BLEXEN Wer glaubt, dass die Stadt für einen Schaden an seinem Eigentum haften muss, sollte zuallererst die Beweise sichern. Erst wenn sich ein städtischer Mitarbeiter die Angelegenheit angesehen und sich einen vollständigen Eindruck verschafft hat, darf der Bürger den Schaden reparieren. Sonst muss er im Zweifelsfall die Rechnung alleine bezahlen.

Das betont Manfred Brunßen, der stellvertretende Chef der Stadtverwaltung. Und das hätte Helga Endom, eine Hauseigentümerin aus Blexen, gerne schon vorher gewusst. Jetzt muss sie teures Lehrgeld bezahlen: mehr als 1000 Euro für die Reparatur eines Schadens, den vermutlich die Wurzeln städtischer Bäume verursacht haben.

Helga Endom wohnt am Tiefel 10, in einem 1850 errichteten Haus, das schon ihren Eltern gehört hat. Als sie vor einiger Zeit Risse in den Außenwänden entdeckte, hatte sie ihr privates Regenwasserrohr in Verdacht. Deshalb benachrichtigte sie dem Klempner Hans Marsall, der ganz nebenbei ihr Bruder ist.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Kamera im Kanal

Der kam am 1. September des vergangenen Jahres und ließ seine Kanalkamera in das Kunststoffrohr einfahren. Das technische Auge machte zwei Entdeckungen. Erstens: Das Regenrohr ist nicht an den Rissen in der Hauswand schuld. Und zweitens: An der Grundstücksgrenze zur Straße hin steht Wasser im Rohr.

Helga Endom und ihr Bruder fackelten nicht lange, ließen das auf mehreren Metern defekte Rohr ausgraben und fanden es eingeschnürt von den Wurzeln der stadteigenen Bäume, die am Straßenrand stehen. Wie Helga Endom berichtet, war das Rohr durch die Kraft der Wurzeln verkrümmt und wies Dellen auf. Es war nicht leicht, den Abfluss aus dem mit Wurzeln durchzogenen Boden herauszubekommen.

Hans Marsall dokumentierte die Baggerarbeiten und die Schäden auf Fotos. Und er informierte noch am gleichen Tag Harald Unland, der im Amt für Baumanagement der Stadtverwaltung für das städtische Grün zuständig ist. Ebenfalls am gleichen Tag zog ein Minibagger einen zweiten Kanal, in dem ein neues Regenwasserrohr verlegt wurde.

Am nächsten Tag kam Harald Unland zum Tiefel 10. Zusammen mit einer Kollegin informierte er sich, stellte Fragen und schoss ebenfalls Fotos, erinnert sich Helga Endom. Unland habe angekündigt, einen Gutachter zu schicken. Bis heute ärgert sich Helga Endom, dass sie ihn nicht auf das defekte Rohr aufmerksam gemacht hat, das noch an der Hauswand gelegen habe: „Er hat aber auch nicht danach gefragt.“

Am 24. November sei der Gutachter gekommen: Unlands Amtsleiter Peter Tamm. Er sagte zu, die Angelegenheit im Rathaus zu besprechen. Sie drückte ihm die Rechnungen in die Hand.

Streitschlichter Brunßen

Am 2. Februar schrieb Tamm, die Stadt könne die Kosten „leider nicht“ übernehmen. Aber sie könne sich noch an Manfred Brunßen wenden, der auch als Streitschlichter tätig sei. Sie schrieb an Brunßen, der reichte die Angelegenheit an Jörg Eisenhauer vom Amt für Personal und Organisation weiter, der Kontaktmann der Stadt für die Versicherung Kommunaler Schadensausgleich ist. Der antwortete am 4. Mai nach einem Gespräch mit der Versicherung, die Stadt könne den Schaden nicht begleichen, weil es keine Beweise gebe und auch Unland und seine Kollegin bei ihrem Besuch das defekte alte Kanalrohr nicht mehr vorgefunden hätten.

Am 17. Mai schickte Helga Endom eine Bestätigung des Sachverhalts von Hans Marsall an Eisenhauer. Der antwortete nach einer erneuten Rücksprache mit Unland am 9. Juni, dass es keinen Beweis für einen „ursächlichen Zusammenhang“ zwischen den Wurzeln der städtischen Bäume und dem Defekt am Rohr gebe.

Darauf schrieb sie am 14. Juni an Bürgermeister Hans Francksen, der ihr am 17. Juni antwortete: Der Kommunale Schadensausgleich habe nach Prüfung des Sachverhalts einen Anspruch abgelehnt.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.