Abbehausen /Lautenbach Für 25 000 Euro ist schon ein passabler Mittelklassewagen zu bekommen. Udo Venema jedoch hat für diese Summe eine ganz andere Verwendung: Er investiert 25 000 Euro in den Kauf und die Anlieferung eines riesigen Tannenbaums. Am Wochenende ist der Abbehauser Gastronom dabei gewesen, als seine Douglasie im Schwarzwald bei einer spektakulären Aktion gefällt wurde. Aus dem 60 Meter hohen Waldriesen lässt Udo Venema einen bayerischen Zunftmaibaum anfertigen.

Im Lautenbach, einem Ort in der mittelbadischen Region Ortenau, hatte Udo Venema schon vor Monaten das gute Stück ausfindig gemacht (die NWZ  berichtete). Am Freitag ist der große Augenblick gekommen. Forstwirte und Transportspezialisten rücken mit schwerem Gerät an, um den Bestellauftrag aus Abbehausen zu erledigen.

10 Tonnen schwer

Mit ihren 60 Metern zählt die Venema-Douglasie zu den stattlichsten Bäumen in der Ortenau. Sie hat in der Mitte einen Stammumfang von 57 Zentimetern und wiegt etwa 10 Tonnen. Der Lautenbacher Revierförster Peter Schmiederer schätzt ihr Alter auf 125 Jahre.

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Als Erkennungszeichen für den Fälltrupp dient ein rotes X auf der Rinde. Ein junger Forstwirt legt sich Steigeisen und klettert den Stamm gut 35 Meter hinauf, um dort ein Halteseil für den Kran anzubringen. Ohne diese Absicherung würde die in 50 Zentimetern Höhe abgesägte Riesentanne unkontrolliert zu Boden krachen. Dazu kommt es nicht, weil der Teleskoparm des Krans die schwere Last hält und sie sachte nach unten gleiten lässt.

Der Kran steht in dem verschneiten Wald auf einer befestigten Plattform, die schon einige Tage zuvor angelegt wurde. Auch an die Rutschgefahr für die Fahrzeuge haben die Transportfachleute gedacht und die steilen Wege mit Splitt abgestreut.

Ein Zangenbagger greift sich den gefällten Riesen und schleppt ihn durch den Wald zur Straße. Am Ortsausgang von Lautenbach wartet ein Spezialtransporter der Firma Knöbel auf die Douglasie. Das Unternehmen aus Umkirch ist für die Weiterbeförderung des Baumungetüms nach Pfaffenhofen in Bayern zuständig.

Am Sonntagabend gegen 22 Uhr beginnt die Reise von Lautenbach nach Pfaffenhofen. In der Stadt an der Ilm bleibt der Stamm für einige Monate. Dort richten Maibaum-Experten ihn für seinen späteren Einsatz in Abbehausen her. Die Megatanne wird getrocknet, geschält und in den bayerischen Traditionsfarben Blau und Weiß angemalt.

Zwischenzeitlich hatte Udo Venema die Sorge, dass die Trocknungszeit des Baumes seinen Terminplan durcheinanderbringen könnte. Aber diese Befürchtung ist mittlerweile hinfällig. Baumkenner haben ihm versichert, dass die Auslieferung nach Abbehausen pünktlich zum 8. Mai zu schaffen ist. Wenn es in Pfaffenhofen in den nächsten Wochen noch ordentlich friert, geht’s mit der Trocknung noch schneller. „Frost zieht die Feuchtigkeit aus dem Holz“, weiß Udo Venema.

Auf 50 Meter stutzen

Wenn die Riesendouglasie vor dem Butjadinger Tor eintrifft, um dort das jetzige Stangerl abzulösen, wird sie allerdings keine 60 Meter mehr lang sein. Weil die Spitze recht dünn ist, muss der Baum auf etwa 50 Meter gekappt werden. „Die Größe ist nicht so wichtig“, sagt Udo Venema, „Hauptsache, unser Wahrzeichen bleibt erhalten.“ Bayerische Maibäume stehen bereits seit 1985 in Abbehausen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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