Berne „Wenn ich wüsste, wie ich die Behörden umstimmen könnte, damit Familie Prendi in Berne bleiben darf, würde ich es machen. Schon sehr lange habe ich nach einem Mitarbeiter wie Pavlo Prendi gesucht“, sagt Sebastian Ibbeken. Der Berner Jungunternehmer, der sich vor fünf Jahren als Garten- und Landschaftsbauer selbstständig gemacht hatte, lernte den Albaner bei einem Praktikum kennen. Mit seinem Geschick bei allen Arbeiten rund ums Pflastern hätte der gelernte Mauerer perfekt ins Team des kleinen Betriebs gepasst.

Dass Ibbeken dem fleißigen, talentierten Familienvater nach der Probearbeit gerne einen unbefristeten, gut bezahlten Arbeitsvertrag gab, war selbstverständlich. Doch auf die langersehnte Hilfe müssen Ibbeken und sein Team jetzt erst einmal warten, denn für Familie Prendi ging es nach mehr als einem Jahr in der Wesermarsch nun zurück nach Albanien.

Genau wie Familie Deliu waren Pavlo, Flora und der damals achtjährige Eliseo Prendi mit dem Flüchtlingsstrom im Februar 2015 nach Deutschland gekommen. In Berne haben sich alle Drei bestens integriert. Sie schlossen neue Freundschaften und lernten Deutsch.

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Gisela Wenke von der Berner Runde unterstützte sie beim Einleben. Eliseo absolvierte mit gutem Zeugnis die dritte Klasse oder spielte in der F-Jugend der Spielvereinigung Berne Fußball. Und beide Eltern fanden nach Praktika unbefristete Arbeitsplätze.

In Albanien sahen sie dagegen keine Zukunft. Die Preise in den albanischen Geschäften sind mit denen in Deutschland vergleichbar oder übersteigen diese teilweise sogar, hieß es. „Ich habe dort im Krankenhaus Nachtschichten gemacht, um das Familieneinkommen aufzubessern. Für eine Zwölf-Stunden-Schicht gab es insgesamt sieben Euro“, berichtete Flora Prendi von der dortigen Situation.

Wenn sie es rechtzeitig gewusst hätten, hätten sie, genau wie Familie Deliu, ihren Asylantrag zurückgezogen. Mit einem bei der Botschaft in Tirana beantragten Arbeitsvisum wäre dann eine rasche Rückkehr nach Deutschland möglich gewesen, bedauerte Pavlo Prendi. So wurde der Asylantrag Anfang Mai aufgrund des sicheren Herkunftslandes abgelehnt. Innerhalb von zwei Wochen hätten sie ausreisen müssen. Eliseo durfte jedoch das Schuljahr an der Comenius-Schule beenden. Von den Pässen, die ihnen abgenommen wurden, hatten die Prendis zu dieser Zeit nur Kopien zurückerhalten. Auf freiwilliger Basis – um nicht bei einer Nacht- und Nebelaktion gewaltsam aus ihrer Wohnung geholt zu werden – haben Pavlo, Flora und Eliseo Prendi Deutschland nun schweren Herzens wieder verlassen.

Bei der Botschaft in Tirana sollte mit den unbefristeten Arbeitsverträgen von Kückens Pflegeheim und Firma Ibbeken im Gepäck sofort ein Termin vereinbart werden, so der Plan. Wohnen werden sie bei ihrer Schwester im Norden Albaniens, erzählte Flora Prendi vor ihrer Ausreise nach Albanien. Nun hoffen alle Beteiligten auf ein Einsehen der Behörden, denn in Berne würden sich neben den vielen neuen Freunden ganz besonders Sebastian Ibbeken und das Pflegeheim über eine schnelle Rückkehr ihrer neuen Mitarbeiter freuen.

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