Nordenham Viele Europäer haben Angst vor Überfremdung und einen expandierenden Islam. Doch nach Einschätzungen des Religionswissenschaftlers Michael Blume aus Filderstadt expandiert der Islam keineswegs, sondern befindet sich in einer weltweiten tiefen Krise.

Das will der Referatsleiter für nichtchristliche Religionen im Staatsministerium Baden-Württemberg in einem Vortrag erläutern, den er am Donnerstag, 1. November, in der Aula des Gymnasiums Nordenham hält. Beginn: 19.30 Uhr. Titel: „Islam in der Krise: Eine Weltreligion zwischen Radikalisierung und stillem Rückzug.“

Dazu lädt die Goethe-Gesellschaft Nordenham alle Interessierten ein. Mitglieder der Goethe-Gesellschaft haben freien Eintritt. Gäste zahlen 12 Euro.

Der Vorsitzende der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft, Dr. Burkhard Leimbach, weist darauf hin, dass Michael Blume ein gefragter Interviewpartner der Presse und Gesprächspartner in Talk-Shows sei, weil er einer der wenigen seriösen Kenner des Islam sei. „Seine Meinungen, Aussagen und Perspektiven sind auf Fakten gestützt und keine Hysterie“, so Burkhard Leimbach.

Der Vorsitzende der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft ist überzeugt, dass Michael Blume auch einen wichtigen Beitrag leisten kann zur Versachlichung der aktuellen Diskussion in Nordenham.

Mit Muslimin verheiratet

Michael Blume hat Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen studiert. Seit 2003 arbeitet er im Staatsministerium Baden-Württemberg. Von März 2015 bis Juli 2016 leitete er die Projektgruppe „Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak“. Das Amt des Beauftragten gegen Antisemitismus übernahm er Mitte 2018 zusätzlich zu seiner Funktion als Leiter des Referates „Nichtchristliche Religionen, Werte, Minderheiten, Projekte Nordirak“. Er ist mit einer Muslimin verheiratet und war Gründungsvorsitzender der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG) Region Stuttgart.

Der Religionswissenschaftler beschreibt den Islam als Weltreligion zwischen Radikalisierung und „stillem Rückzug“. Was er mit dem stillen Rückzug meint, hat er in einem Interview mit heute.de so erläutert: „In vielen islamisch geprägten Staaten und auch noch in vielen Familien wird die Abkehr vom Islam als Verrat betrachtet und mit Gewalt oder gar dem Tod bedroht. Daher gibt es bislang kaum ehrliche, öffentliche Debatten über Glaubenszweifel. Die meisten Muslime reden allenfalls im engsten Kreis darüber und reduzieren stattdessen einfach ihr religiöses Engagement. Sie beten immer seltener und halten sich von den Moscheen und und frommen Kreisen fern, ohne sich formal von der Religion loszusagen. Während wir also bei Christen die Säkularisierung durch Kirchenaustritte und rückgehende Taufzahlen erkennen können, bleibt der derzeit noch viel stärkere Säkularisierungsschub unter Muslimen statistisch bisher unsichtbar.“

Gegen Ölimporte

Michel Blume meint in dem Interview, dass es nur ein erster Schritt sei, wenn wir nicht mehr durch Import von Öl und Gas radikale Regime, Milizen und Terrorgruppen direkt und indirekt finanzieren. „Im zweiten Schritt bräuchte es mehr Bildung, damit die Menschen den vereinfachenden Glauben an weltweite Superverschwörungen hinter sich lassen können. Und zuletzt sind auch Programme hilfreich, die unsichere Jugendliche auffangen und verhindern, dass sie von Radikalen angeworben werden. Denn auch mit dem militärischen Sieg über den Islamischen Staat (IS) ist der radikale, meist auch antiwestliche und antijüdische Verschwörungsglauben in der islamischen Welt noch nicht überwunden.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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