Elsfleth Seit dem 20. Oktober 1983 befinde ich mich als Kapitän auf dem LPG Gastanker „LEIBNIZ“ der Reederei Schulte und Bruns in Hamburg. Zu dieser Reederei hielt meine Firma schon immer sehr gute Verbindungen und 1980 hatte ich auf Leibniz schon mal eine Urlaubsvertretung gemacht.

Ich hatte am 20. Oktober 1983 in Le Havre den dortigen erkrankten Kapitän abgelöst und nun fuhren wir im Propangeschäft zwischen Italien, Algerien, Tunesien und Griechenland in Trampfahrt hin und her, je nachdem wo Propan gebraucht wurde oder auch abzugeben war.

Am frühen Morgen des 26. Dezembers hatten wir Brindisi (Italien) mit voller Ladung fabrikwarmen Propans verlassen. Auf der kommenden Seereise musste diese warme Brühe für eine Löschtemperatur von minus 40 Grad heruntergekühlt werden.

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Das hieß mit anderen Worten – wir hatten viel Zeit und fuhren mit kleiner Fahrt in Richtung östliches Mittelmeer. Der Löschhafen war uns noch unbekannt, da solche Ladungen an der Börse gehandelt und dann bei dem Erwerber der Ladung irgendwo gelöscht wurden.

Am 30. Dezember standen wir südlich der griechischen Insel Rodos und die Spannung wuchs von Stunde zu Stunde, wo es denn nun hingehen sollte. Am Silvesterabend so gegen 22 Uhr erhielten wir „Fullspeedorder“ für Lanarca/Zypern mit Löschtemperatur von minus 42 Grad Celsius. Sofort nach Erhalt dieser Order ging es rund in der Technik und bei den Nautikern. Weiteres Kühlen der Ladung auf -42, das ganze Löschgerät überprüfen und klarmachen.

Einklarierungspapiere erstellen, Ankunftsinformationen: Schiffstyp, Art und Menge der Ladung, Anzahl der Besatzungsmitglieder, Namen von Kapitän und Leitendem Ingenieur, Liste der in den letzten zwei Monaten angelaufenen Häfen und vieles mehr über Funk an den Empfänger zu übermitteln. Obgleich alles mit Sprechfunk gemacht werden musste, ging es relativ schnell und reibungslos mit der Seefunkstelle Cypres-Radio.

Ja, und dann war es plötzlich 24 Uhr. Wie vorher verkündet machten wir 1 Minute Dauerklingeln mit dem Maschinentelegraph und eine Minute „Tuuuut“ mit dem Nebelhorn. Das war’s dann auch schon.

Es galt Volle Fahrt in dunkler Nacht und heftige Betriebsamkeit in Maschine, Brücke, Gasplant und Deck. Am Vormittag des 1. Januar 1984 erreichten wir die Reede von Lanarca. Der Lotse kam mit dem Boot und verholte uns an eine zwei Meilen vor der Küste schwimmende Löschstation und – ich glaube es war eben nach 12 Uhr – pumpten wir unsere Ladung an Land. Am Nachmittag spendierte ich für alle an Bord eine Flasche alkoholfreies Bier.

Ach ja, eigentlich wollten der Leitende Ingenieur Lüder Schulz und ich am 31. Dezember Stollen für die Mannschaft backen. Dazu hatten wir uns in Brindisi die nötigen Zutaten besorgt. Als wir dann den Hefeteig mit Orangat und Zitronat garnieren wollten, konnten wir im Proviantraum die Zutaten nicht mehr finden.

Der Koch ließ uns wissen, dass er diese verschimmelten Sachen aus Italien über Bord geworfen habe. So buken wir den Stollen mit Dörrpflaumen und Trockenäpfeln. Vom Koch gab es dann als Wiedergutmachung lecker Nasi-Goreng, ein indonesisches Gericht.

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