Nordenham Das Wunschkonzert fand ein jähes Ende, als sich die Stadtratsausschüsse für Bau- und Umwelt in einer gemeinsamen Sitzung mit den Plänen für die Erneuerung der Nebenanlagen an der Bahnhofstraße befassten. Im Vorfeld hatte die SPD-Fraktion die bisherigen Entwürfe der Verwaltung als zu „kleinteilig“ kritisiert und die Vorlage eines Alternativkonzepts mit Fahrradschutzstreifen auf der Straße gefordert. Eine solche Variante auf Grundlage der SPD-Wünsche stellte Baudezernentin Ellen Köncke in der Sitzung am Mittwochabend vor und gab auch die damit verbundenden Kosten bekannt. Sie bezifferte die voraussichtlichen Ausgaben für die große Lösung mit rund 715 000 Euro. In Anbetracht dieser Summe war auch den Sozialdemokraten klar, dass sich ihre Ideen nicht umsetzen lassen. „Das ist dermaßen teuer“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Thöle, „dass wir uns das angesichts der leeren Kassen nicht leisten können.“ Vor diesem Hintergrund stimmten die Ausschüsse letztlich der ursprünglichen Planung zu. Dabei beschränken sich die Kosten auf 218 000 Euro.

Radfahrer ohne Schutz

Die Vision der SPD von asphaltierten und ebenerdigen Radwegen auf beiden Straßenseiten wäre laut Ellen Köncke sehr kostspielig geworden, weil die Fahrbahn verbreitert und der Unterbau verstärkt werden müssten. 1116 Euro pro laufenden Meter wären nach Angaben der Baudezernentin bei dieser Variante anzusetzen. Vom stolzen Preis abgesehen führte sie als Gegenargument an, dass aufgrund des beträchtlichen Verkehrsaufkommens auf der Bahnhofstraße – auch mit Bussen und Lastwagen – die schutzlosen Radfahrer einer hohen Unfallgefahr ausgesetzt wären. Das gelte besonders bei Dunkelheit. Außerdem blieben bei dieser Ausführung die maroden Nebenanlagen an der Südseite so wie sie sind.

135 000 Euro

hat der Stadtrat auf Antrag der Wählerinitiative Nordenham (WIN) für den Ausbau von Radwegen in den Haushaltsplan aufgenommen. Das Geld ist für die Erneuerung von Nebenanlagen an der Bahnhofstraße gedacht. Diese Investitionsmittel kommen aber nur zur Anwendung, wenn die angestrebte Förderung (40 Prozent) aus dem Klimaschutzprogramm des Bundes bewilligt wird. Darüber hinaus stehen 135 000 Euro im Haushalt der Stadt Nordenham für Unterhaltungsmaßnahmen an Radwegen bereit.

Die Sozialdemokraten versuchten gar nicht erst, Überzeugungsarbeit für die große Lösung zu leisten. Stattdessen sprachen sie sich dafür aus, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und sich mit einer Erneuerung der Geh- und Radwegpflasterung zu begnügen. Diese sogenannte Variante 1 b sieht vor, die Nebenanlagen an der Südseite der Bahnhofstraße auf einem 640 Meter langen Abschnitt zwischen dem Atenser Kreisel und dem Mittelweg auf Vordermann zu bringen. Dabei sollen rote und graue Betonsteine zum Einsatz kommen. Eine Ertüchtigung des Unterbaus ist laut Ellen Köncke nicht erforderlich.

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Bis auf die Grünen stimmten alle Fraktionen der Empfehlung zu. Der Grünen-Ratsherr Mario Kauschmann lehnte sie ab, weil diese Variante nicht zukunftsorientiert sei. Das andere Konzept sei zwar teurer, aber dafür auch deutlich besser.

Ohne Tiefborde

Die SPD regte an, anstelle von Tiefborden lieber Rampensteine einzubauen. Auf diese Weise könnten den Radlern die Berg- und Talfahrten erspart werden, wenn sie die Grundstückszufahrten kreuzen.  Was besonders die SPD und die Grünen stört, ist die vorgesehene Fällung von zwölf Bäumen. Deren Wurzeln haben die jetzigen Gehwegplatten hochgedrückt und zu Stolperfallen gemacht. „Eine Bahnhofstraße ohne Bäume können wir uns nicht vorstellen“, betonte SPD-Ratsherr Wilfried Fugel. Auch seine Fraktionskollegin Angelika Zöllner warnte vor einer ersatzlosen Beseitigung der Baumreihe. „Eine gepflasterte Einflugschneise in die Innenstadt passt nicht, wenn wir gleichzeitig unsere Bürger von Schottergärten abbringen wollen.“ Die Verwaltung soll nun prüfen, ob dort neue Bäume gepflanzt werden können. In anderen Städten sei das auch möglich, hieß es aus der SPD. Ansonsten sieht der Vorschlag der Verwaltung vor, als Ersatzmaßnahme 24 Bäume am Hohen Weg in Friedrich-August-Hütte zu pflanzen.

Wann das Radweg-Projekt umgesetzt werden kann, hängt von der Finanzierung ab. Die Stadt Nordenham erhofft sich eine Förderung aus Bundesmitteln.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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