ABBEHAUSEN Jedes Jahr im Mai sind die Rentner unterwegs. Sie übernachten stets in Jugendherbergen.

von norbert hartfil

An einem Tag mit dem Fahrrad von Abbehausen nach Oldenburg und wieder zurück? „Kein Problem“, sagt Hilde Hinrichs, „das sind doch nur 104 Kilometer.“ Mit ihrem Mann Georg ist sie schon oft nach Oldenburg geradelt. Mitunter besuchen die beiden Abbehauser auch ihre Tochter in Kiel mit dem Fahrrad. Und die alljährlichen Urlaubsreisen im Mai werden sowieso immer mit dem Rad unternommen – in Tagesetappen von 60 bis 70 Kilometern. Diese sportliche Leistung ist schon beachtlich, aber es kommt noch besser: Bei Hilde und Georg Hinrichs handelt es sich um ein Rentnerehepaar im Alter von 81 und 82 Jahren.

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Vergangene Woche sind Hilde und Georg Hinrichs von ihrer Mai-Tour zurückgekehrt, die diesmal nach Lüneburg führte. In zehn Tagen legten die Eheleute exakt 636 Kilometer zurück.

Ihnen ist anzusehen, dass Radfahren fit hält. Braun gebrannt und gut gelaunt berichten sie von ihren erlebnisreichen Reisen. Dabei wollen sich die beiden jedoch nicht festlegen, wo es ihnen am besten gefallen hat. „Eigentlich ist es überall schön“, meint Hilde Hinrichs. Ihr Mann macht jedoch kein Geheimnis daraus, dass er waldreiche und hügelige Landschaften dem platten Butjenter Land vorzieht. Und das, obwohl er in Ruhwarden aufgewachsen ist. Seine Frau stammt ebenfalls aus Butjadingen, genauer gesagt aus Stollhamm.

Für die Vorbereitung der Touren und das Studieren der Radwanderkarten ist Hilde Hinrichs zuständig. Sie kümmert sich auch um die Reservierung der Unterkünfte, bei denen es sich fast ausnahmslos um Jugendherbergen handelt. Im Laufe der mittlerweile 31 Jahre, in denen die Eheleute ihrer Fahrradbegeisterung frönen, haben sie etwa 200 Jugendherbergen kennen gelernt Auf einer Landkarte hat Hilde Hinrichs all die Orte, in denen sie und ihre Mann schon übernachtet haben, mit einem roten Strich gekennzeichnet. Stuttgart, Berlin, Dresden und Tier gehören ebenso dazu wie der Bodensee, Rügen und die Spessart-Gemeinde Linsengericht. Es gibt es kaum eine Region in Deutschland ohne „Da waren wir“-Markierung.

Aber auch in Holland und in der Schweiz sind die Langstreckenprofis schon unterwegs gewesen. Ihre weiteste Tour legten sie 1988 zurück, als sie gut 1000 Kilometer von Basel nach Abbehausen radelten. Für die Hinfahrt nach Basel hatten sie den Zug genommen.

Die gemeinsame Begeisterung für das Radfahren entdeckten die Eltern von vier Kindern im Jahr 1978. Damals fuhren sie mit ihren Rädern ohne Gangschaltung nach Sylt. Später legten sie sich Fahrräder mit Dreigangschaltung zu, und seit einem halben Jahr sind sie stolze Besitzer von soliden Sieben- beziehungsweise Achtgangrädern. „Bei Gegenwind ist das ohne Gangschaltung ganz schön anstrengend“, begründet Georg Hinrichs die Neuanschaffung. Er und seine Frau bevorzugen einen flotten Fahrstil: „So um die 17 Stundenkilometer müssen es schon sein“, sagt der 82-Jährige, „sonst kommt man ja nicht von der Stelle.“

Von Unfällen oder anderen unangenehmen Ereignissen sind die Abbehauser bislang verschont geblieben. Reifenpannen und gebrochene Speichen gab’s allerdings schon öfter. Solche Reparaturen erledigt Georg Hinrichs, der zwar gelernter Kaufmann ist, aber die meiste Zeit seines Berufslebens als Maschinenführer bei den Norddeutschen Seekabelwerken tätig war, mit links. „Einen Reifen flick ich auch im Dunkeln“, sagt er.

Der große Reiz des Radfahrens liegt für das Ehepaar Hinrichs in der intensiven Wahrnehmung der Umgebung. Dafür nehmen die beiden auch Wetterlaunen in Kauf und lassen sich selbst von heftigen Regenfällen nicht aufhalten. Das Ziel ihrer Tour im nächsten Jahr steht bereits fest: Glücksburg an der Elbe. Dort wollen sie die neue Jugendherberge besuchen. Natürlich findet die Fahrt wieder im Mai statt. „Dann grünt und blüht es so schön in der Natur“, sagt Georg Hinrichs.

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