Frage: Sie laden zur Maikundgebung unter dem Motto „Wir sind viele“ ein. Auf dem Postplatz finden sich allerdings Jahr für Jahr weniger Gäste ein...

Peglau: ... das mag sein. Aber der Tag der Arbeit, der 1. Mai, ist ein wichtiger Tag. Vielleicht müssen wir wieder mehr über den Ursprung berichten und darüber, dass Veränderungen und Verbesserungen nur gemeinsam durchzusetzen sind.

Die Kundgebung auf dem Postplatz

„Wir sind viele. Wir sind eins“: Unter diesem Motto lädt der DGB-Ortsverband Brake zur traditionellen Kundgebung am Montag, 1. Mai, auf den Postplatz ein.

Beginn ist um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, den Pastor Dirk Jährig leiten wird. Gegen 10.30 Uhr wird die eigentliche Maikundgebung mit dem Grußwort von Uwe Peglau, DGB-Ortsverbandsvorsitzender, eröffnet.

Ute Kittel vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi hält die Mairede. Darin wird sie unter anderem auf die Rentenkampagne des DGB eingehen sowie auf die Wahlen in Deutschland und Europa.

Ein Grußwort spricht Carsten Grümbel vom Arbeitslosenzentrum. Für die musikalische Begleitung der Kundgebung ist das BSW-Orchester Brake unter Leitung von Thomas Schröder zuständig.

Nach der Kundgebung beginnt das Maifest für die ganze Familie mit Spielangeboten und Informationen. Für Verpflegung wird ebenfalls gesorgt.

Frage: Ist die traditionelle Kundgebung dafür noch die zeitgemäße Veranstaltung?

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Peglau: Natürlich müssen wir unsere Maiveranstaltungen weiterentwickeln, damit Jung und Alt wieder gemeinsam diesen Tag begehen. Neue Ideen sind immer willkommen. Aber die Maikundgebung ist eben auch eine Gelegenheit, um sich mit Kolleginnen und Kollegen zu treffen, den Reden zuzuhören, am Gottesdienst teilzunehmen oder der Musik des Orchesters zu lauschen.

Frage: Kann das zurückgehende Interesse nicht auch daran liegen, dass Sie jedes Jahr im Grunde dasselbe fordern, nämlich soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde in der Arbeitswelt?

Peglau: So lange die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinander driftet, so lange Missstände wie Lohndumping, Alters- und vor allem Kinderarmut nicht beseitigt sind, Reiche aber immer reicher und nicht adäquat an der Finanzierung der gesellschaftlichen Aufgaben herangezogen werden, so lange werden wir diese Themen auf unseren Veranstaltungen behandeln.

Frage: Warum haben es die Gewerkschaften dann heute schwerer, ihre Mitglieder zu mobilisieren?

Peglau: Ist das so? Ich finde, wir haben keine Probleme, Kollegen oder Kolleginnen in den Betrieben zu mobilisieren beispielsweise bei Tarifverhandlungen. Und aus der Wesermarsch nehmen immer wieder viele Kolleginnen und Kollegen an bundesweiten Demonstrationen oder gewerkschaftlichen Veranstaltungen teil. Andererseits gibt es viele Menschen, die in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, da überlegen schon einige, ob sie sich die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft leisten können oder ob sie sich als Gewerkschafter „outen“ – aus Angst, die Arbeit zu verlieren. Darum ist es ja so wichtig, für faire Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen.

Frage: Welche Missstände sind Ihnen denn konkret aus Brake bekannt?

Peglau: In einem größeren Betrieb hier in Brake gibt es bis heute keinen Betriebsrat, auch keine Gewerkschaft bekommt Zugang in den Betrieb. Betriebliche Mitbestimmung ist ein „Muss“ und darf niemanden verwehrt werden. Dies finde ich schon skandalös.

Frage: Wie wollen sie das abstellen?

Peglau: Hier hilft nur Aufklärungsarbeit. Außerdem muss man die Beschäftigten motivieren, sich zu engagieren und Mitglied einer Gewerkschaft zu werden.

Frage: Gibt es, andererseits, Erfolge, die Sie für sich reklamieren?

Peglau: Wir als DGB haben uns damals für die Beschäftigten beim Bau des Wesertunnels eingesetzt. Wir haben die Gewerkschaften bei diversen Arbeitskämpfen in der Wesermarsch unterstützt. Wir haben uns aktiv für die Rekommunalisierung der Gebäudereinigung im Landkreis eingesetzt. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns war ein weiterer Erfolg, dafür haben wir uns in der Wesermarsch wie in der gesamten Bundesrepublik stark gemacht.

ist seit 1981 Gewerkschaftsmitglied und seit 1995 Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes. Der 59-jährige Braker arbeitet als Fachkraft für Dekontamination („Dekontfachkraft“). Der DGB-Ortsverband ist Teil des DGB-Kreisverbandes, in dem sechs von acht DGB-Gewerkschaften vertreten sind. In der gesamten Wesermarsch wohnen rund 11 000 Gewerkschaftsmitglieder. Weitere Mitglieder haben ihren Wohnsitz außerhalb des Landkreises.

Frage: Warum also lohnt es sich, auch am 1. Mai 2017 an der Maikundgebung auf dem Postplatz teilzunehmen?

Peglau: Gründe dafür gibt es viele. Bekämpfung der Armut, der prekären Beschäftigungsverhältnisse, Europakrise, Kriege, soziale Ungerechtigkeit. Für mich ist wichtig, im Jahr der Bundestagswahl unseren Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie Nachdruck zu verleihen. Die Politik muss die sozialen Abstiegsängste einer wachsenden Zahl von Menschen endlich ernst nehmen.

1.

Mai Tag der Arbeit

Torsten Wewer Kanalmanagement / Redakteur
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