NORDENHAM An der Treppe zur Tiefgarage glimmen mehr als ein Dutzend Kerzen, auf laminierten DIN-A4-Bögen und auf gelben Schildern mit schwarzer Schrift wird vor der weiteren Nutzung der Atomkraft gewarnt. Sätze wie „Strahlende Zukunft ohne Atomkraft“ und „Hört hin – Mutter Erde schreit“ sind ein Appell zur sofortigen Umkehr bei der Stromerzeugung.

Still geht es auf dem Marktplatz zu, die Sätze auf den Schildern sind laut genug. Ein gutes Dutzend Menschen steht mit ernsten Gesichtern herum, bereit zum Gespräch mit Passanten. Wohl 80 sind es zwischen Mittag und Kaffeezeit gekommen und haben sich eine Zeit lang hinzugesellt, sagt Martina Gohlke, die diese Mahnwache organisiert hat. Einige haben Kerzen mitgebracht, andere die laminierten DIN-A4-Bögen, wieder andere Tulpen und weiße Rosen. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist die 35-jährige Hausfrau und Mutter an die Öffentlichkeit getreten, hat Gesicht gezeigt, damit auch andere Gesicht zeigen, die die Atomkraft ablehnen.

Martina Gohlke war 11, als am 26. April 1986 der Block 4 im Reaktor von Tschernobyl explodierte. Sie besuchte die Orientierungsstufe in FAH, hatte Angst und fragte sich, ob sie raus dürfe und ob sie das Gemüse aus dem Garten ihrer Großeltern wohl noch essen dürfe, dass ihr immer so gut geschmeckt hatte. „Das ist eine lebende Erinnerung für mich, anders als Hiroshima“, sagt Martina Gohlke.

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Sie begann die Atomkraft abzulehnen, doch das war immer nur ein Thema für den privaten Kreis, wie sie erzählt. Sie trat keiner Partei und keiner Organisation bei. „Ich habe für mich noch nicht das gefunden, wo ich reinpasse“, sagt sie.

Martina Gohlke hat drei Kinder: Joshua (13), Ilja (10) und Hanna (6). Sie haben im Fernsehen die schrecklichen Bilder aus Japan gesehen, und sie haben „Die Sendung mit der Maus“ gesehen, in der es um Stromerzeugung aus Sonne und Wind ging. Sie fragten ihre Mutter, warum es nicht ohne Atomkraft geht.

Martina Gohlke sitzt gern am Computer und bewegt sich im sozialen Netzwerk Facebook. Dort diskutierte sie das Thema und wurde auf die Organisation „Ausgestrahlt“ aufmerksam gemacht. Sie nahm im Internet Kontakt auf und bekam die Anregung, doch auch in Nordenham eine von den bundesweiten Mahnwachen zu organisieren, die jetzt montags stattfinden sollen. Das war‘s! Sie meldete die Mahnwache bei der Stadt an, und dann ging alles ganz schnell.

Ebenfalls bei Facebook lernte sie den Nordenhamer Francis Hope von der Partei Die Linke kennen, der seine Hilfe anbot. So verteilte Martina Gohlke am Freitag 300 Flugblätter in der Innenstadt.

Ob es an den nächsten Montagen wieder Mahnwachen auf dem Marktplatz gibt, ist noch unklar. Martina Gohlke würde sie unterstützen, organisieren möchte sie sie aber nicht wieder. Jetzt überlegt die Linke, ob sie diese Veranstaltung weiterführt. Denn darin sind sich Martina Gohlke und Francis Hope einig: Nach dem Moratorium dürfen zumindest die alten Atomkraftwerke nicht wieder angefahren werden.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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