Nordenham Ein Klick auf dem Smartphone ersetzt den Gang zur Behörde und erspart den Anruf: Einen solchen Bürgerservice erwarten vor allem junge Leute von der Stadtverwaltung. Davon ist die SPD-Stadtratsfraktion überzeugt. Vor diesem Hintergrund fordern die Sozialdemokraten die Entwicklung einer Nordenham-App, die alle Bedürfnisse der digitalen Kommunikation erfüllt. „Die Bedeutung von Applikationen auf Smartphones und anderen mobilen Endgeräten nimmt immer mehr zu“, sagt der SPD-Ratsherr Nils Humboldt. Dieser Entwicklung dürfe sich die Stadt Nordenham nicht verschließen. Die mit einer attraktiven Stadt-App verbundenen Kosten betrachtet er als eine Investition in die Zukunft.

Als die Sozialdemokraten ihren Antrag im Stadtrat vortrugen, gab es aber auch Zweifel und kritische Stimmen. Die CDU-Politikerin Sabine Dorn warnte vor beträchtlichen Ausgaben und einem hohen Personalaufwand für die Entwicklung und Pflege einer Nordenham-App unter städtischer Regie. Sie bezeichnete den Vorstoß der SPD als ein „bisschen realitätsfern“ und sprach von jährlichen Kosten um die 20 000 Euro. Außerdem sei die Stadt mit der Nordenham-Homepage online schon gut aufgestellt.

Zweifel und Bedenken

Der WIN-Ratsherr Mustafa Sahin meldete ebenfalls Bedenken an. Er verwies darauf, dass bereits eine Nordenham-App existiert. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, auf dieser Grundlage das Online-Angebot zu erweitern, anstatt viel Geld in eine neue Applikation zu stecken.

In der Tat gibt es schon seit dem Februar 2015 eine Nordenham-App. Dabei handelt es sich um eine werbefinanzierte Installation des in Nordhorn ansässigen BVB-Verlages, der auch Stadtpläne für Nordenham erstellt hat. Nutzer können diese mit dem Nordenham-Logo – gelbe Welle vor dem grünen Butjadingen-Hundekopf – bebilderte App gratis herunterladen. Allerdings ist bei der Anwendung schnell zu erkennen, dass die Informationen lückenhaft und zum Teil veraltet sind.

Die nach Angaben des Verlages „offizielle Nordenham-App““ bietet die Rubriken Stadtinfo, Behördenwegweiser, Adressen, Veranstaltungen, Nachrichten und Notrufnummern an. Bei vielen Anwendungen werden die Nutzer direkt auf die Homepage Nordenham.de weitergeleitet. Einige führen allerdings zu Informationstexten, die überholt sind. Da ist zum Beispiel von einer Minigolf-Anlage am Störtebeker-Bad, einer Jugendherberge an der Strandallee und einer Kiebitz-Apotheke in Abbehausen die Rede. Diese Einrichtungen gibt es ebenso nicht mehr wie das ebenfalls genannte Lehrschwimmbecken am Weserstrand.

Irritierend ist zudem, dass die Recherche in der Abteilung „Allgemeinmedizin“ unter anderem zu den Anschriften verstorbener Ärzte oder längst aufgelöster Praxen führt. So verwundert es auch nicht, die vor zwei Jahren nach Esenshamm umgezogene Wesermarsch-Klinik noch unter der Adresse Albert-Schweitzer-Straße 43 aufgeführt ist. Und was mag dahinter stecken, dass beim Drücken der Taste „Kultur & Freizeit“ als erstes die Tourismus-Servicegesellschaft Butjadingen auftaucht, gefolgt von dem Friesenstrand und der Nordsee-Lagune in Burhave?

Der BVB-Verlag hatte die App einst in Kooperation mit dem Verein Nordenham Marketing & Touristik (NMT) auf den Markt gebracht. NMT musste dafür nichts zahlen, steuerte aber Texte und Bilder bei. Die Finanzierung sollte durch Werbung gesichert werden. Doch laut Ilona Tetzlaff hat sich das Interesse der Nordenhamer Einzelhändler an den kostenpflichtigen Einträgen rasch verflüchtigt. Aus ihrer Sicht hat sich diese Nordenham-App mittlerweile überholt. Die Applikation habe auch den Nachteil, dass sie statisch sei und keine Interaktion ermögliche. Sie will sich mit dem Verlag in Verbindung setzen und klären, ob und wie es mit der App weitergehen soll.

Reicht Nordenham.de?

Trotz der offenkundigen Schwächen des jetzigen Angebots hält sich die Begeisterung der NMT-Chefin für eine neue Nordenham-App in Grenzen. „Eine gute App muss gepflegt werden“, sagt sie, „das erfordert Personal, Zeit und Geld.“ Letztlich sei das eine Frage von Kosten und Nutzen. Unter diesem Gesichtspunkt genügt ihrer Meinung nach der Online-Auftritt, den NMT und die Stadt mit der gemeinsamen Homepage Nordenham.de vorhalten. Denn diese Seite sei so konzipiert, dass auch Smartphone-Besitzer sie problemlos nutzen können.

Mit Mängelmelder

Nils Humboldt, der in der SPD-Fraktion der Experte für soziale Medien und digitale Kommunikation ist, vertritt jedoch einen anderen Standpunkt. Nach seiner Einschätzung ist die alte Nordenham-App nicht dafür geeignet, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und Mehrwerte zu bieten, die heutzutage von den Anwendern erwartet werden. Ihm schwebt eine Applikation vor, die eine „direkte Kommunikation zwischen Stadt und Bürger“ erlaubt. Ein Antragsservice sollte ebenso dazu gehören wie ein Mängel-Melder, mit dem Bürger online auf Schlaglöcher, defekte Straßenlaternen und andere Missstände hinweisen können. „Die jetzige App ist nicht das, was wir wollen“ sagt er.

Mit dem SPD-Antrag soll sich der Ratsausschuss für Finanzen und Personal in einer seiner nächsten Sitzungen befassen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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