Nordenham Seit vielen Jahren ist es in Nordenham Tradition, die Arbeitnehmervertreter der Nordenhamer Werke und die Gewerkschafter im Vorfeld der Kundgebungen zum Tag der Arbeit zu einem Empfang ins Rathaus einzuladen. Dies sei ein Dankeschön für die gute Zusammenarbeit, unterstrich Bürgermeister Carsten Seyfarth am Donnerstag vor 48 Gästen, sei aber heutzutage bei den Städten und Gemeinden längst nicht mehr selbstverständlich. Dass Rat und Verwaltung in Nordenham weiterhin diese Tradition leben, mache ihn auch ein wenig froh und stolz, sagte der Bürgermeister. Stellvertretend für alle Gäste begrüßte er namentlich den Vorsitzenden des DGB-Orts- und Kreisverbandes Wesermarsch, Mustafa Dogan, sowie den Vertreter des DGB-Bezirks Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, Thomas Domke.

Der Tag der Arbeit 2018 steht unter der Überschrift „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität“. Das diesjährige Motto sei trefflich gewählt und beschreibe drei wunde Punkte im Zusammenleben unserer Gesellschaft, umriss Carsten Seyfarth in seiner Begrüßung. Und er versuchte, es an einigen Beispielen festzumachen: Vielfalt sei ein Anspruch, dem spätestens seit der Bundestagswahl im Herbst Gefahr drohe, denn die AfD stelle sich vehement gegen diese Vielfalt, betreibe Ausgrenzung, entsolidarisiere die Gesellschaft und spiele so mit dem Feuer.

Ängste der Wähler

Es sei Zeit, der AfD „die Maske herunter zu reißen“ und „ihr die rote Karte zu zeigen“. Dabei dürfe man aber nicht vergessen, dass sich hinter der Wahl ihrer Vertreter vielerlei Ängste ihrer Wähler verbergen. Es sei deshalb allerhöchste Zeit für alle demokratischen Parteien und Organisationen, diese Menschen endlich abzuholen. Zum Thema Vielfalt falle ihm, Seyfarth, vor allem die unsägliche Diskussion um die Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland ein. Sie sei rein theoretisch und führe zu nichts. Wichtig sei vielmehr, „wie wir mit den Menschen zusammenleben wollen und können, die zu uns gekommen sind“.

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In puncto Gerechtigkeit nannte der Bürgermeister beispielhaft das große Lohngefälle zwischen Männern und Frauen einen echten Skandal. Politik und Wirtschaft seien gefordert, endlich die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. In Nordenham sei man hier mit der Einrichtung von Ganztagsschulen, der Schaffung guter Bildungsvoraussetzungen und gut ausgestatteten Kindertagesstätten bereits auf einem recht guten Weg.

Zum Thema Solidarität mahnte Seyfarth eine enge Zusammenarbeit von Kommunen, Ländern und Bund an, denn „alleine können wir Kommunen das nicht wuppen“. Als „genau richtig“ bewertete er den Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst. Nur so könne der Öffentliche Dienst ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.

Das Motto „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität“ stand natürlich auch im Mittelpunkt der Redebeiträge der beiden DGB-Vertreter Mustafa Dogan und Thomas Domke. Sie griffen die Stichworte des Bürgermeisters auf, spannten aber noch einen weiteren Bogen: Eine vorbildliche, heile Arbeitswelt sei einst Markenzeichen Deutschlands gewesen, sagten sie. Heute allerdings sei diese Welt durch einen extrem großen Niedriglohnsektor, eine immer noch sehr hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen, einen Mindestlohn, der nicht existenzsichernd sei, durch drohende Altersarmut und eine zunehmend ungleiche Verteilung des Wohlstandes geprägt.

Zeichen zum Aufbruch

„Frauen haben immer noch weniger Geld in der Tasche, weil sie eben Frauen sind,“ so Mustafa Dogan. Und viele der „Bosse“, das zeige sich auch gerade jetzt wieder während der laufenden Betriebsratswahlen, so Thomas Domke, schalteten und walteten noch immer „nach Gutsherrenart“. Der Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst sei jetzt das Zeichen zum Aufbruch. Mustafa Dogan: „Für zehn Millionen Beschäftigte laufen in diesem Jahr Tarifverhandlungen. Wir fordern ein sattes Plus. Jahrelang haben wir die Gürtel enger geschnallt. Jetzt muss kräftig zu unseren Gunsten umverteilt werden.“

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