BRAKE „Manchmal muss man die Leute auch mal Ausschreien lassen“, sagt Bernd Lisse mit einem sanftmütigen Blick. Es kommt schon mal vor, dass es in seinem Büro hoch her geht und der eine oder andere Besucher laut wird. Dabei soll im Arbeitszimmer von Lisse eigentlich nicht gestritten werden – im Gegenteil. Die Bürger kommen her, um sich zu einigen und sich im besten Fall auch wieder zu vertagen.

Seit 1998 kümmert sich der Beamte der Stadt Brake ehrenamtlich um die Streitigkeiten anderer Leute. Anfangs war er der Vertreter des Schiedsmanns, seit vier Jahren hat er selbst das Amt inne und einen eigenen Vertreter. Rund dreißig Fälle bearbeitet er pro Jahr, und das freiwillig und unentgeltlich. Bürgerrechtliche und manche strafrechtlichen Fälle gehören zu seinem Schlichtungsrepertoire. Vor allem hat der Schiedsmann es mit Nachbarschaftsstreitigkeiten zu tun.

„Das ist wie im Fernsehen“, findet er. Über die Anlässe der Uneinigkeiten kann sich Lisse manchmal nur wundern. „Da pflanzen zwei Nachbarn zusammen eine Hecke und dreißig Jahre später stört sie.“ Dann zanken sich die Parteien, wer die Hecke bezahlt hat und wer über sie bestimmen darf. Immer wieder hat es Lisse auch mit ungeliebtem Wurzelwerk zu tun, das auf dem Nachbargrundstück wächst.

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Natürlich regelt das Gesetz, wann welche Wurzeln wohin wachsen dürfen. Allerdings ist die Lage nicht immer eindeutig. Anders als ein Richter spricht Lisse kein Urteil. Er muss auf die Menschen eingehen und versuchen, eine Einigung zu erzielen. Eine solche Schlichtung wird mit Handschlag beschlossen. Manch einer muss dazu seinen gekränkten Stolz vergessen und Eitelkeiten überwinden. Wenn keine Einigung erzielt wird, können die Parteien vor Gericht gehen. Der Grundsatz der Schiedsmänner aber lautet: „Schlichten ist besser als richten.“

Lisse hat es oft mit komplexen oder fast schon absurden Streitfällen zu tun. Schwierig werde es beispielsweise bei übler Nachrede, vor allem, wenn jemand über einen Dritten gehört hat, dass ein Anderer sich unangemessen geäußert hat. „Man muss Lebenserfahrung haben“, weiß der 60-Jährige. Wie ein Fels sitzt er an seinem Schreibtisch, seine Ruhe scheint unerschütterlich. „Ich kann auch anders“, garantiert er.

Wichtig sei es, dass Schiedsmänner keine Vorurteile haben, sondern unvoreingenommen an die Fälle heran gehen. Außerdem müssen Schiedsmänner fair sein. „Niemand darf sein Gesicht verlieren“, beschreibt er. „Es ist eine schöne Sache. Ich versuche, den Leuten zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie sich nach der Schlichtung wieder in die Augen schauen können.“ Die ehrenamtliche Aufgabe des gebürtigen Brakers ist es, „an den gesunden Menschenverstand zu appellieren“.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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