Nordenham Die erste Mondlandung, der Tod von Lady Diana oder der 11. September 2001 – manche Tage bleiben ein Leben lang im Gedächtnis der Menschen haften. Auch die Erinnerungen an den 3. Oktober 1990, den Tag der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland, sind 24 Jahre später noch in vielen Köpfen präsent.

Sdrean Fecht erlebte diesen denkwürdigen Moment auf der Insel Rügen. Er war damals 18 Jahre jung. „Ich leistete meinen Grundwehrdienst für die Nationale Volksarmee ab und habe das Geschehen mit einigen Kameraden im TV-Raum verfolgt“, erinnert er sich. „Es war ein ergreifendes Erlebnis, an das ich mich gern zurückerinnere.“

Die Stimmung unter den Wehrdienstleistenden sei indes gespalten gewesen. Einige seiner Freunde hätten die Gunst der Stunde genutzt und ihr Glück im Westen gesucht. „Aber sie haben schnell festgestellt, dass nicht alles Gold war, was glänzte“, sagt der 43-Jährige. Er selbst kam 1991 nach Nordenham. Sdrean Fecht ist Verkaufsleiter beim Autohaus Gebrüder Müller.

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Christian Schöckel (61) fuhr am Wochenende nach dem Mauerfall 1989 sogar nach Berlin, um zusammen mit anderen Menschen einen Teil der Mauer kaputt zu schlagen. Am 3. Oktober 1990 saßen er und seine Familie gespannt vor dem Fernseher.

Der Schulleiter der Hauptschule Abbehausen hat eine ostdeutsche Vergangenheit: „Als ich sechs Jahre alt war, flohen meine Eltern mit mir aus der damaligen DDR.“ Nach seinem Studium ging er als Lehrer wieder zurück nach Berlin, ehe es ihn im Alter von 32 Jahren in die Wesermarsch verschlug. In der Zeit des getrennten Deutschlands pflegte Christian Schöckel stets den Kontakt zu seinen Verwandten im Osten. Ein Teil seiner Familie lebt nach wie vor in Berlin.

Obwohl die stellvertretende Landrätin Heidi Brunßen keine persönliche Verbindungen zu Menschen in der DDR hatte, sei die Wiedervereinigung auch für sie sehr bewegend gewesen.

Für die Menschen, die in der Folge aus Ostdeutschland nach Nordenham kamen, musste Heidi Brunßen als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung versuchen, ein Rentenkonto anzulegen. „Da die Menschen in der DDR ein geringes Einkommen hatten, musste dieses Defizit irgendwie angepasst werden“, sagt sie. Während ihrer Schulzeit pflegte ihre Klassenlehrerin die Tradition, regelmäßig zusammen mit allen Schülern ein Paket für eine Familie in der DDR zusammenzustellen.

Natürlich war die Wiedervereinigung auch im Ausland ein bedeutendes Thema. Olga Deutsch, Leiterin der Tanzgruppe Grazia des SV Nordenham, lebte damals noch in Sibirien. „Viele Leute vor allem aus Russland und Kasachstan sind sofort übergesiedelt“, weiß die 55-Jährige. Sie kam 2001 gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern nach Deutschland. „Wir sind alle sehr glücklich, dass wir die Chance bekommen haben, hierher zu ziehen.“ Ihre Tochter besucht das Gymnasium in Nordenham, ihr Sohn arbeitet in Amerika. Ein Teil ihrer Familie lebt weiterhin in Sibirien.

Und so kommt es, dass Familie Deutsch jedes Jahr zu besonderen Anlässen ganz private, eigene Wiedervereinigungen feiern kann.

Lars Herrmann Nordenham / Redaktion Nordenham
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