Stadland Bürgermeister Klaus Rübesamen (SPD) hat eine eindeutige Position zum Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer: Die Gemeinde sollte sich gegenwärtig nicht daran beteiligen. Doch der Infrastrukturausschuss des Rates konnte sich nicht für ein klares Nein entscheiden.

Stattdessen verwies das Gremium den Antrag der Nationalparkverwaltung auf Einrichtung einer Erweiterungszone des Reservats auch in Stadland auf Antrag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Günter Busch in die Fraktionen zurück. „Der Rat entscheidet sowieso erst am 5. September“, argumentierte Busch.

Dabei unterscheidet sich seine Position nicht von der des Bürgermeisters: „Gebranntes Kind scheut das Feuer“, fasste er die insgesamt negativen Erfahrungen der Landwirtschaft mit Unterschutzstellungen zusammen.

Angst vor Restriktionen

Auf diese Erfahrungen verweist auch der Bürgermeister in seiner Vorlage für die Ratsgremien und betont darin, dass sich nicht nur Landwirte Sorgen machen müssten: „Schon jetzt überdecken eine Reihe von Schutzgebietskulissen das Gemeindegebiet und bilden für Landwirtschaft, Wirtschaft, Wohnen und die Planungshoheit der Gemeinde einen engen Rahmen. Es bestehen Bedenken, dass die Entwicklungszone für das Biosphärenreservat langfristig, ganz oder teilweise, in übergeordnete Zonen mit restriktiveren Vorgaben überführt wird.“

Zunächst hatte Jürgen Rahmel, der bei der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven als Dezernent für das Biosphärenreservat zuständig ist, in einer Beamer-Präsentation für seinen Antrag geworben. Ein Biosphärenreservat schließt sich an den Nationalpark an und soll ihn mit seinem Hinterland verbinden.

Stehe im Nationalpark der Schutz der Natur im Mittelpunkt, gehe es im Reservat um die „nachhaltige“ Weiterentwicklung der Kulturlandschaft. Das heißt: Binnendeichs soll eine funktionale Entwicklungszone eingerichtet werden, in der „alle Nutzungs- und Wirtschaftsformen umwelt-, natur- und sozialverträglich praktiziert werden“, wie es in einer Veröffentlichung des niedersächsischen Umweltministeriums von 2013 heißt.

Eine rechtliche Unterschutzstellung sei aber nicht geplant, betonte Jürgen Rahmel: „Alles kann, nichts muss.“

Anerkennung in Gefahr

Biosphärenreservate bestehen aus drei Zonen. Die Kern- und die Pflegezone gibt es schon, aber die Entwicklungszone noch nicht. Ohne diese Entwicklungszone drohe aber der Entzug der Anerkennung durch die UN-Umweltorganisation Unesco, erläuterte Rahmel.

In einem ersten Schritt werden Kommunen, die an den Nationalpark grenzen, zu Gesprächen eingeladen, nach denen sie sich Mitte 2020 für eine Beteiligung am Biosphärenreservat entscheiden – oder eben nicht. 2021 steht die Anerkennung durch die Unesco an.

30 Kommunen wurden angesprochen, 17 haben für eine Teilnahme an den Gesprächen gestimmt – in der Wesermarsch nur Jade, in Friesland Sande und Zetel. Nein gesagt zu Gesprächen haben bislang Butjadingen, Bockhorn, Varel und Wangerland.

Es gebe keine Risiken, sagte Rahmel, nur Chancen: ein besseres Image, eine gemeinsame Identität und Förderung für Projekte.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Elke Kuik-Janssen rief dazu auf, sich an den Gesprächen zu beteiligen: „Das ist ohne Risiko.“ Einen Mitstreiter fand sie in Wolfgang Fritz von der CDU-Fraktion: „Ein besseres Angebot kriegen wir nicht – und neue Umweltauflagen kommen irgendwann sowieso.“

Der Rodenkircher Bürger Dierk Dettmers rief die Politik dazu auf, die Bauern anzuhören. Diesem Aufruf soll gefolgt worden.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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