Nordenham Sie verzichtet auf eine Kandidatur für das Amt der Bundeskanzlerin und will den Parteivorsitz abgeben. Annegret Kramp-Karrenbauers überraschender Rückzug hat die CDU aufgeschreckt und die Diskussion um die künftige Nummer eins angeheizt. Wie steht es um die Stimmung an der Parteibasis? Wer soll die CDU anführen? Wer ist der Favorit für die Kanzlerkandidatur? Zu diesen Themen haben sich Nordenhamer Christdemokraten in einer Umfrage der NWZ geäußert.

Die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Nordenham, Sabine Dorn, bedauert es grundsätzlich, dass eine Frau die Spitzenpositionen in der Partei räumt. Aber Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt sei „vernünftig“. Das gelte besonders mit Blick auf die nächste Bundestagswahl. Schon bald nach dem Amtsantritt der Saarländerin im Dezember 2018 habe sich gezeigt, dass es ihr an Führungsstärke fehle. Die Ereignisse bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen hätten diesen Eindruck bestätigt. Sabine Dorn begrüßt es daher, dass die Noch-Vorsitzende den Weg frei macht und damit der Partei die Chance eröffnet, sich „neu zu sortieren“.

Nach Meinung der Nordenhamer CDU-Chefin ist Friedrich Merz der aussichtsreichste Anwärter auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur. „Er repräsentiert die Werte der CDU am besten“, sagt sie. Es sei wichtig, dass die Partei sich wieder auf ihre konservativen Wurzeln besinne. „Wir müssen deutlich machen, dass wir die CDU sind und nicht die SPD“, sagt Sabine Dorn.

Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Nordenhamer Stadtrat, Horst Wreden, bescheinigt Annegret Kramp-Karrenbauer eine Führungsschwäche. „Ihr ist es nicht gelungen, die Partei zu vereinen“, sagt er. Dazu passe jetzt der folgenschwere Alleingang der Thüringer CDU, den Annegret Kramp-Karrenbauer nicht verhindern konnte. Dieser Verstoß gegen die Parteilinie sei ein Indiz dafür, dass es Annegret Kramp-Karrenbauer an Durchsetzungsvermögen mangele. Hinzu kämen schlechte Umfragewerte, so dass ihr Rückzug letztlich konsequent sei.

Horst Wreden warnt eindringlich vor einer Doppelspitze in der künftigen Parteiführung. „Bloß das nicht“, sagt er. Für den Vorsitz und die Kanzlerkandidatur sollte seiner Ansicht nach Friedrich Merz die erste Wahl sein. „Das ist ein gestandener Politiker“, findet Horst Wreden.

Der Vize-Vorsitzende des Stadtverbandes und der Ratsfraktion, Dr. Tilman Kaethner, hält es für „keine gute Entwicklung“, dass führende Politiker frühzeitig das Handtuch werfen. Ein häufiger Personalwechsel in den Spitzenpositionen der Parteien komme bei den Bürgern nicht gut an.

Tilman Kaethner erwartetet von dem künftigen CDU-Chef, dass er neue Akzente setzt und der Partei „wieder ein programmatisches Profil gibt“. Diese Aufgabe traut er am ehesten Jens Spahn zu.

Torsten Lange, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Wesermarsch-Kreistag, macht kein Geheimnis daraus, dass Annegret Kramp-Karrenbauer nie seine Wunschkandidatin war. „Sie ist nicht in der Lage, die Partei modern zu führen“, sagt er. Das habe sich schon in ihrer missglückten Reaktion auf den Rezo-Videoclip gezeigt und nun bei den Ereignissen in Thüringen erneut bestätigt. Das mangelhafte Krisenmanagement sei ein Beleg dafür, dass es Annegret Kramp-Karrenbauer an Durchsetzungskraft fehle. Ihren Rücktritt hält er daher für richtig.

Torsten Lange wünscht sich Friedrich Merz als neue Nummer eins, weil der mit seinem klaren konservativen Profil die „Seele der Partei“ verkörpere. Allerdings schätzt Torsten Lange, dass die Funktionsträger beim Parteitag eher zu Armin Laschet tendieren werden. Als Kanzlerkandidaten für die Union favorisiert Torsten Lange den CSU-Politiker Markus Söder.

Der 2. Vorsitzende der Jungen Union Nordenham, Leonard Krippner, bezeichnet den Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer als „konsequent“. Ihre Entscheidung verdiene Respekt, da sie „ihre persönlichen Interessen hinten anstellt, um der CDU nicht weiter zu schaden“. Annegret Kramp-Karrenbauer verfügt seiner Meinung nach nicht über genügend Ausstrahlung und Führungsstärke, um die CDU hinter sich zu vereinen. Das hätten auch die Vorfälle in Thüringen gezeigt.

Für Leonard Krippner gehören Kanzlerschaft und Parteivorsitz zwingend zusammen. „Die CDU benötigt einen frischen, unverbrauchten Kandidaten, um nicht nicht nur die Partei wieder zusammenzuführen, sondern auch der Politikverdrossenheit entgegenzutreten“, sagt er. Friedrich Merz komme dafür nicht in Frage, weil der keinen Rückhalt in der Bevölkerung habe und Politik „nur für sein Ego“ betreibe. Armin Laschet sei aufgrund seines fehlenden Charismas keine Option. Um auch einen Generationswechsel einzuläuten, spricht sich Leonard Krippner für Jens Spahn (39) aus. Michael Kretschmer (44) und oder Daniel Günther (46) kämen ebenso in Betracht. „Alle machen solide konservative Politik und sind noch unter 50 Jahre alt“, sagt er.

Friedrich Merz verkörpert die Seele der Partei.

Torsten Lange

Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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