind, damit sie auf der Warteliste weiter nach oben rutschen.

Zustimmungsregelung

Seit einem Jahr sind die Krankenkassen verpflichtet, regelmäßig über das Thema Organspende zu informieren. Nach wie vor gilt in Deutschland die Zustimmungsregelung. Anders als zum Beispiel in Österreich, wo die Widerspruchsregelung gilt. Das bedeutet, dass im südlichen Nachbarland jeder ein potenzieller Organspender ist, es sei denn er widerspricht.

Anja Behnke hält aber die Zustimmungsregelung für richtig. „Jeder sollte das freiwillig entscheiden können“, sagt sie. Aber sie plädiert dafür, dass sich jeder mit dem Thema beschäftigt und eine Entscheidung trifft. Ein Spenderausweis ist aus ihrer Sicht eine gute Lösung, um Angehörigen irgendwann einmal eine schwierige Entscheidung zu ersparen. Mindestens aber sollten sie ihren Angehörigen mitteilen, was im Falle eines Falles mit ihren Organen passieren soll.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.