Nordenham Seit vielen Jahren prägt in Nordenham ein festes Ritual die Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB): Kurz nach 10 Uhr startet ein Demonstrationszug – diesmal mit rund 100 Teilnehmern – auf dem Bahnhofsvorplatz. Ein buntes Fahnenmeer bietet sich den Spaziergängern, die interessiert am Straßenrand stehen bleiben. Dem Zug voran marschiert laut trommelnd die Marching Band aus Brake. Ziel ist das Kulturzentrum Jahnhalle.

Vor und in der Jahnhalle sind Informations- und Imbissstände aufgebaut. Auch eine Hüpfburg für Kinder steht bereit. Die Nordenhamer Familienband Jasch sorgt für den passenden musikalischen Rahmen. So auch an diesem 1. Mai, der unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ steht.

Selbstbewusster sein

In seiner Begrüßung ruft der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Mustafa Dogan die Gewerkschafter und Gäste zu mehr Selbstbewusstsein auf. Zudem fordert er sie auf, den Tag der Arbeit zu einem „Tag der europäischen Solidarität“ zu machen. Selbstbewusstsein sei durchaus legitim, „denn dieses Land würde ohne Gewerkschaften anders aussehen“. Viele Menschen seien heutzutage durch den schnellen gesellschaftlichen Wandel zwar erheblich verunsichert, doch die gemeinsam geschaffenen Normen und Werte müssten trotz aller Umbrüche ihre Gültigkeit behalten und dürften auf keinen Fall durch politische oder wirtschaftliche Interessen in Frage gestellt werden.

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Die „rechten Hetzer“, so Mustafa Dogan weiter, versuchten allerdings immer wieder, aus dieser Verunsicherung Kapital zu schlagen, und vergifteten damit das Miteinander. Es sei beispielsweise unerträglich, dass schon wieder Menschenjagden auf offener Straße stattfänden. Der Gewerkschafter: „Nicht nur anderswo, sondern auch bei uns in Nordenham.“

Tatsächlich dürfe es nicht sein, dass an bestimmten und gelebten Werten gerüttelt werde, greift Bürgermeister Carsten Seyfarth in seinem Grußwort den Ball auf. Keinesfalls dürften Schwache gegen Schwache ausgespielt werden, sagt er. Hass, Intoleranz und Ausgrenzung seien nicht nur unzulässig, sondern auch unanständig. Dann schwenkt er über zum Mai-Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ Europa sei nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Sozialprojekt, betont das Stadtoberhaupt. Das müsse in Zukunft noch stärker bei den Bürgern ankommen, denn für ein soziales Europa lohne es sich zu kämpfen. Dieses Europa habe Nationen zu Freunden gemacht, die sich vor noch nicht allzu vielen Jahrzehnten die Köpfe einschlugen. Jedoch sei immer wieder zu erkennen, dass es viele längst noch nicht so richtig begriffen hätten, „was wir an diesem Europa haben“.

Auch der Gastredner bei der Kundgebung in der Jahnhalle, Andreas Kauß, würdigt die Errungenschaften der europäischen Gemeinschaft. „Oder haben wir in den letzten 70 Jahren vergessen, aus welchem Desaster sich unser heutiges Europa entwickelt hat?“, fragt Andreas Kauß, der Landesvorstandsmitglied in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist.

Natürlich dürfe man nicht alles schönreden, fährt er fort. So bestehe in diesen Tagen die Gefahr einer Spaltung. Auch würden Sozialleistungen schleichend zurückgefahren und Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt. Doch die von rechtsextremen Politikern europaweit viel gepriesene Kleinstaaterei sei keine Lösung.

Mehr Europa

Plausible Antworten auf alle Missstände ließen sich nur in einem starken Europa finden, plädiert Andreas Kauß: „Nicht weniger, sondern mehr Europa ist der richtige Weg.“ Dabei verfolgen die Gewerkschaften unter dem Motto „Menschen vor Märkten“ die Prämisse von gleichem Lohn für gleiche Arbeit an gleichem Ort. Sie fordern, Arbeitnehmerrechte europaweit vor wirtschaftliche Interessen zu stellen, und sprechen sich für europäische Mindeststandards aus.

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