Brake Es ist ein Horrorszenario, das sich in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten zugetragen haben soll. Gruppen von Männern – „aus dem afrikanischen Raum“, wie die Polizei mitteilte – machten Jagd auf Frauen, die dort eigentlich nur eine schöne Feier zum Jahreswechsel erleben wollten. Noch sind die Hintergründe und auch die Fakten der Taten unklar. Die Polizei steht in der Kritik, Flüchtlinge und ihre Unterstützer sehen sich unter Generalverdacht.

K.o.-Tropfen ein Problem

Die Geschehnisse, wie auch immer sie sich zugetragen haben, beschäftigen auch die Wesermarsch. Rund 1100 Flüchtlinge leben hier. Probleme mit sexuellen Übergriffen von Flüchtlingen gab es nicht, erklären Ulla Bernhold, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, und Imka Arndt von der Beratungsstelle Lawega (Landkreis Wesermarsch gegen Gewalt an Frauen). Der Polizei seien zwar vereinzelt Fälle bekannt, erklärt Knut Matthiesen, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes Brake. Von einer Auffälligkeit könne man nicht sprechen.

Sexualdelikte verzeichnet die Beratungsstelle eher beim Einsatz von K.o.-Tropfen, die auf Partys in Getränke von Frauen gemischt würden. Das besorgt die Frauen. „Dieses Thema haben wir schon häufiger“, erklärt Arndt. Auch dass auf Großveranstaltungen Männer zudringlicher würden, sei bekannt. Beim Thema Gewalt gegen Frauen geht auch die Polizei schon seit Jahren von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. „Viele Delikte kommen gar nicht erst zur Anzeige“, sagt Bernhold. Das war schon vor dem aktuellen Zustrom der Flüchtlinge so.

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Dennoch hat das Frauenbüro des Landkreises Präventionsarbeit geleistet. „Wir haben bereits im Oktober eine Fachtagung mit dem Thema häusliche Gewalt unter Flüchtlingen in Hannover besucht“, sagt Bernhold. Neben vielen Anregungen nahm sie auch eine Erkenntnis mit: „Niemand hat ein Rezept dafür, wie man mit der Situation umgehen kann“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Der schwierige Spagat zwischen den unterschiedlichen Kulturen bewegt sie.

Häusliche Gewalt zwischen Flüchtlingspaaren sei auch in der Wesermarsch schon vorgekommen. Auf diese Fälle ist die Beratungsstelle eingestellt. Es gibt Flyer in verschiedenen Sprachen, von polnisch über englisch bis hin zu arabischen Infoblättern, und auch die Zusammenarbeit zwischen Ausländerbehörde und Lawega sei konstruktiv.

„Wir konnten zum Beispiel eine Asylbewerberin sehr zügig in ein Frauenhaus nach Bremerhaven bringen“, sagt Bernhold. Da das Frauenhaus in einem anderen Bundesland liegt, reagierte die Ausländerbehörde schnell, „und wir konnten der Frau helfen“.

Doch der jüngste Fall in einer Liste trauriger Ereignisse ist der Tod einer jungen Irakerin in Nordenham am Montagabend (NWZ  berichtet auf Seite 33). „Diese Fälle zeigen uns unsere Grenzen auf“, sagt Bernhold.

Wer schlägt, muss gehen

Auch habe man mit Polizei, Staatsanwaltschaft und den Flüchtlingseinrichtungen über Strategien gesprochen. „Ganz klar ist: Wer schlägt, muss gehen“, sagt Bernhold.

Seit 2003 beschäftigt sich die Beratungsstelle mit Opfern von Gewalt. Die Zahlen der sexualisierten Gewalt seien in dieser Zeit nahezu gleich geblieben, erklärt Imka Arndt. 114 Fälle von häuslicher Gewalt­, das sind vor allem körperliche Auseinander­setzungen unter Familien­angehörigen, seien im vergangenen­ Jahr durch die Polizei in der Beratungsstelle gemeldet worden. 150 Frauen oder Angehörige seien direkt in die Beratungsstelle gekommen. „Sexualisierte Gewalt kommt meist erst im intensiven Gespräch heraus. Die Frauen brauchen sehr viel Mut, um darüber zu sprechen“, berichtet Arndt aus ihrem Alltag.

Deswegen ärgere sie die Diskussion im Nachgang der Ereignisse in Köln. „Warum müssen sich die Frauen anders­ verhalten?“, sagt sie mit Blick auf die Äußerungen von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Es sind die Täter, die etwas falsch machen­“, sagt Arndt weiter. Und da mache sie zwischen Flüchtlingen und anderen Männern keine Unterschiede.

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